Projekt für 10. KlasseZülpicher Hauptschüler sollen als Joblinge speziell gefördert werden

Lesezeit 4 Minuten
Das Bild zeigt Celina und Jakob in der Schulküche der Zülpicher Hauptschule. Celina schneidet einen Apfel, Jakob hat einen Mixer in der Hand.

Haben ihren Ausbildungsplatz bereits sicher, freuen sich aber über zusätzlichen Input zur Arbeitswelt: Celina und Jakob aus Zülpich.

An der Zülpicher Hauptschule sind die Joblinge gestartet. In der zehnten Klasse werden die Schüler nun intensiv aufs Azubisein vorbereitet.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass 45 Prozent unserer Absolventen direkt nach der Schule eine Ausbildung beginnen“, sagte Alexa Türk, Leiterin der Hauptschule in Zülpich. Das bedeute allerdings auch, dass mehr als 50 Prozent der Schüler „noch nicht soweit sind. Und auch noch nicht soweit orientiert sind, dass sie in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt starten“, wie Türk es formulierte. Entsprechend könne die Quote besser sein. Damit genau diese sich steigert, ist an der Zülpicher Hauptschule nun das Projekt „Joblinge“ angelaufen.

Bei den Joblingen engagieren sich Wirtschaft, Staat und Privatpersonen gemeinsam, um junge Menschen mit schwierigen Startbedingungen zu unterstützen. Das Ziel: echte Jobchancen und die nachhaltige Integration in Arbeitsmarkt und Gesellschaft. Ab sofort dreht sich montags in den beiden Klassen 10, in der die Zülpicher Schülerinnen und Schüler nicht den Realschulabschluss anstreben, sehr viel um die Arbeitswelt.

Wir werden die Schüler ganz individuell auf Bewerbungsgespräche, Praktika und Ausbildungsstellen vorbereiten.
Paul Talbot von der Joblinge gAG Rheinland

„Wir werden die Schüler ganz individuell auf Bewerbungsgespräche, Praktika und Ausbildungsstellen vorbereiten“, sagte Paul Talbot von der Joblinge gAG Rheinland. Sein Geschäftspartner Hans Sampels ergänzte selbstbewusst: „Die Schüler werden einen Wettbewerbsvorteil haben, weil in anderen Schulen im normalen Schulalltag nicht so intensiv auf die Arbeitswelt vorbereitet werden kann.“

Katrin Manns ist Lehrerin an der Hauptschule in Zülpich – und für die Berufsvorbereitungsmaßnahmen zuständig. Sie freut sich auf die Unterstützung, stellte aber auch klar: „Nur, weil die mehr als 50 Prozent keine Ausbildung beginnen, sind sie nicht nicht versorgt. Sie gehen beispielsweise auf ein Berufskolleg, um ihren Schulabschluss zu verbessern.“ Vom vergangenen Abschlussjahrgang seien von den etwa 70 Schülern nur zwei ohne konkrete Perspektive von der Schule gegangen.

Manns erhofft sich, dass die Schüler des jetzigen Abschlussjahrgangs durch die Initiative „mehr Mut bekommen“. Es sei auffällig, dass „diejenigen, die in der Schule eine große Klappe haben, bei Ausbildungsbörsen völlig verschüchtert sind“. Aus Sicht der Lehrerin hat das etwas mit dem Ansehen der Schulform Hauptschule zu tun.

Aber auch ein wenig mit der Komfortzone der Schüler. Für sie sei das Umfeld Schule bekannter und bequemer als das eines Betriebes. Entsprechend orientiere man sich eher in Richtung Berufskolleg. Und wie ist so die jetzige Schülergeneration? „Toll. Es ist nicht so, als ob die alle keine Lust haben. Im Gegenteil“, berichtete die Hauptschullehrerin.

Zülpicher Schüler streben PIA-Ausbildung an und absolvieren bereits ein Praktikum

Celina und Jakob sind 15 Jahre alt und besuchen die 10. Klasse in der Zülpicher Hauptschule. Beide gehören schon jetzt zu denen, die nach den Sommerferien eine Perspektive haben: Sie werden in Füssenich am St.-Nikolaus-Stift die Praxisintegrierte Ausbildung für Erzieher (PIA) beginnen.

Völlig neu wird die Ausbildung für die beiden Hauptschüler nicht sein. Bereits jetzt absolvieren sie ihr Jahrespraktikum in einer Kindertagesstätte. Jakob bei der Familienbande an der Chlodwigstraße, Celina bei den Kleinen Freunden in Hoven. „Ich bin selbst gerne in den Kindergarten gegangen und arbeite gerne mit Kindern zusammen“, sagte Celina. Genau wie Jakob freut sie sich auf ihre Ausbildung.

Mithilfe des Ganzjahrespraktikums sollen Hauptschüler ein Fuß in die Tür bekommen

Sich davon abschrecken lassen, dass man im Vergleich zu anderen Berufen nicht so viel verdient, wollen beide nicht. „Ich habe mich darüber informiert, aber das ist mir nicht so wichtig. Ich möchte einen Beruf machen, der mir Spaß macht“, so der 15-Jährige, der hofft bei der Familienbande seine Ausbildung machen zu können. Einen entsprechenden Termin gebe es bereits, so der Schüler.

Das Ganzjahrespraktikum an der Hauptschule, bei dem die Schüler einen Tag pro Woche in einem Betrieb sind, habe sich bewährt, berichtete Klassenlehrer Christoph Rendenbach, der mit seiner Klasse am Projekt „Joblinge“ teilnimmt. „So bekommen die Schüler einen Fuß in die Tür, den sie vielleicht aufgrund der Schulform nicht drin hätten“, sagte der Euskirchener. Durch die „Joblinge“ erhofft er sich einen weiteren Impuls für seine Schüler.

Landrat Markus Ramers sagte, dass die Zülpicher Hauptschule erneut eine Vorreiterrolle innehabe. Die Schulen im Kreis, der Kreis selbst, aber auch andere Institutionen bieten Ramers zufolge zahlreiche Perspektiven. „Aber keine davon ist so intensiv wie das Projekt ‚Joblinge‘“, so der Verwaltungschef: „Viele Arbeitgeber suchen junge Menschen, die mit anpacken. Schließlich gibt es Busse, die gefahren werden müssen, oder auch PV-Anlagen wollen montiert werden. Ihr seid die Zukunft des Landes.“

Zülpichs Bürgermeister Ulf Hürtgen berichtete, dass kein System so gut sei, dass man es nicht besser machen könne. „Wir sind stolz auf unser dreigliedriges Schulsystem. Es hat sich bewährt“, so Hürtgen.

KStA abonnieren