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SozialesWie in Burscheid Ehrenamt organisiert wird

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Leute vom Treffpunkt Ehrenamt auf der Terrasse des Burscheider Rathauses

Nicole Behling, Dirk Runge, Stephanie Krause, Silke Riemscheid, Hermann Greger, Karen Göbel, Johannes Schrage, Gisela Prägler-Hoth und Petra Wehner (von links) setzen sich für das Ehrenamt ein.

Vor 15 Jahren wurde „Treffpunkt Ehrenamt“ ins Leben gerufen. Das kann man gar nicht genug feiern.

„Ehrenamt macht Burscheid bunt“ – so heißt ein Malbuch. Ausmalen lassen sich Orte, an denen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer etwas fürs Gemeinwesen tun: zum Beispiel in der evangelischen Kirche, im Kleiderladen des Kinderschutzbundes, im Jugendzentrum Megafon, der Stadtbücherei, der Villa Luchtenberg, dem Luchtenberg-Richartz-Haus oder – ganz wichtig – bei der Freiwilligen Feuerwehr. Das Buch ist natürlich für Kinder gedacht, aber es zeigt sehr schön, was Freiwillige in der Stadt leisten.

Ein Grund für Bürgermeister Dirk Runge, das Engagement am Dienstag in höchsten Tönen zu loben. Anlass war der 15. Geburtstag des „Treffpunkt Ehrenamt“. Das ist gewissermaßen die Dachorganisation – besser vielleicht die Vermittlungsstelle – für Menschen, die sich engagieren wollen. Am 19. Mai 2011 gab es die erste Beratungssprechstunde. Übrigens im Rathaus, was auch ein Beleg dafür ist, wie hoch man die Sache in der Stadtverwaltung hängt.

Die Struktur ist da

Zu den treibenden Kräften gehört weiterhin Silke Riemscheid. „Ich bin dann am Ball geblieben“, sagte sie jetzt. Die 83-Jährige hat viele der rund 300 Beratungsgespräche selbst geführt. Dass ein Scharnier zwischen Menschen, die sich einbringen wollen, und Institutionen, die Unterstützung gebrauchen können, in Burscheid gut zu gebrauchen ist, liege an der Struktur: In der Lindenstadt sei das Ehrenamt „immer schon sehr stark“ gewesen, so Riemscheid. Beratungsbedarf gab es also, um das Optimum herauszuholen.

Der „Treffpunkt Ehrenamt“ helfe allein deshalb, weil „viele, die außerhalb arbeiten, das Angebot gar nicht kennen“, so Riemscheid mit Blick auf die Institutionen, die ohne freiwilliges Engagement nicht oder mindestens schlechter funktionieren würden. Ein ähnlicher Fall ist Petra Wehner: „Ich war hier zugezogen“, das Engagement habe ihr sehr dabei geholfen, in Burscheid heimisch zu werden. Wohltuend sei auch die Anerkennung: „Man fühlt sich als Mitarbeiter“ – nicht als Hilfskraft.

Anerkennung, hakte Stephanie Krause von der Freiwilligenagentur des Landes ein, sei überaus wichtig. Die müsse im Übrigen auch beim Abschied zu spüren sein. Steter Wechsel gehöre zum ehrenamtlichen Engagement dazu, das sei schlicht eine Altersfrage. Übergänge zu moderieren ist damit eine wesentliche Aufgabe der Beratungsstelle im Rathaus. Und die funktioniere, betonte Hermann Greger: „Die innere Vernetzung läuft hier sehr gut“ – sicher auch wegen der überschaubaren Größe der Stadt und weil sich einfach viele Leute kennen.

Hilfe für Geflüchtete und Lesementoren

So konnte sich zum Beispiel Karen Göbel, die nach und nach in die Fußstapfen von Silke Riemscheid tritt, recht bald „auf die ukrainische Community“ zugehen, eine Vernetzung mit dem Jobcenter und der Flüchtlingshilfe stricken. Eine andere Idee: ehrenamtliche Lesementoren in den Burscheider Grundschulen. Ein Workshop stand am Mittwoch an. Auch da geht es also zielgerichtet voran.

Johannes Schrage ist selbst durch den Treffpunkt Ehrenamt in den Vorstand des Kinderschutzbundes geraten. Dessen Kleiderladen wäre ohne freiwillige Helfer überhaupt nicht zu managen. Genauso wenig wie die Betreuung im Luchtenberg-Richartz-Haus, um die sich Nicole Behling kümmert.

Ziemlich interessant für die Leute in der Beratungsstelle ist ein unverkennbarer Wandel: Ehrenamt ist längst nicht mehr nur eine Frauendomäne. Männer in Rente würden immer häufiger zur freiwilligen Hilfe tendieren. Oft auch, um das sich meist im Ruhestand auftuende Loch zu füllen. Dass sie gelegentlich auch von Ehefrauen geschickt werden, die sich den Haushalt nicht durcheinanderbringen lassen wollen, blieb am Dienstag nicht unerwähnt. Aber es wurde auch von beglückenden Erfahrungen berichtet.

Wer die Möglichkeiten in Burscheid kennenlernen will, kann flexible Beratungstermine setzen. Dazu reicht ein Anruf unter 01577 / 9401 165 oder eine Mail an info@ehrenamt-burscheid.de. Die Beratungsstelle hat auch eine Internetseite und bespielt die einschlägigen Social-Media-Kanäle.

ehrenamt-burscheid.de