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Pflanzenbörse am Zülpicher SeeHeimische Wildpflanzen und Infos rund um den Naturschutz

4 min
An dem Stand konnten sich die Besucher einige Exemplare der Asiatischen Hornisse ansehen.

Die Untere Naturschutzbehörde klärte bei der Pflanzenbörse des Nabu am Seepark in Zülpich über die Bedrohungen durch die Asiatische Hornisse auf. Verena Schüller (r.) zeigte den Besuchern originale Exemplare zur Anschauung.

Der veranstaltende Nabu Euskirchen bot Pflanzen für den heimischen Garten an, die ohne Torf und Insektizide produziert wurden. 

Auf Parkplatz 4 am Zülpicher Wassersportsee, direkt neben der Baustelle für den Hochwasserüberlauf zum See, war am 2.Mai eine Pflanzenbörse aufgebaut. Initiatoren waren der Naturschutzbund Euskirchen (Nabu) und seine Arbeitsgruppe Wiesennetzwerk Zülpicher Börde. An sieben Ständen konnten sich die Besucher mit heimischen Pflanzen aus privater und kommerzieller Hand eindecken. Zusätzlich und passend zum Konzept waren noch Informationsstände, Verkaufsstände mit Naturprodukten und ein Food Truck mit veganen Angeboten dabei.

Ulrich Pohl vom Nabu-Vorstand erklärte dazu: „Wir möchten auf dieser Börse Pflanzen für den heimischen Garten anbieten, die ohne Torf und Insektizide produziert wurden. Und wir wollen über Naturschutz informieren.“ Dass die Pflanzen gänzlich pestizidfrei produziert wurden, wollten nicht alle Anbieter an den Ständen garantieren.

Einige der Jungpflanzen stammten aus kommerziellem Anbau am Niederrhein. Nicht immer kann dort ganz auf Pflanzenschutzmaßnahmen verzichtet werden, deutete Maurice Willms vom Fachbetrieb für Landschaftspflege „Regio Grünpflege“ auf Rückfragen ehrlich an. Auch er hatte sich einladen lassen, ökologisch wertvolle Pflanzen anzubieten.

Wenn wir nichts dagegen unternehmen, bekommen wir in Zukunft ein ernstes Bestäubungsproblem, weil keine Bienen mehr fliegen.
Verena Schüller von der Unteren Naturschutzbehörde

Was, so Ulrich Pohl, auf jeden Fall stimmt: „Die Pflanzen hier sind entweder Nektarlieferanten oder Fressnahrung für Insekten.“ Das sei nämlich ein Problem heutzutage, dass Insekten und ihre Larven und Raupen keine passende Nahrung   finden.

Die Pflanzenbörse fand zum ersten Mal in Zülpich statt. Begonnen wurde mit der Börse vor vielen Jahren in Gemünd. Später wurde sie in Kall fortgesetzt, jetzt in Zülpich. „Wir haben vor, die Veranstaltung jetzt regelmäßig auf diesem Platz zu veranstalten. Denn hier können wir uns noch ausweiten,“ sagte Marion Zöller, die ebenfalls im Vorstand des Nabu tätig ist. Mehrere Mitwirkende sprachen ihre Dankbarkeit aus, die Fläche kostenlos von der Betreibergesellschaft des Sees zur Verfügung gestellt bekommen zu haben.

Großes Interesse bei den Besuchern, mit dem eigenen Garten Gutes zu tun

Es ist erstaunlich, wie viele Besucher im Laufe von zwei Stunden an den Ständen zu beobachten waren. Obwohl bislang kaum eine Pflanze Blüten zeigt, war das Interesse daran, mit dem eigenen Garten der Natur etwas Gutes zu tun, offensichtlich groß. Da braucht es erstmal keine bunte Farbenpracht. An den Ständen entdeckte man wilde Pfefferminze und Melisse, die gemeine Wegwarte, Dost, Pastinaken und viele andere oft wenig bekannte Pflanzen.

Iris van Kelst ist eine der Organisatorinnen der Veranstaltung und betreut den Stand von „Kulturgut Wiesen“. Sie berichtete von ihrer Motivation, den Tag bei der Pflanzenbörse zu verbringen: „Vor einigen Jahren habe ich durch einen Tipp von einer Freundin damit begonnen, mich für Wildpflanzen zu interessieren. Ich habe dann angefangen, unseren Garten neu zu gestalten. Jetzt kann man bei uns viele Schmetterlinge und Insekten beobachten. Selbst mein Mann ist inzwischen begeistert.“

Marion Zöller und ein weiterer Mitarbeiter vom Nabu sind im Gespräch mit einer Besucherin der Börse.

Marion Zöller (Mitte) vom Vorstand des Nabu Euskirchen nutzte die diesjährige Pflanzenbörse für zahlreiche Gespräche über den Naturschutz.

Van Kelst hat wiederum andere angesteckt. Christiane Theissen saß zusammen mit ihrer Freundin Sabine Gombert vor einer Reihe getopfter Pflanzen aus dem eigenen Garten. Beide hatten in ihrem Heimatort Schmidtheim eine städtische Fläche ökologisch bepflanzt. Jetzt verkauften sie ohne Pavillon in der warmen Sonne ihre Pflanzen, um ihr Feuer weiterzugeben und mehr Menschen für Wildpflanzen zu interessieren.

Auch Mitarbeiter der Igelstation Bergheim, Erftigel genannt, hatten die Gelegenheit wahrgenommen, ihr Naturinteresse mit anderen zu teilen. Fachkundig erklärte Alexandra Ohrem, was vielen noch nicht bekannt ist: „Nacktschnecken sind Igelkiller. Igel fressen sie nur aus Not, weil sie sonst nichts finden. Aber Schnecken und Regenwürmer tragen Innenparasiten mit sich herum, die dem Igel in größeren Mengen schaden. Der Mensch kann helfen, indem er Nahrung zur Verfügung stellt.“

Am Stand des Nabu stehen viele Töpfe mit ökologisch wertvollen Pflanzen.

Bei der Pflanzenbörse am Seepark in Zülpich verkaufte der Nabu eine bunte Mischung ökologisch wertvoller Pflanzen für einen wildtierfreundlichen Garten.

Offizielles Igelfutter sollte man eher nicht kaufen, rät Ohrem: „Das ist zu teuer und enthält Beimengungen, die der Igel nicht braucht. Katzenfutter mit über 60 Prozent Fleischanteil ist besser. Man bekommt es günstig, auch beim Discounter.“

Ein imposantes Hornissennest zog viele Besucher der Börse an

Ein weiterer Stand zog die Besucher an. Auf einem Tisch lag ein großes braunes Gebilde: ein Hornissennest von ca. 60 cm Durchmesser. Die Untere Naturschutzbehörde war mit zwei Mitarbeitern vertreten. Verena Schüller erklärte den Besuchern, was es mit dem braunen Klumpen auf sich hat. Gebaut wurde er von der Asiatischen Hornisse, Vespa velatina, die in Europa keine natürlichen Feinde hat. Darum vermehrt sie sich ungebremst und fällt über Bienenstöcke und heimische Insekten her. Ein Besucher wusste, dass alle diese Hornissen Nachfahren eines Exemplars sind, das nach Frankreich gelangt war.

4000 bis 10.000 Hornissen pro Nest sind möglich. Ein Imkerschreck. Verena Schüller: „Wenn wir nichts dagegen unternehmen, bekommen wir in Zukunft ein ernstes Bestäubungsproblem, weil keine Bienen mehr fliegen.“ Broschüren und der Infostand klärten über die invasive Art auf. Wer Nester entdecke, solle sie melden, damit sie entfernt werden können.

Die Biologische Station Nettersheim hatte sich der Pflanzenbörse ebenfalls angeschlossen und informative Schriften und einige Pflanzen im Gepäck. Die Pflanzenbörse wurde auf diese Weise nicht nur zur Gelegenheit, besondere Wildpflanzen zu erwerben, sondern auch eine bildende Veranstaltung. Am 7. Juni soll es eine weitere Pflanzenbörse des Nabu in Kuchenheim geben.