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Cube Real EstateProjektentwickler insolvent – Was heißt das für zwei Kölner Bauvorhaben?

4 min
Die Skizze des Entwicklungsbüros zeigt das Baufeld (in grün) in Bilderstöckchen.

Die Skizze des Entwicklungsbüros zeigt das Baufeld (in grün) in Bilderstöckchen.

In Bilderstöckchen und Zollstock sollten Wohnungen entstehen. Der Projektentwickler hält trotz Finanzproblemen des Mutterkonzerns daran fest.

Trotz der Insolvenz des Leverkusener Projektentwicklers Cube Real Estate sollen die beiden Kölner Bauprojekte in Bilderstöckchen und Zollstock mit mehreren Hundert Wohnungen umgesetzt werden. Das teilte das Unternehmen gemeinsam mit dem für die Insolvenz zuständigen Sachwalter Jens Schmidt mit.

Demnach befinden sich die jeweiligen Gesellschaften für die Bauvorhaben im Gegensatz zum Mutterkonzern nicht in der Insolvenz. Es ist üblich, dass große Projektentwickler für ihre einzelnen Bauvorhaben eigene Gesellschaften gründen und dann Geld von Investoren suchen. 

Projekte sollen fortgeführt werden

Über beide Bauprojekte, deren Umsetzung noch nicht begonnen hat, heißt es: „Unser gemeinsames Ziel ist und bleibt die Fortführung beider Projekte. Daran arbeiten wir gemeinsam mit allen Beteiligten, intensiv und konstruktiv.“

So sollte das neue Gebäude in Zollstock aussehen.

So soll das neue Gebäude in Zollstock aussehen.

Es geht um viel Geld: Laut einer früheren Präsentation der Plattform zinsbaustein.de zur Unternehmensfinanzierung von Cube Real Estate waren für beide Bauvorhaben insgesamt hunderte Millionen Euro vorgesehen.

Für die rund 115 neuen Apartments und Wohnungen in Zollstock namens „Zoll 5“ waren 25,5 Millionen Euro an Investitionen geplant, für das neue Wohn- und Gewerbegebiet „Bilderveedel“ auf einer Fläche von umgerechnet 5,5 Fußballfeldern in Bilderstöckchen waren es 212,5 Millionen Euro. Wie viele Wohnungen dort konkret entstehen sollten, war noch unklar.

Am Zollstockgürtel 5 sollten nach Abbruch und Neubau rund 115 neue Wohnungen entstehen.

Am Zollstockgürtel 5 sollen nach Abbruch und Neubau rund 115 neue Wohnungen entstehen.

Laut der Präsentation sollte „Zoll 5“ für 27,8 Millionen Euro verkauft werden, also 2,3 Millionen Euro mehr, als die Gesamtinvestitionskosten betragen sollten. Beim „Bilderveedel“ an der Longericher Straße sollten es 278,8 und damit 66,3 Millionen Euro mehr als die Gesamtinvestition sein. Cube Real Estate bestätigte die Summen auf Nachfrage nicht, zinsbaustein.de ließ eine Anfrage unbeantwortet.

Das Unternehmen und Schmidt teilten mit, dass sie für „Zoll 5“ am Zollstockgürtel neue Geldgeber suchen – wegen der Insolvenz. „Der bisherige Finanzierungspartner wollte die Zusammenarbeit im Zuge des Restrukturierungsverfahrens bei der Cube Real Estate AG als Mutter der Projektgesellschaft nicht fortsetzen.“

Insolvenzverwalter war schon in Köln tätig

Auch für das „Bilderveedel“ deuten sich Änderungen an: Demnach hat die Deutsche Bahn „Interesse signalisiert, Teile der Projektfläche zu erwerben, da sie diese für eigene infrastrukturelle Zwecke benötigt“. Das Grundstück befindet sich direkt neben dem ICE-Werk Nippes. Eine Anfrage ließ die Bahn bislang unbeantwortet.

Sachwalter Jens Schmidt ist in Köln kein Unbekannter: Er kümmerte sich nach der Insolvenz des Projektentwicklers Gerchgroup darum, dass das sogenannte Laurenz-Carré 200 Meter südlich des Kölner Doms doch noch gebaut wird. Dort drittelte er das Projekt, um die neuen Häuser mit Büros, Hotels und Wohnen zu realisieren. Nächstes Jahr soll das erste Gebäude fertig sein.

Projektgesellschaften insolvent

Im Fall von Cube Real Estate handelt es sich um eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Geschäftsführung leitet weiter die Geschäfte, Schmidt überwacht sie und schützt die Interessen der Gläubiger. Das unterscheidet das Verfahren vom öffentlich bekannteren Insolvenzverfahren, bei dem ein Insolvenzverwalter die Geschäfte übernimmt.

Zur Insolvenz teilte das Unternehmen mit: „Vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Baukosten, veränderter Finanzierungsbedingungen und einer veränderten Marktlage mussten wir einzelne Projekte einer Neubewertung unterziehen und sie wirtschaftlich neu ausrichten. In diesem Zusammenhang waren wir gezwungen, für mehrere projektbezogene Gesellschaften Insolvenzanträge zu stellen.“

Unter anderem über die Cube Asset 25 GmbH & Co. KG ist das Insolvenzverfahren eröffnet worden, sie sollte das Bahnhofsquartier in Opladen entwickeln. 

Das frühere Brauerei-Areal in Mülheim.

Das frühere Brauerei-Areal in Mülheim.

Ursprünglich wollte Cube Real Estate ein traditionsreiches Gelände in Mülheim neu entwickeln: das sogenannte Haus kölscher Brautradition. Auf dem Brauerei-Gelände wurden zuletzt Sion, Gilden, Peters, Dom, Sester und Küppers gebraut, seit Januar 2022 wird das Gelände nicht mehr genutzt.

Cube Real Estate hatte große Pläne für das Areal, als es 2021 den Kauf abschloss: Es firmierte unter dem Namen „Brauwerk“, das Unternehmen wollte laut der Präsentation von zinsbaustein.de 383 Millionen Euro in 222 neue Wohnungen und neue Büros investieren, die alten Brauerei-Hallen abbrechen, 2030 sollte alles fertig sein.

Doch das Unternehmen trat vom Kauf zurück, Radeberger blieb Eigentümer. Die Gründe für den Rückzug blieben damals offen. Jetzt teilte Cube Real Estate mit: „Der Grund dafür war, dass sich unter den damaligen Marktbedingungen kein Finanzierungspartner finden ließ. Diese Entscheidung steht in keinem Zusammenhang mit dem aktuellen Restrukturierungsprozess, sie war eine eigenständige unternehmerische Reaktion auf das schwierige Marktumfeld zum damaligen Zeitpunkt.“

Seinerzeit wollte Cube laut der Präsentation das fertiggestellte Projekt für 451,5 Millionen Euro verkaufen. Nun will Radeberger das Gelände erneut verkaufen.