Die Zahl der Unfälle mit einem Pedelec ist bei Senioren im Kreis Euskirchen deutlich größer als bei anderen Altersgruppen.
Training in ZülpichPedelec gibt im Alter Sicherheit, birgt aber Gefahren

Fährt schon ihr Leben lang mit dem Fahrrad: Doris Grün aus Nemmenich. Aufs Pedelec umgestiegen ist sie wegen des Windes in der Börde.
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16 Menschen im Kreis Euskirchen hatten laut Verkehrsunfallstatistik der Polizei im vergangenen Jahr einen Unfall mit ihrem Pedelec – 15 Verunglückte waren über 65 Jahre alt. Das ist ein Grund, warum die Polizei im Kreis Euskirchen kostenfreie Pedelec-Trainings für Seniorinnen und Senioren anbietet. „Wir erleben immer wieder, dass Senioren gerade wegen des Alters vom Fahrrad aufs Pedelec umsteigen. Und das ist einfach etwas anderes“, nennt Polizeihauptkommissar Jörg Meyer einen weiteren Grund für das kostenlose Angebot.
Meyer und seine Kolleginnen und Kollegen sind an diesem Freitagmorgen auf den Marktplatz nach Zülpich gekommen. Gleich zu Beginn gibt es erst einmal eine Begriffsschulung. Was landläufig gerne als E-Bike bezeichnet werde, sei verkehrsrechtlich ein Pedelec, erklärt Meyer. Ein E-Bike sei rechtlich hingegen eher ein Mofa und habe zum Teil nicht einmal Pedale. Dann gebe es dazwischen noch das S-Pedelec oder Speed-Pedelec.
Ein Pedelec fährt sich anders als ein Fahrrad
Die zwölf Teilnehmenden in Zülpich haben alle ein klassisches Pedelec mitgebracht: Ein Fahrrad mit Motor, der nur beim Treten und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde unterstützt. Mit Jörg Meyer üben sie nun das richtige Auf- und Absteigen, Bremsen, Slalomfahren und Anfahren im Berg. Eine von ihnen ist Doris Grün aus Nemmenich. „Ich fahre schon mein Leben lang Fahrrad“, sagt sie. Zuerst Rennrad, dann Mountainbike. Vor sechs Jahren sei sie aufs Pedelec umgestiegen. Der Grund: „Hier in der Börde haben wir nur Wind.“ Da sei ein bisschen Unterstützung einfach angenehmer. Für die 74-Jährige bedeutet das Pedelec die Sicherheit, auch nach längeren Pausen oder weiteren Strecken wieder nach Hause zurückzukommen.

Zeigt, wie man richtig auf ein Pedelec aufsteigt: Jörg Meyer.
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Zum Training habe sie sich angemeldet, um einfach auf dem neuesten Stand zu bleiben. „Man soll sich nicht verschließen“, sagt sie. Schließlich könne man immer noch etwas Neues dazulernen. Keine zwei Minuten später erklärt Meyer etwas, dass Grün noch nicht wusste. Es geht um das Anfahren im Berg, wenn man in einem zu hohen Gang ist.
Schiebehilfe zum Schalten nutzen
Meyer zeigt den Teilnehmenden, wie sie die Schiebehilfe ihres Pedelec dazu nutzen können, die Pedale im Stand zu drehen und so die Gangschaltung zu bedienen. Grün und die anderen neun Frauen und zwei Männer, die an dem Training teilnehmen, lernen allerdings nicht nur praktische Dinge für das Pedelec-Fahren, sondern auch, welche Sicherheitsaspekte es zu beachten gilt. So müsse ein verkehrssicheres Pedelec mit zwei unabhängig voneinander wirkenden Bremsen, einem Rücklicht, einem Scheinwerfer, Reflektoren und einer Klingel ausgestattet sein, mahnt Meyer.
Danach erläutert er, wie man den Helm richtig einstellt. Auch hier gibt es für den ein oder anderen Teilnehmenden einen Aha-Moment. Ein teurer Helm müsse es nicht unbedingt sein, berichtet Meyer. Allerdings sollte man ihn alle fünf bis sechs Jahre austauschen. Vor allem nach einem Sturz oder wenn der Helm hingefallen sei, so der Polizeihauptkommissar. Grundsätzlich gelte aber: „Besser mit einem alten Helm als ohne.“
Meyer und sein Team bieten Pedelec-Trainings im ganzen Kreisgebiet an. Das Interesse in Zülpich gibt ihnen recht: Der Kurs war ausgebucht, es gab sogar eine Warteliste.
Noch fünf weitere Termine im Kreis Euskirchen
Wer 65 Jahre oder älter ist, kann an einem Pedelec-Training der Polizei teilnehmen. Voraussetzung ist, dass man ein eigenes Pedelec, einen Helm und festes Schuhwerk mitbringt. Teilnehmende müssen sich online anmelden. Das sind die nächsten Termine:
- Bad Münstereifel, Mittwoch, 12. August, 10-13 Uhr, Schulhof Haupt- und Realschule.
- Dahlem, Freitag, 7. August, 10-13 Uhr, Dahlemer Binz, Parkplatz.
- Euskirchen, Dienstag, 11. August, 10-13 Uhr, Schulhof Emil-Fischer-Gymnasium.
- Mechernich, Montag, 10. August, 10-13 Uhr, Mühlenpark Parkplatz.
- Weilerswist, Donnerstag, 6. August, 10-13 Uhr, Parkplatz Gesamtschule.
