Beim Erntedankfestumzug in Witzhelden war der Tod der kürzlich verstorbenen Sandra Pauly allgegenwärtig.
LeichlingenBeim Erntedankfestumzug feiert Witzhelden für Sandra Pauly

Der Wagen der Erntekönigin blieb leer und damit auch Sandra Paulys Platz im Umzug.
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„Wir freuen uns über das schöne Wetter, das Sandy uns von oben schenkt“, sagt Mark Grasekamp, Arbeitskreissprecher des Erntedankfestes Witzhelden. Während das Fest in den letzten zwei Jahren aufgrund schlechten Wetters weniger stark besucht war, waren die Straßen Witzheldens an diesem sonnigen Wochenende lebhaft gefüllt.
Seit 1948 feiert Witzhelden am ersten Oktoberwochenende das „Erntedank- & Heimatfest“, in diesem Jahr unter dem Motto „77 Mal Hand in Hand – wir seh‘n uns gleich am Ochsenstand“. Eine Kirmes lief von Freitag bis Sonntag, bei der Gäste Fahrgeschäfte, Gastronomie und Live-Musik genießen konnten. Am Samstag hätte ursprünglich Erntekönigin Sandra Pauly den Ochsen angeschnitten und die Eröffnungsrede des Festes gehalten. Da sie aber vor Wochen völlig überraschend gestorben ist, schnitt Bürgermeister Maurice Winter den Ochsen mit Sandra Paulys Kindern an und die Kinder hielten die Rede, die ihre Mutter vor ihrem Tod schon fertig geschrieben hatte. „Es war eine sehr emotionale Eröffnung“, sagt Organisatorin Melanie Offermann.
„Sandra Pauly war überall im Dorf verankert, es fällt auf, dass sie nicht mehr da ist. Bei allen, die sie kannten, liegt an diesem Wochenende ein Schleier über dem Gesicht, das merkt man. Auch organisatorisch standen wir vor Herausforderungen, da Sandra sehr stark in der Planung des Festes engagiert war“, erzählt Offermann weiter.
Neue Sicherheitsvorkehrungen
Der Höhepunkt des Festes war wie immer der Erntedankumzug am Sonntagmittag. Aufgrund von Sicherheitsregularien änderten die Organisatoren die Strecke des Umzuges, sodass die Wagen über die Leichlinger Straße auf die Kirche zuliefen. Außerdem mussten in diesem Jahr erstmals die Wagen mit Hilfe von Wagenengeln sicher durch die Straßen geleitet werden. An der Kirche moderierten Daniel Struck und Roland Dabringhaus von einem Podest aus den Umzug und kommentierten die einzelnen Gruppen und Wagen. „Seit Freitagmittag ist die Leichlinger Straße gesperrt, sodass wir hier zusammen feiern können. Das wäre vor 40 Jahren noch undenkbar gewesen, da lief neben dem Fest noch der normale Straßenverkehr“, erzählen die Moderatoren.
Seit Freitagmittag ist die Leichlinger Straße gesperrt, sodass wir hier zusammen feiern können
Der Umzug besteht aus 30 Gruppen und insgesamt 550 Teilnehmern. Vereine, Betriebe oder Freundesgruppen sind im Umzug dabei. Der erste Wagen ist der, auf dem die Erntekönigin normalerweise steht. In diesem Jahr fährt er leer. Darauf folgt die Gruppe „die Laufmaschen“, denen Sandra Pauly angehörte. Sie sind als königliche Kühe unter dem Motto „Sandras Hufstaat“ verkleidet.

Die Gruppe „Die Laufmaschen“ in der Sandra Pauly seit 20 Jahren Mitglied war, gewann den Wanderpokal für die kreativste Umsetzung des Mottos.
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„Wir hatten alles schon fertig geplant, bevor Sandra gestorben ist, und haben jetzt alles in ihrem Sinne so gelassen“, erzählt Anette Dabringhaus-Kall, ein Mitglied der „Laufmaschen“. Vor 20 Jahren gründeten sich die „Laufmaschen“, Sandra Pauly war von Anfang an dabei. Zuerst waren es Freundinnen vom Handballverein, dann kamen immer mehr Bekannte dazu. „Wir laufen heute – statt mit Sandra – für Sandra“, sagt Anette Dabringhaus-Kall.
Das ganze Dorf steht auf dem Kopf wegen ihres Todes, aber wir sind dadurch zusammengerückt“
„Das Motto ‘Hand in Hand‘ hat nochmal eine ganz andere Bedeutung bekommen. Das ganze Dorf steht auf dem Kopf wegen ihres Todes, aber wir sind dadurch zusammengerückt“, sagt Astrid Knoblauch, ebenfalls Mitglied der Laufmaschen. Auch sie weist darauf hin, wie engagiert Sandra Pauly in Witzhelden war: „Sie war die erste, die morgens auf dem Marktplatz stand, und die letzte, die noch den Besen geschwungen hat.“ Als der leere Wagen der Erntekönigin auf den Marktplatz einfährt, wird kurz innegehalten und an Sandra Pauly gedacht. Einige im Publikum kämpfen mit den Tränen.

Unter dem Motto „Erntepunk“ verkleidete sich die „Ährengarde“ als eine Gruppe Punker.
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Neben den Laufmaschen gibt es noch 29 weitere Gruppen, die sich auf diesem Erntedankumzug zusammengefunden haben. Eine davon ist die Ehrengarde, die seit 1978 beim Erntedankumzug dabei ist. Auch sie haben sich durch den Sportverein kennengelernt und sind nun eine große Freundesgruppe, die sich jedes Jahr ein neues Motto und Kostüm für den Umzug ausdenkt. In diesem Jahr ist es „Erntepunk“. Alle tragen eine Perücke mit Irokesenfrisur und heruntergekommene Lederjacken mit Wortwitzen wie „Witz Pistols“ und „Anarchy am Ochsenstand“. „Wir hatten schon Angst, dass wir unsere Gruppe auflösen müssen, weil wir nicht mehr genug Leute sind. Aber zum Glück konnten wir unsere Kinder motivieren, die jetzt auch alle dabei sind“, freut sich Holger Heider aus der Punkergruppe.
Die Gruppe „Speckbarbies“ hat sich etwas Besonderes zum Gedenken an Sandra Pauly überlegt. Als ihr Wagen an der Kirche ankommt, lassen sie jeder einen Luftballon in die Luft steigen. „Wir möchten heute so laut sein wie nie zuvor, damit sie es hört“, sagt Nadine Rocklage.
