Wer nahe einer Stadtgrenze wohnt, gehört zu den Verlierern des neuen Rheinlandtarifs und zahlt einundvierzig Prozent mehr.
BusseVon Leichlingen nach Opladen kostet hin und zurück jetzt elf Euro

Seit 1. Juni ist es sehr teuer, wenn man mit dem Bus eine Stadtgrenze überfährt. Leverkusen - Langenfeld kostet hin und zurück elf Euro, wie auch Leichlingen - Opladen.
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Der neue Rheinlandtarif, er hat so seine Tücken. Das merkt jeder, der zum Beispiel von Leichlingen nach Leverkusen mit dem Bus fährt. Zuletzt – also seit Jahresbeginn – kostete ein Einzelfahrschein 3,90 Euro, wenn man ihn nicht in der Wupsi- oder einer anderen App kaufte, wo er ein paar Cent billiger war. Das waren schon 20 Cent mehr als 2025 und damit die deutlichste Preiserhöhung im gesamten Tarifsystem des Verkehrsverbunds.
Seit dem 1. Juni kostet dieselbe Strecke allerdings satte 5,50 Euro. Also elf Euro hin und zurück. „Das ist eine Erhöhung um gut 41 Prozent“, hat Friedrich Busch ausgerechnet. Der Freidemokrat aus Opladen beklagt, dass „in den öffentlichen Verlautbarungen der Verkehrsbetriebe nur die positiven Seiten des neuen Tarifsystems herausgestellt“ würden.
Nur noch drei Tarifstufen
Dazu zählt mehr Übersichtlichkeit, weil es jetzt nur noch drei Preisstufen gibt. Außerdem wurden der Verkehrsverbund Rhein-Sieg und der Aachener Verkehrsverbund tariftechnisch verschmolzen. Das kann ein Vorteil sein, muss es aber nicht: Denn ein Fahrschein in der neuen Tarifgruppe 3 kostet satte 13,80 Euro und kann auch schon auf relativ kurzen Strecken anfallen.

Das sind die Preise im Rheinlandtarif.
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Beim VRS argumentiert man mit dem Preis für die neue Stufe 2, die ungefähr die Mitte trifft: Ein Fahrschein in der alten Stufe 3 habe zuletzt 7,40 Euro gekostet. Anders gesagt, wer nah an einer Stadtgrenze wohnt, hat seit dem 1. Juni ganz erhebliche Nachteile.
Elektronische Einzelfahrscheine werden stark beworben
Laut VRS muss das aber nicht sein: Der Verbund wirbt massiv für das elektronische Ticket eezy.NRW. Wer das hat, bezahlt nur die Strecke, die er tatsächlich fährt. Es ist also eine Art Luftlinien-Ticket mit einer Preisgrenze nach oben. Im „kleinen Grenzverkehr“ kann das deutlich günstiger sein: So kostet die Strecke vom Leichlinger bis zum Opladener Bahnhof nur gut drei Euro.

Mit der eezy-App lassen sich auch Wupsi-Fahrten buchen.
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Aber ist das etwas für jeden? Für eezy.NRW braucht man ein Smartphone, denn buchen kann man nur über eine App. Die muss eingerichtet werden. Eine Zahlmethode muss man natürlich auch angeben, damit der Fahrpreis direkt eingezogen werden kann. Besonders ältere Leute trauen sich da oft nicht heran.
Seniorenticket wurde abgeschafft
Und gerade sie haben seit 1. Juni einen weiteren Nachteil: Das Aktiv-60-Ticket wurde eingestellt, und das hat in der Nachbarschaft schon zu einer politischen Forderung geführt. Die Freie Wählergemeinschaft in Bergisch Gladbach fordert, dass für Menschen über 60 Jahren eine preislich attraktive Alternative erhalten bleibt. Gedacht ist an ein Monatsticket mit festgelegtem Zeitfenster ab 9 Uhr, das ermöglicht, Bus und Bahn in der Heimatgemeinde und einer Nachbargemeinde zu nutzen. Also dort, wo die Hin- und Rückfahrt mit Einzelfahrscheinen neuerdings satte elf Euro kostet. Die Monatskarte müsse deutlich günstiger als ein Deutschlandticket sein, das inzwischen 63 Euro kostet, so die Freie Wählergemeinschaft.
Das Echo darauf war bisher verhalten; beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg sieht man keinen Anlass, am neuen Tarifsystem schon wieder zu schrauben.
Wohl auch deshalb nicht, weil es zukunftsfest gedacht ist. Das allerdings bringt absehbar eine weitere deutliche Preiserhöhung. Ende Mai 2028 fällt der Kurzstreckentarif weg, mit dem man zum Beispiel in Leverkusen durchaus ein Stück weit kommt. Er liegt im Moment bei 2,90 Euro. Ab Juni 2028 wird es nur noch die Tarifstufe 1a geben. In der kostet ein Fahrschein im Moment 3,50 Euro, also 60 Cent mehr.
