Gelungene Premiere für den „Tag der offenen Kultur“ in Zülpich: Aufführungen zwischen Damenbekleidung, Politik und den Römern.
„Tag der offenen Kultur“Zülpicher zeigten erstmals, was die Stadt alles zu bieten hat

Musik zwischen Damenoberbekleidung: Im Modegeschäft „Anziehfee“ gab es ungewohnte Klänge zu hören.
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Zülpich hat nicht nur viel Historie, sondern auch Kultur zu bieten. Beim ersten „Tag der offenen Kultur“ präsentierten sich Museen bei freiem Eintritt, spielten Musiker in Modegeschäften oder in Kirchen, und gab es Poetry-Slam im Büro des Parteiortsvereins.
„In Zülpich ist wieder viel los!“ Bürgermeister Ulf Hürtgen war so gut gelaunt wie das strahlende, später leider auch sehr heiße Sommerwetter. Dabei war Hürtgen eigentlich nur ein Gast wie jeder andere, denn der „Tag der Offenen Kultur“ war nicht von der Stadt, sondern vom „Runden Tisch Kultur“ veranstaltet worden. Und da sitzt die Stadt selbst nur mittelbar als ein Kooperationspartner neben dem LVR beim Römerthermen-Museum mit am Tisch.
„Wir wollten eigentlich eine „Lange Nacht der Kultur“ veranstalten, deshalb macht auch das Kino mit“, sagt Dr. Silvia Bruder, Leiterin der Römerthermen Zülpich. Es seien immer mehr Ideen und Vorschläge dazugekommen – da wurde aus den geplanten Abendstunden ein ganzer Tag. „So um die 19 Zuhörer waren es schon“, staunte Christine Bär, Stadtratsmitglied für die SPD, im Ortsvereinsbüro an der Münsterstraße, über das überraschende Interesse am Kulturprogramm im „Rot“. Heike Neumann las aus ihrem Roman „Grenzzeit“, und versuchte später Lea Fischenich-Bach, Poetry Slammerin, mit der Intensität ihres Vortrags die Zuhörer auf ihre Seite zu ziehen.
Kaffee, Kuchen und Kino unter freiem Himmel in Zülpich
Vom „Rot“ aus ging man als Zülpicher besonders entspannt entlang der neugepflasterten Münsterstraße zum Bademuseum. Dort sang der Effata-Gospelchor im Foyer; auf dem Quirinusplatz davor verkauften Mitarbeitende des Freiluft-Kinovereins und des Museums Kaffee, Kuchen und Kaltgetränke. Hier fand Museumsleiterin Bruder immer wieder Gesprächspartner, um das Konzept des Thermenmuseums zu erklären und zum an diesem Tag kostenlosen Eintritt zu werben. Sie wie Bürgermeister Hürtgen hofften: „Es wäre schön, wenn das wiederholt werden kann, also eine Verstetigung erfolgt“, so Bruder.

Die Langendorferin Juliane Vetter führte Besucher durch das Hubert-Salentin-Museum in Zülpich.
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Poetry Slam im SPD-Ortsvereinsbüro: Lea Fischenich-Bach las Selbstgetextetes im „Rot“ an der Münsterstraße.
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Nebenan, in der hellen Hallenkirche St. Peter von Karl Brand aus den Jahren 1953-55, erbaut an der Stelle der im Zweiten Weltkrieg zerstörten mittelalterlichen Kirche, schaltete wenig später Eric Hellendahl verschiedene Schalter am Spieltisch der Weimbs-Orgel. Das Großinstrument kennt Hellendahl aus dem Orgelunterricht beim Zülpicher Kantor Holger Weimbs, der Jugendliche begleitet mittlerweile sogar ganze Messen. Weimbs bot am Zülpicher Kulturtag Orgelkonzerte mit anschließender Orgelführung an. Das Besondere an dem in der Mitte der 2010er Jahre aufgebauten elektrisch gekoppelten Instrument: Zwischen Spieltisch und Orgelprospekt liegen geschätzte 30 Meter Luftlinie.
Die Nachmittagshitze wirkte für Sport und Spiel eher abschreckend
Vor dem Kircheneingang hatten unterdessen Patrick Kisselmann, Jugendleiter der Evangelischen Christuskirche, Marianne Komp, Engagementförderin der katholischen Kirche, und einige Helfer und Helferinnen ein „Spiel und Sportangebot“ für Kinder aufgebaut. Die, für die es gedacht war, ließen sich in der beginnenden Nachmittagshitze eher sporadisch sehen. Deshalb hatte das Team die Parole „Wir basteln uns kleine Papierfächer zur Abkühlung“ ausgegeben, ansonsten gehe es „heiter weiter“, so Ingo aus der „neuen“ Trommelgruppe. Um 22 Uhr schließlich war am Quirinusplatz auch die Filmvorführung „Micmacs - Uns gehört Paris!“ durch Freiluft Kino & Kultur Zülpich geplant.

Das Team des Kinder- und Jugendaktionsprogramms an der Pfarrkirche wusste sich vor der Sommerhitze zu helfen.
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Von der Pfarrkirche aus ist es nur ein Katzensprung zur Landesburg und der dort untergebrachten „Geschichtswerkstatt“ des Zülpicher Geschichtsvereins. Am Kulturtag zeigte der Verein Filme, die die Stadt in den 1970er Jahren porträtierten. Die habe der damalige für Zülpich zuständige Redakteur des Kölner Stadt Anzeigers Otto Becker gedreht, so Margrit Adams-Scheuer.
Bei der Gelegenheit konnte man – ebenfalls bei freiem Eintritt – einen Blick in die kleine, konzentrierte Sammlung zur Stadtgeschichte werfen. Zu den Exponaten gehört natürlich auch eine Originalflasche „Alter Sieger“, ein einst in und um die Römerstadt herum legendärer Korn, der in der Landesburg gebrannt wurde. Vom Mühlenberg konnte man nun die Guinbertstraße hinab Richtung „Kinat“, der Kreuzung mit Schumacherstraße, Kölnstraße und Münsterstraße gehen.
Musik und Literaturkabarett in Zülpicher Modegeschäft
Gegenüber bot Juliane Vetter von der Manfred-Vetter-Stiftung für Kunst und Kultur Führungen durch das 2024 eröffnete Hubert-Salentin-Museum an. In Bodenvitrinen sind auch Artefakte aus mehreren Jahrhunderten zu sehen, die bei den Ausschachtungsarbeiten für den Umbau des einstigen Wohn- und Geschäftshauses an der Adresse gefunden wurden
Im hier und jetzt des großen Angebotes gab es zudem Konzerte vom Musikschulzweckverband Schleiden, die Galerie Roy hatte an der Bonner Straße ihre Grafikwerkstatt geöffnet, das Kunstforum Zülpich wollte seine Gruppenausstellung „Garten(t)räume“ zeigen, im „FairCafé“ gab es unter anderem „Offenes Singen“ mit Janette Berg.
Am vergnüglichsten wirkte die „Lesung & Musik“ zum Thema „Kleidung und Mode“ im Modegeschäft „Anziehfee“ an der Kölnstraße. Inmitten von Damenoberbekleidung und mehr und unter zwei großen Kristallleuchtern spielten Victoria und Livia Petermann Saxophon und trug Gerlinde Suetake aus ihrem „Literaturkabarett“ vor.
