Vor den endgültigen Entscheidung wird in Zülpich ausprobiert, wie eine Fußgängerzone in der Münsterstraße angenommen wird.
Rat hat entschiedenZülpicher Münsterstraße wird probeweise Fußgängerzone

Erst einmal probeweise wird die Münsterstraße als Fußgängerzone ausgewiesen – wenn denn die Bauarbeiten abgeschlossen sind.
Copyright: Ulla Jürgensonn
Der Kompromiss ist gewissermaßen in letzter Sekunde gefunden worden. Noch am Montag habe es intensive Gespräche mit dem Straßenverkehrsamt beim Kreis gegeben, berichtete Bürgermeister Ulf Hürtgen in der Sitzung des Zülpicher Stadtrats am Dienstagabend. Nachdem sich Stadtverwaltung und Verkehrsbehörde geeinigt hatten, kam auch der Rat zu einer weitestgehend einvernehmlichen Lösung: Die Münsterstraße in der Zülpicher Innenstadt wird zur Fußgängerzone auf Probe.
Ob der Versuch, wie zunächst mit dem Straßenverkehrsamt besprochen, ein halbes Jahr laufen wird, oder, wie vom Rat mehrheitlich gefordert, zwölf Monate, müssen weitere Gespräche zeigen. Einstimmig sprachen sich die Stadtverordneten dafür aus, dass Fahrradfahrer die Straße weiterhin nutzen dürfen – in Schrittgeschwindigkeit. Lieferverkehr soll den ganzen Tag über möglich sein, die Anwohner sollen ihre Stellplätze anfahren können.
Zur Haltung der Bürger gibt es widersprüchliche Aussagen
„Wenn es nicht funktioniert, haben wir es wenigstens versucht“, sagte Hürtgen mit Blick auf die jahrelangen kontroversen Debatten um die Zukunft der Münsterstraße. Deren Ausbau ist noch nicht ganz abgeschlossen, aber ohnehin so gestaltet, dass er beide Nutzungsarten – als Fußgängerzone oder als Einkaufsstraße mit verkehrsberuhigtem Geschäftsbereich – zulässt.
Wie die Haltung der Bürger zu einer autofreien Münsterstraße ist, darüber gab es im Rat unterschiedliche Erkenntnisse. Marvin Strick (SPD) berichtete, er und seine Fraktionskollegen hätten mit Anwohnern gesprochen. Viele wünschten sich eine Fußgängerzone und erhofften sich davon mehr Sicherheit und eine höhere Aufenthaltsqualität. Detlef Krings (UWV) war zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen: Bei Umfragen seiner Fraktion hätten 70 Prozent die Fußgängerzone abgelehnt.
Fahrradhändler plädiert für längere Testphase
Jörg Schumacher, Inhaber des Fahrradgeschäfts an der Münsterstraße, schilderte den Ratsmitgliedern seine Bedenken und Befürchtungen. Wenn der Radverkehr komplett verboten würde, müssten seine Kunden bei einer Probefahrt erst einmal schieben. Und da er viele Fahrräder versende, sei er darauf angewiesen, dass den ganzen Tag Lieferfahrzeuge vorfahren können.
Im Haus gebe es fünf Wohnungen, deren Mieter zu ihren Stellplätzen gelangen müssten. All diese Probleme wären gelöst, wenn die Straßenverkehrsbehörde dem aktuellen Vorschlag der Stadt zustimmen würde. Schumacher brachte auch die Idee auf, die Testphase auf ein Jahr auszuweiten: Während sein Geschäft eventuell im Sommer leiden würde, würden Betreiber von Außengastronomie gerade da profitieren.
„Mehr Mut“ wünschte sich ein anderer Bürger. Er zeigte sich überzeugt, dass die Mehrheit der Zülpicher eine Fußgängerzone begrüßen würde. Alle Fraktionen begrüßten den Versuch, lediglich die UWV konnte sich nicht damit anfreunden, dass er ein ganzes Jahr dauern soll, und stimmte deshalb dagegen. Timm Fischer (CDU) verwies darauf, dass der Test jederzeit abgebrochen werden müsse, wenn die neue Regelung nicht funktioniere.
Jonah Kehren, Teamleiter im Bauamt, erklärte die weiteren Abläufe. Wenn der Versuch mit der Münsterstraße als Fußgängerzone starte, werde gleichzeitig ein Teileinzugsverfahren für die Straße in Gang gesetzt. Das gehe für drei Monate in die Offenlage, die Anlieger würden angeschrieben. Nach der Beteiligung der Öffentlichkeit und dem Ende der Testphase – nach einem halben oder einem ganzen Jahr –müsse dann die Politik die endgültige Entscheidung fällen, wie die Münsterstraße künftig genutzt werde.
