Die Zülpicher SPD fand für ihren Vorschlag, den Park am Frankengraben nach einer in der NS-Zeit ermordeten Familie zu benennen, keine Mehrheit.
Grünanlage in ZülpichKnappe Mehrheit stimmte gegen eine Benennung nach jüdischer Familie

Wie der Park am Frankengraben künftig heißen soll, ist nach wie vor unklar.
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Einst gehörte sie genauso zu Zülpich wie Münstertor und Blaue Funken: Familie Klaber. Seit dem späten 18. Jahrhundert waren die Klabers in der Stadt ansässig, beim Roten Kreuz und im Karnevalsverein aktiv und die Männer kämpften als Soldaten im 1. Weltkrieg. Dann wurden sie umgebracht, weil sie Juden waren.
„Erinnern bedeutet konkret erinnern“, sagte Annegret Lewak (SPD) in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Struktur, Verkehrs- und Energiewende. Deshalb beantrage ihre Fraktion, die Grünanlage am Frankengraben, die ab Herbst neugestaltet wird, Familie-Klaber-Park zu benennen.
Das Beispiel der Karl-von-Lutzenberger-Straße
Dies solle aber nur ein Anfang sein, so Lewak weiter. Eine Art Leuchtturmprojekt. Darüber hinaus beantrage die SPD-Fraktion, der auch Linken-Politiker Alexander Falkenberg angehört, künftig mehr öffentliche Plätze und Straßen nach Persönlichkeiten mit besonderem Bezug zur Stadtgeschichte zu benennen. Dies könne zu mehr Zusammenhalt in und mehr Identifikation mit der Stadt führen, so Lewak weiter.
Als Beispiel nannte sie die Karl-von-Lutzenberger-Straße. Ohne diesen Straßennamen hätte sie selbst vermutlich nie von der Geschichte des Pfarrers erfahren, der bei einem Bombenangriff der Alliierten 1944 ums Leben kam. Dieser galt in theologischen Fragen als sehr konservativ und autoritär, doch leitete er seine Gemeinde immer wieder zum aufrechten Christentum und war damit den Nazis ein Dorn im Auge.
Einen Pool mit Namen geeigneter Persönlichkeiten der Stadtgeschichte
Um die Benennung nach Persönlichkeiten auf eine fundierte Grundlage zu stellen, beantragte die SPD weiter, dass die Verwaltung mit anderen Institutionen, etwa dem Zülpicher Geschichtsverein, einen Namenspool geeigneter Persönlichkeiten erstellen solle. „Dabei erscheint es sinnvoll, insbesondere auch bislang weniger sichtbare Teile der Stadtgeschichte stärker zu würdigen, etwa durch eine gezieltere Berücksichtigung von Frauen“, so der Antrag. Der Namenspool sollte dann abschließend noch dem Stadtrat vorgelegt werden, der final darüber entscheide.
Trotz des umfangreichen Antrags wurde in der Ausschusssitzung hauptsächlich die Namensgebung für die Grünanlage diskutiert. Die CDU lehnte den Vorschlag der SPD ab. Die Benennung von Straßen und Plätzen nach konkreten einzelnen Personen sei problematisch, so Reimund Wallraff. Es sei dann notwendig, mit Hinterbliebenen zu sprechen, und das sei mit viel Arbeit verbunden. Seine Fraktion schlage deshalb den allgemeineren Namen „Park der Erinnerung“ vor.
Erinnern bedeutet konkret erinnern.
Das wiederum war dann Detlef Krings von der UWV zu allgemein. „Erinnerung woran?“, fragte er. Dennoch sehe auch er es kritisch, den Park nach konkreten Personen zu benennen. Das wecke Begehrlichkeiten in der Bevölkerung und führe zu Diskussionen. Karl von Lutzenberger sei ja eine einmalige Persönlichkeit der Stadtgeschichte gewesen. Er selber habe von der Familie Klaber noch nichts gehört. Für den Park schlage er den Namen Chlodwig- oder Franken-Park vor, so Krings weiter.
Angela Kalnins begrüßte den Vorschlag der SPD-Fraktion. Sie könne sich auch vorstellen, weitere Straßen und Plätzen nach Zülpicher Persönlichkeiten zu benennen.
Bürgermeister kritisiert die Vorgehensweise der SPD
Schließlich meldete sich auch Bürgermeister Ulf Hürtgen zu Wort. Er sei in diesem Gremium zwar nicht stimmberechtigt, aber bislang gebe es doch ein Verfahren für die Benennung von Straßen und Plätzen. So spreche man üblicherweise zunächst in kleiner Runde mit den Fraktionsvorsitzenden über Namensideen, bevor man sie dann im Ausschuss zur Abstimmung stelle. Das habe sich doch auch bisher gut bewährt, äußerte er Unverständnis über die Vorgehensweise der SPD.
Was den übrigen Teil des Antrages angehe, lehne er diesen aus Verwaltungssicht ab. Das schaffe nur zusätzliche Arbeit, für die eigentlich dieser Ausschuss zuständig sei. Nachdem dann auch die CDU bekräftigte, den übrigen Teil des Antrages abzulehnen, zog die SPD-Fraktion alle Punkte außer der Benennung des Parks zurück. Über den so geänderten Antrag wurde dann auch abgestimmt.
Der Vorschlag der SPD, die Anlage Familie-Klaber-Park zu benennen, wurde mit zwölf zu neun Stimmen abgelehnt. Für Zülpicher Verhältnisse ein äußerst knappes Ergebnis.
