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Alte Post ist verkauftTrauer und Freude liegen in Witzhelden dieser Tage nah beieinander

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Die Alte Post in Witzhelden ist verkauft.

Die Alte Post in Witzhelden ist verkauft.

Die Dorfgemeinschaft trauert um Sandra Pauly, erfreut sich aber auch an neuen Entwicklungen.

Natürlich ist einiges anders als geplant an diesem späten Mittwochnachmittag. Dabei stimmte das Drumherum auf dem Marktplatz in Witzhelden. Das Wetter, viele Menschen; und der Anlass für die Zusammenkunft war auch ein freudiger. Beziehungsweise eigentlich waren es zwei. Die Dorfgemeinschaft unter Federführung des Verkehrs- und Verschönerungsvereins (VVV) weihte einen zu einem Kunstwerk umgestalteten Stromkasten ein. Zudem gibt ein neuer Schaukasten Informationen zum Dorfleben und zum VVV.

Trotzdem legt der plötzliche Tod der diesjährigen Erntekönigin Sandra Pauly etwas Schwermut auf die Szenerie. Neben der evangelischen Kirche auf der Bank haben Freunde und Bekannte Kerzen und Blumen neben ein Foto von Sandy gelegt, wie sie hier im Dorf genannt wird. Am ersten Oktoberwochenende steigt im Höhendorf das Erntedankfest, ein großes Volksfest, das in diesem Jahr aber durch den Trauerfall sicher anders werden wird.

Mit Kerzen und Blumen gedenkt das Höhendorf der am Wochenende plötzlich gestorbenen Sandra „Sandy“ Pauly.

Mit Kerzen und Blumen gedenkt das Höhendorf der am Wochenende plötzlich gestorbenen Sandra „Sandy“ Pauly.

VVV-Vorsitzender Gerd Bunk versuchte im Alten vom Berg, der Kirche, dem, was das Dorf gerade fühlt, Ausdruck zu verleihen. Das Dorf trauere miteinander und das sei gut. Und er sei sicher, Sandy freue sich mit, wenn man gemeinsam Erntedank feiere.

Und sie würde sich sicher über das freuen, weshalb die Witzheldenerinnen und Witzheldener am Mittwoch zusammengekommen waren. Der Dorfgemeinschaft sind nämlich triste Strom- und Verteilerkästen ein Dorn im Auge. Und so hat Witzhelden mal wieder einen eigenen, kreativen Weg gewählt, wie Bürgermeister Maurice Winter es beschrieb: Der Witzheldener Künstler und Fotograf Julian Richter (Künstlername Jurijac) nahm Pinsel und Farbe zur Hand und machte aus dem hässlichen Kasten an der Kirchenmauer ein Kunstwerk. Das nannte er passenderweise „Zum Alten von Berg“.

Der neue Schaukasten enthält alle Informationen rund um das Dorf und den VVV.

Der neue Schaukasten enthält alle Informationen rund um das Dorf und den VVV.

Drei Wochen habe er daran gearbeitet, sagte Julian Richter. Das Grundgerüst für das Dach aus Metall hatte zuvor Wolfgang Schneider gebaut. „Es war von vornherein klar, dass es ein Fachwerkhaus werden sollte“, so Richter. Denn das passe zum Dorf. Die Fenster habe er abgerundet gemalt, ein Bezug zur Kirche. Ebenfalls bewusst gewählt sei, dass „Zum Alten von Berg“ bündig zur Kirchenmauer entstanden sei. So sieht es von etwas weiter weg aus, als säße der Fachwerk-Stromkasten auf der Mauer.

Bürgermeister Winter lobte den Geist, der hinter der Aktion steckt: Es sei sympathisch, dass das Dorf nicht nur sage, ihm gefalle etwas nicht, sondern: „Wie können wir daraus etwas Schönes machen?“ Solche Projekte zeigten, wie wichtig die Identifikation in Orten wie Witzhelden ist. Und es seien diese vermeintlichen Kleinigkeiten, die Witzhelden zu Witzhelden machten.

Wolfgang Schneider (l.) und Julian Richter vor dem umgestalteten Stromkasten „Zum Alten vom Berg“.

Wolfgang Schneider (l.) und Julian Richter vor dem umgestalteten Stromkasten „Zum Alten vom Berg“.

Er habe sich optisch an der Alten Post orientiert, sagte Julian Richter. Zum in Teilen denkmalgeschützten Gebäude am Ortsausgang gibt es derweil auch Neuigkeiten, die sich am Mittwoch im Dorf ausbreiteten: Die Alte Post ist offenbar verkauft. Bürgermeister Maurice Winter bestätigte den entsprechenden Notartermin.

Schon lange ärgern sich die Menschen in Witzhelden darum, dass die ehemalige Gaststätte zusehends verfällt. Immer wieder warfen sie dem Eigentümer, Hans-Hugo Hungerberg aus Opladen, vor, seinen Pflichten nicht nachzukommen. Der bestritt die Vorwürfe stets. Vom Vorhaben, das Gebäude zu sanieren, war er allerdings schon länger abgerückt. Das sei nicht wirtschaftlich. Am liebsten, so hatte er es dem „Leverkusener Anzeiger“ gesagt, würde er es abreißen und Parkplätze daraus machen.

Dem hatte die Stadt zuletzt vehement widersprochen. Und so schien es bis vor Kurzem, als herrsche Stillstand. Das ist jetzt vorbei. Wer das Haus gekauft hat, ist öffentlich nicht bekannt. Im Dorf heißt es, es handele sich um ein Handwerkerehepaar. Bestätigte Informationen gibt es dazu nicht, ebenso wenig zum Kaufpreis. Der soll im niedrigen bis mittleren fünfstelligen Bereich liegen.

Diese Zahl nannten zumindest Witzheldenerinnen und Witzheldener, die sich am Mittwochabend eigentlich getroffen hatten, um einen Verein zu gründen, der die Alte Post retten sollte. Das sei durch den Kauf inzwischen obsolet, hieß es in der etwa 20-köpfigen Runde. Stattdessen wolle man versuchen, mit den neuen Eigentümern in Kontakt zu kommen, um ihnen Hilfe und Expertise anzubieten. Denn klar ist auch: Wenn aus der Alten Post wieder etwas werden soll, müssen die neuen Besitzer eine Menge Geld in das Gebäude stecken.