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Burscheider BeratungsstelleSeit zehn Jahren berät die Diakonie, wenn Familien in Krisen geraten

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Ein Mann und zwei Frauen sitzen nebeneinander in Sesseln.

Markus Körner (v.l.), Merve Yalniz-Ercan und Katharina Niermann-Kühn bilden das Team der Familienberatungsstelle der Diakonie.

Die Familienberatungsstelle in Burscheid feiert ihr zehnjähriges Bestehen und betont, wie wichtig frühe Beratung für Familien in Krisen ist.

Eltern kommen mit dem 15-jährigen Sohn aus der ersten Ehe der Mutter, der bei ihnen lebt, in die Beratung. Sie haben noch eine vierjährige Tochter. Seit etwa zwei Jahren kommt es vermehrt zu Konflikten mit dem Teenager, der sich nicht mehr am Familienleben beteiligt und sich in sein Zimmer zurückzieht. Ansprechbar ist er eigentlich nur noch, wenn es darum geht, seine Medienzeit verlängern zu wollen oder wenn er etwas anderes braucht. Die Eltern sind sich nicht immer einig, wie sie damit umgehen sollen und streiten sich mittlerweile viel.

Mit solchen oder ähnlichen Problemen wie in diesem konstruierten Beispiel suchen Familien die Beratungsstelle des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Leverkusen auf. Die Familienberatungsstelle in Burscheid feiert an diesem Dienstag ihr zehntes Jubiläum. Seit 2016 bietet sie hier Erziehungs-, Trennungs- und Paarberatung, Familientherapie und Beratung für Kinder und Jugendliche an. Die Themen sind dabei sehr individuell: Kinder, die nicht mehr in die Schule gehen wollen, getrennte Eltern, deren Streitigkeiten sich auf das Wohl der Kinder auswirken – die Beratungsstelle widmet sich familiären Krisen jeder Art.

Zum größten Teil würden getrennte Eltern das Angebot nutzen, gibt das Team an. „Kinderseelen werden zerrieben, wenn Eltern noch die eigenen Probleme in sich tragen“, sagt Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuth Markus Körner von der Beratungsstelle. Deswegen schaue das Team in der Beratung, was psychologisch hinter den Krisen steckt. Diagnostikfragen würden zwar mitschwingen, sagt Psychologin Merve Yalniz-Ercan, einen Psychotherapieplatz könne die Beratungstelle aber nicht ersetzen, sie biete eher eine Ergänzung. 

Je früher man zur Beratung kommt, desto besser.
Markus Körner, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuth

Neben getrennten Paaren und Familien mit Erziehungsfragen, können aber auch Jugendliche eigenständig das Angebot in Anspruch nehmen. Das passiere zwar eher seltener, das Team würde sich aber über mehr Zulauf von Jugendlichen freuen, weil es den Bedarf dort wahrnimmt: „Studien zeigen, dass der Bedarf in dieser Zielgruppe durch die Corona-Pandemie gestiegen ist“, sagt Teamleitung Katharina Niermann-Kühn.

Einsamkeit oder Essstörungen seien hier verbreitete Themen. Wichtig ist der Beratungsstelle bei ihrer Arbeit vor allem, dass Ratsuchende das Angebot frühzeitig nutzen und nicht erst abwarten, bis das schlimmste Szenario eingetreten oder eine psychische Erkrankung erkennbar ist. „Je früher man zur Beratung kommt, desto besser“, sagt Körner. Aus einem Liebeskummer könnte nämlich auch eine Depression oder bei Jungen ein Aggressionsproblem entstehen. 

Die Familienberatungsstelle hat ihren Sitz auf dem Schulberg, nahe der Burscheider Gesamtschule.

Die Familienberatungsstelle hat ihren Sitz auf dem Schulberg, nahe der Burscheider Gesamtschule.

Neben der Krisenintervention, arbeitet die Familienberatungsstelle aber auch präventiv. So bietet sie in Kindertagesstätten Elternabende zu den verschiedensten Themen – beispielsweise Sauberkeitserziehung, Krisen und Angstentwicklung – an. Dass ihre Tätigkeit Wirkung hat, haben die Mitarbeitenden in den vergangenen Jahren deutlich gespürt, wie sie im Gespräch teilen. „Wenn man dabei sein darf, wie sich Eltern miteinander versöhnen, ist das immer ein total schöner Erfolg“, berichtet Niermann-Kühn. Körner ergänzt: „Es ist ein Erfolg, wenn man das Gefühl hat, die Kinder können selbst in Zukunft eine gute Partnerwahl treffen, ohne von den Problemen ihrer Eltern abhängig zu sein.“

Das Beratungsteam gibt aber auch zu:  Sie können nicht alle Konflikte immer vollkommen lösen – manchmal würden Entwicklungen an einem Punkt stagnieren. Markus Körner betont an dieser Stelle aber: „Schon wenn es Eltern gelingt, gemeinsam einen Termin zu vereinbaren und hierher zu kommen, hat eine Entwicklung stattgefunden.“

Entwickelt haben sich in den vergangenen Jahren auch die Themen, mit denen Klienten das Team konfrontieren. Neben Folgen aus der Corona-Pandemie würden vermehrt auch Künstliche Intelligen (KI) oder Medienkonsum der Eltern eine Rolle spielen. „Die Leute unterhalten sich vorher mit der KI und lassen sich diagnostizieren und zum Beispiel ein Kinderbetreuungsmodell vorschlagen“, so Katharina Niermann-Kühn. 

Klienten merken religiöse Prägung der Beratungsstelle nicht direkt

Die Beratung bei der Stelle ist kostenfrei und vertraulich – das wird mit einer Schweigepflicht abgesichert. Und auch, wenn es sich um ein Angebot der evangelischen Kirche handelt, ist die Beratungoffen für alle Familienformen, unabhängig von Herkunft, sexueller und geschlechtlicher Identität, Religion und Weltanschauung. „Man muss nicht auf die Bibel schwören, aber das Menschenbild, das wir hier vertreten, ist ein christliches: Wir wollen den Menschen helfen, aber sehen sie nicht als Hilfsbedürftige, sondern als Gegenüber“, klärt Sabine Kall auf, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Diakonischen Werks Leverkusen zuständig ist.

Zur Terminvereinbarung oder bei erster Hilfe bietet das Team der Familienberatungsstelle täglich von zwölf bis 13 Uhr eine Telefonsprechstunde an unter 02174/8966170 oder ist auch per Mail erreichbar.

familienberatungsstelle@diakonie-leverkusen.de