Die Künstlerinnen des Netzwerks ART4Friends erzählen in der Ausstellung „Stadtgeflüster“ Geschichten von Orten, Erinnerungen und Wandel und machen daraus Kunst.
Ausstellung„Stadtgeflüster“ in Opladen erzählt Geschichten von Orten und Wandel

Von Leverkusen bis Oberhausen: Die Künstlerinnen von ART4Friends zeigen in „Stadtgeflüster“ ihre ganz persönlichen Blicke auf Städte und ihre Geschichten.
Copyright: Viktoria Langenhuizen
Städte sind mehr als Straßen, Gebäude und Plätze. Sie sind Orte voller Erinnerungen, Veränderungen und persönlicher Geschichten. Genau diesen Blick auf urbane Räume zeigt die Ausstellung „Stadtgeflüster“ im Foyer des Verwaltungsgebäudes am Goetheplatz in Opladen. Künstlerinnen des Netzwerks ART4Friends bringen ihre ganz eigenen Stadtgeschichten nach Leverkusen: aus Gelsenkirchen, Dorsten, Oberhausen, Engelskirchen und anderen Orten. Während Leverkusen den Rahmen bildet, kommen die Geschichten aus unterschiedlichen Städten. Gemeinsam ergeben sie ein vielstimmiges „Stadtgeflüster“: persönliche Eindrücke, historische Spuren und künstlerische Interpretationen von Heimat und Wandel.
Jedes Werk erzählt eine persönliche Geschichte
Für Susanne Zeisberg beginnt ihre künstlerische Spurensuche in Engelskirchen. Die 57-Jährige lebte früher selbst an der ehemaligen Engelsfabrik. Den Ort greift sie nun in einem ihrer Werke auf. Für die Ausstellung entstand außerdem ein Gemälde von Schloss Ehreshoven, ein Motiv, das für sie eine besondere Herausforderung war. „Eigentlich male ich keine Gebäude“, erzählt die Künstlerin. Als Vorlage dienten Fotografien, doch die Ausgestaltung überließ sie auch ihrer Fantasie. Susanne Zeisberg bezeichnet sich selbst als Mixed-Media-Künstlerin und verbindet unterschiedliche Materialien miteinander: Blattgold, Epoxidharz, Trockenblumen und echte Schnüre geben ihren Arbeiten eine besondere Struktur. Ihre letzte Reihe zeigte Tiere im Steampunk-Stil.

Das Werk „Christkindpostamt Engelskirchen“ von Susanne Zeisberg verbindet Epoxidharz und Acryl mit einer Geschichte über Wünsche und den Zauber der Weihnachtszeit.
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Für Susanne Zeisberg ist Malen nicht nur Gestaltung, sondern auch eine Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen. Die Künstlerin lebt mit Epilepsie. „Wenn ich male, ist das wie Meditation“, sagt sie. Manchmal habe sie das Gefühl, „als ob der Körper einen Teil abgeschaltet hätte“. Auch ihre durch die Erkrankung bedingten Einschränkungen nimmt sie als Teil ihrer Persönlichkeit an: „Die Zitterer gehören zu mir.“
Städte im Wandel
Die Künstlerinnen beschäftigen sich nicht nur mit Orten, sondern auch mit deren Veränderungen. Bea Thul aus Gelsenkirchen blickt auf den Strukturwandel des Ruhrgebiets. Ihre Arbeiten erzählen von ehemaligen Industrieorten, aber auch von der Sehnsucht nach Städten als lebendigen Treffpunkten. Nicht nur der Verlust alter Strukturen steht dabei im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie Menschen ihre Städte neu entdecken und gestalten. Die 65-Jährige zeigt in ihren Bildern eine romantische Vorstellung von Orten, an denen Begegnung und Gemeinschaft möglich sind. Sabine Schröder bringt ihre Heimatstadt Dorsten in die Ausstellung. Ihr Motiv ist die Schleuse. Für die Ausstellung reiste die 50-Jährige eigens aus Dorsten nach Leverkusen an.

Der Wandel des Ruhrgebiets und die Sehnsucht nach Orten der Begegnung prägen die Werke der Gelsenkirchener Künstlerin Bea Thul.
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Christina Stürznickel aus Oberhausen widmet sich den Spuren vergangener Industrie. Ihr Bild von stillgelegten Gleisen am Gasometer ist zugleich eine besondere Arbeit für die Künstlerin: Es ist ihre erste abstraktere Arbeit. Die 46-Jährige malt nur zwei bis vier Bilder im Jahr und arbeitet sehr bewusst an jedem einzelnen Werk.

Stillgelegte Gleise am Gasometer Oberhausen: Christina Stürznickel wagt sich mit diesem Werk erstmals an eine deutlich abstraktere Bildsprache.
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Auch Leverkusener Motive sind Teil der Ausstellung. Unter dem Titel „Leverküsschen“ verbindet Barbara Gorel historische Postkarten aus allen Leverkusener Stadtteilen mit Elementen der Pop-Art. Vergangene Ansichten treffen dabei auf eine moderne, farbenfrohe Bildsprache.

Historische Leverkusener Postkarten treffen in Barbara Gorels „Leverküsschen“ auf moderne Pop-Art.
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Ein Netzwerk, das verbindet
Hinter der Ausstellung steht ART4Friends. Das Künstlernetzwerk wurde vor fünf Jahren von Barbara Gorel gegründet und zählt inzwischen rund 45 Künstlerinnen und Künstler aus Leverkusen und der Region. Viele der Künstlerinnen kannten sich zunächst nur über soziale Medien. Bei gemeinsamen Ausstellungen treffen sie sich teilweise erstmals persönlich. Der Austausch untereinander steht dabei stärker im Mittelpunkt als der Verkauf von Kunstwerken. Genau diese Verbindung macht die Ausstellung besonders: Nicht eine einzelne Sicht auf die Stadt wird gezeigt, sondern viele unterschiedliche Perspektiven.