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„Jeder auf der Wache kannte ihn“Polizei in Leverkusen sah späteren Mörder schon früh als gefährlich an

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Blick in Zelle 1 in der Vorführstelle des Kölner Landgerichts an der Luxemburger Straße

In einer Zelle der Vorführstelle des Kölner Landgerichts verbringt auch Christos F. die Unterbrechungen im Mordprozess. 

Jede Freundin war sofort die große Liebe für den Mann aus Opladen. Die Frauen sahen zu, dass sie wegkamen.

„Die haben auch alle so eine gebrochene Art – so wie ich.“ Christos F. (Name geändert) zieht am Mittwoch eine Parallele zwischen den drei Frauen, mit denen er zuletzt zu tun hatte, und sich selbst. Was er aber nicht wahrnimmt: das offenkundige Ungleichgewicht in den Beziehungen. Für ihn waren alle fast sofort die große Liebe. Die Frauen dagegen setzten schnell alles daran, den Mann auf Distanz zu halten: Sie blockierten ihn auf WhatsApp, eine setzte gar ein Annäherungsverbot bei der Polizei durch.

Wie die Beziehung zu der Frau gelaufen ist, die der Angeklagte am 21. November vorigen Jahres auf unvorstellbar brutale Art in Opladen ermordet hat, wird die 5. Große Strafkammer in den verbleibenden Tagen des Schwurgerichtsprozesses noch so gut es geht aufklären. Was sich am Mittwoch auch erweist: Schon im November 2023 wurde der Polizei in Opladen klar, dass Christos F. gefährlich ist – für andere. Zwischen dem 3. und 6. November habe der Mann täglich Einsätze verursacht, erinnert sich einer der Polizisten, die am Mittwoch vom Vorsitzenden Richter Peter Koerfers befragt werden. „Jeder auf der Wache kannte ihn.“

Remigius-Ärzte retteten den Stiefvater einer Freundin

Das waren die Tage, nach denen Christos F. den Stiefvater seiner damaligen Freundin vor dessen Wohnung in der Düsseldorfer Straße beinahe zu Tode geprügelt hatte. Angeblich missbrauche der seine Stieftochter, was offensichtlich eine fixe Idee war. Dass der Mann die Attacke überlebte, ist dem Einsatz der Ärztinnen und Ärzte im Remigius-Krankenhaus zu verdanken: Sie belebten ihn mehrfach wieder. Das mehrtägige Koma hat bei dem heute 44 Jahre alten Mann dennoch bleibende Schäden hinterlassen.

Auch von dieser Tat hatte der heute 34 Jahre alte Mann Aufnahmen gemacht. So wie von seinem zweiten Opfer, das die Attacken nicht überleben konnte. Die 30-jährige Frau lag tagelang tot in der Wohnung am Wupperufer, was auch daran lag, dass der Täter dem Wahn erlegen war, sein furchtbar zugerichtetes Opfer könne noch leben. Ziellos irrte er durch Opladen, stellte sich am Ende auf Anraten seines Bruders.

Krankhafte Eifersucht

Aus den punktuellen Schilderungen des Angeklagten weiß man, dass er auch in dieser Beziehung geradezu krankhaft eifersüchtig war. Jede Begegnung mit einem Mann, die er beobachtete, las er als Treuebruch.

Das war bei einer Frau aus Vechta nicht anders. Sie hatte ihn zunächst in Opladen besucht, man kam sich näher. Später reiste Christos F. ihr nach, hauste zunächst in einem Kiosk ohne Wasser und suchte – so schilderten es zwei Freunde, die ihn später zeitweise aufnahmen, dann aber wegen seiner permanenten Alkoholexzesse wieder aus dem Haus komplimentierten – immer wieder Kontakt zu der Frau.

Mein Problem war: Ich hatte so schnell Gefühle aufgebaut
Der Angeklagte

Die Sehnsucht war auch hier ziemlich einseitig. Das zeigt zum einen der Chat-Verlauf: „Es geht darum, dass du mich terrorisierst und verfolgst“, zitiert der Vorsitzende Richter Peter Koerfers eine Nachricht der Freundin aus Vechta. „Mein Problem war: Ich hatte so schnell Gefühle aufgebaut“, kommentiert der Angeklagte das. Das äußerte sich auch hier darin, dass er sich abends vor dem Haus der Freundin postierte und sie beobachtete.

Das war natürlich nicht gewollt, wie sich am Mittwoch ebenfalls erweist: Auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Vechta kam es zu einer heftigen Begegnung zwischen den beiden, die einen Passanten zum Eingreifen veranlasste. Der Sozialarbeiter berichtet vor Gericht von Hilferufen. Als er die junge Frau angesprochen habe, sei sie sehr froh über seinen Beistand gewesen. „Das ist mein Stalker“, habe sie erklärt.

Das habe sich auch so angefühlt, so der Helfer: Christos F. habe ihn in einem fort beleidigt und bedroht, sei auch „immer wieder auf mich zugekommen“. Dass keine Handgreiflichkeiten folgten, war eher Zufall. Zuvor hatte der Retter aber auch Folgendes gehört: „Ich liebe Dich, gib mir eine Chance“, habe der Mann seine Freundin angefleht. Die aber sah zu, dass sie wegkam. Wohl zu ihrem Glück: Die nächste Freundin von Christos F. kam ein halbes Jahr später zu Tode.