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DenkmalschutzEigentümer der Alten Post in Witzhelden wehrt sich gegen Kritik

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Wie geht es weiter mit der Alten Post in Witzhelden? Inhaber Hans-Hugo Hungerberg wird das Gebäude nicht mehr sanieren.

Wie geht es weiter mit der Alten Post in Witzhelden? Inhaber Hans-Hugo Hungerberg wird das Gebäude nicht mehr sanieren.

Die Zukunft des historischen Gebäudes im Herzen von Witzhelden ist ungewiss.

Hans-Hugo Hungerberg, der Eigentümer der Alten Post in Witzhelden, wehrt sich gegen den Vorwurf, er erfülle die Anforderungen nicht, die die Behörden ihm in Bezug auf die Alte Post in Witzhelden gestellt haben. Zur Erinnerung: Das historische Gebäude von 1850, das in Teilen unter Denkmalschutz steht, befindet sich seit 2015 im Besitz des Opladener Geschäftsmanns. Teile der Witzheldener Dorfgemeinschaft beklagen den zunehmenden Verfall des Gebäudes und werfen Hungerberg vor, sich nicht so um die Alte Post zu kümmern, wie er das müsste.

Dem widerspricht Hungerberg im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“ und legt seine Sicht aus das Thema dar. Nach einer Ortsbegehung im Sommer 2025 habe er zwei Vorgaben erhalten: Einmal habe er an der Fassade in Richtung Ortausgang etwas verbessern müssen. Das ist geschehen, eine in Fachwerkoptik gestrichene Platte ist an der Stelle auf die Fassade geschraubt worden, an der sie beschädigt war. Die zweite Vorgabe sei gewesen, an der Gebäuderückseite eine Dachrinne anzubringen.

Das ist allerdings noch nicht geschehen, was unter anderem der Verkehrs- und Verschönerungsverein kritisiert hatte. Hungenberg nimmt dazu Stellung: Er habe noch in derselben Woche im Sommer seinen Dachdecker beauftragt. Der habe allerdings mitgeteilt, dass er die Arbeiten aufgrund von Personalproblemen nicht vornehmen könne. Diese Mail hat Hungerberg dem „Leverkusener Anzeiger“ gezeigt. Und einen anderen Handwerker zu bekommen, sei dieser Tage fast unmöglich, argumentiert der Geschäftsmann.

Stadt Leichlingen verhängt Bußgeld

Weil die Dachrinne nicht angebracht wurde oder aus Hungerbergs Sicht nicht angebracht werden konnte, hat die Stadt im Dezember ein Bußgeld in Höhe von 7500 Euro verhängt. Allerdings, so versichert Hungerberg, sei der Bescheid nie bei ihm eingetroffen. „Und Sie können wohl glauben, dass ich reagiert hätte, wenn ich das mitbekommen hätte“, sagt er. Weil er aber nicht zahlte, kamen weitere Forderungen. Inzwischen liegt der Fall bei seinen Anwälten.

Nun sind die kurzfristigen Ausbesserungen, die Hungerberg vornehmen sollte, nur ein Teil der gesamten Diskussion. Was überhaupt mit der Alten Post passiert oder eben nicht, beschäftigt das Dorf seit Jahren. Die SPD hatte einen erneuten Vorstoß gewagt und beantragt, dass die Stadt das Gebäude kaufen solle. Die Verwaltung hat, wie schon 2021, als der Rat den Antrag schon einmal abgelehnt hatte, dargelegt, dass vor allem eine Sanierung nicht wirtschaftlich sei und mehr als 3,5 Millionen Euro kosten würde. Geld, das die Stadt nicht hat.

Letztlich ist die fehlende Wirtschaftlichkeit auch das, was für Hungerberg in diesem Fall entscheidend ist und wieso am Gebäude nichts passiert. Der Unternehmer erklärt: Er habe das Gebäude und den dahinter liegenden alten Kirmesplatz gekauft, um Wohnungen zu errichten. Einmal auf dem Platz selbst, die Wohnungen stehen schon seit Längerem. Aber auch in einem Anbau, der auf dem jetzigen Parkplatz an der Kopfseite ortsauswärts des Gebäudes errichtet werden sollte.

Gericht durchkreuzt Pläne des Eigentümers

Dieser Anbau sollte mit der Alten Post verbunden werden, die dann auch renoviert werden sollte. Zu diesem gesamten Wohnkomplex – also Alte Post plus Anbau und alter Kirmesplatz – sollte es eine Tiefgarage mit 32 Stellplätzen geben. Allerdings hatte ein Gericht nach Klage von Nachbarinnen und Nachbarn das nicht erlaubt, die Tiefgarage durfte nur Plätze für 17 Autos haben – entsprechend der Zahl der Wohnungen in den Häusern auf dem alten Kirmesplatz.

Und laut Hungerberg liegt genau da das Problem: Ohne die zusätzlichen Stellplätze kein Anbau, und ohne Anbau keine wirtschaftliche Renovierung der Alten Post. Die Stadt hatte nach Angaben des Unternehmers mehrfach die Gelegenheit, das Gebäude zu kaufen. Einmal habe er die Alte Post für 175.000 Euro angeboten. Dann, nachdem der Besitz von einer Firma Hungerbergs in eine andere überging, weil die Eigentümer-GmbH durch die durchkreuzten Pläne in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, habe er der Stadt ein Vorkaufsrecht für 75.000 Euro eingeräumt.

Jetzt, da Hungerberg möglicherweise noch Bußgeld und Gerichts- und Anwaltskosten zu zahlen hat, sind laut ihm aber auch das Angebot und das Vorkaufsrecht vom Tisch. Er will die Alte Post zwar weiterhin loswerden und hat einen Immobilienmakler beauftragt, aber nicht mehr zum Preis von 75.000 Euro.

Und Interessenten habe er über die Jahre schon viele da gehabt, aber niemand wolle das Gebäude wieder in Schuss setzen. Oder könne. Denn das sei wirtschaftlich nicht zu machen. Das liege vor allem an denkmalbehördlichen Vorgaben, sagt er. Seine Firma versuche, die Auflagen zu erfüllen. Aber eine Zukunft gibt es für die Alte Post in seinem Besitz zumindest nicht. Für Hungerberg ist es am sinnvollsten, das Gebäude abzureißen und einen öffentlichen Parkplatz daraus zu machen. Ein Vorschlag, der in der Dorfgemeinschaft sicher nicht gut ankommt.


Finanzausschuss lehnt Ankauf knapp ab

Der Finanzausschuss in Leichlingen hat auf seiner Sitzung Mitte der Woche den Kauf der „Alten Post“ durch die Stadt bei Stimmengleichheit abgelehnt. Fünf Mitglieder des Ausschusses stimmten dem Antrag der SPD-Fraktion, die Stadt möge das in Teilen denkmalgeschützte Gebäude im Witzheldener Ortskern erwerben, zu. Es gab aber genauso viele Nein-Stimmen bei einer Enthaltung. Bürgermeister Maurice Winter betonte danach im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“, dass ein Kauf des Gebäudes für die Stadt eine sehr große Mehrbelastung darstellen würde. Winter: „Wir sind der Auffassung, dass der Eigentümer da selbst handeln muss.“ Und weiter: „Ich kann nur darum bitten, in der Angelegenheit nicht den zweiten Schritt vor dem ersten zu machen, also nicht ein Gebäude zu kaufen, ohne die Finanzierung der nötigen Sanierung und des Unterhalts des Gebäudes geklärt zu haben.“ Das letzte Wort in der Angelegenheit hat der Stadtrat. Die nächste Sitzung ist am Montag, 23. März, 17 Uhr. (ps)