Seit 30 Jahren hilft Familie Hammes beim Hören, jetzt gestaltet die Tochter die Zukunft mit.
30 Jahre Hammes HörsystemeDas Zuhören ist in Leverkusen Familiensache

Gutes Hören bleibt bei Hammes Familiensache: Antonia übernimmt 2027 die alleinige Geschäftsführung von Vater Norbert.
Copyright: Charlotte Breidohr
Es vergehen kaum zehn Minuten, ohne dass ein Kunde Antonia Hammes von draußen grüßt oder anspricht. In der Opladener Filiale kennt man die junge Hörakustikerin. In der Fußgängerzone begann vor 30 Jahren die Geschichte des Familienunternehmens „Hammes Hörsysteme“, das sie heute gemeinsam mit ihrem Vater Norbert führt. Und beinahe zeitgleich begann auch ihre eigene: Einen Monat nach der Geschäftsübernahme im September 1996 kam Antonia zur Welt.
Für Vater Norbert Hammes waren es zwei große Veränderungen auf einmal. Sein damaliger Arbeitgeber hatte ihm die Übernahme angeboten, doch der Hörakustikmeister zögerte zunächst. „Ich habe ein bisschen überlegt, ich fühlte mich noch nicht reif genug. Es ist ein großer Schritt in die Selbstständigkeit.“ Aber er wagte ihn. Schon im Dezember kam die zweite Dependance in Wermelskirchen dazu. Kunden versorgen, renovieren, Abrechnungen erledigen: „Ich habe erst alles selbst gemacht“, erinnert sich der heute 64‑Jährige. Inzwischen gehören auch Geschäfte in Remscheid und Wiesdorf dazu.
Dass Antonia einmal einsteigen würde, ergab sich ganz spontan und natürlich. Nach dem Abitur begleitete sie ihren Vater in die Remscheider Filiale. Kundenkontakt, Handwerk und die Frage, wie das Ohr funktioniert: Die Mischung gefiel ihr. „Da habe ich mich gar nicht weiter umgeschaut, ich fand die Arbeit cool.“ Auf die Ausbildung an der „Bundesoffenen Landesberufsschule für Hörakustik“ folgte der Meisterabschluss an der „Akademie für Hörakustik“. Für den Unterricht und Prüfungen pendelte sie mehrmals im Jahr nach Lübeck, wohnte dort mit anderen angehenden Hörakustikern auf dem Campus.
In unserem Beruf ist es extrem wichtig, dass wir empathisch sind.
An Nachwuchs fehlt es dem Unternehmen derzeit nicht, drei Auszubildende lernen im Betrieb. Antonia wünscht sich dennoch mehr Aufmerksamkeit für das Handwerk: „Man hat diese Ausbildung als junger Mensch nicht auf dem Schirm.“ Dabei reicht sie von Elektrotechnik bis Psychologie. Wer Hörgeräte anpasst, muss eben auch verstehen, was sein Gegenüber braucht.
Heute teilt sie mit ihrem Vater die Geschäftsführung und die Verantwortung für 13 Mitarbeitende. Immer in Familienfrieden? Keineswegs. „Wir waren oft unterschiedlicher Meinung“, sagt Antonia. Sie habe aber früh ihren eigenen Weg eingeschlagen. Dazu gehört auch ein Instagram-Auftritt. Für Norbert Hammes ist der Ruhestand 2027 geplant.

In Opladen begann die Firmengeschichte vor 30 Jahren. Hier die Filiale in der Alstadtstraße.
Copyright: Charlotte Breidohr
Wie sehr sich der Beruf in 30 Jahren verändert hat, kann Norbert Hammes an den Geräten erklären. Früher stellte man den Klang mit kleinen Schrauben ein, die Lautstärke regelten die Kunden am Rädchen. Die Geräte waren groß und meist beige. Heute lassen sich Hörsysteme mit dem Smartphone oder Fernseher verbinden, Sprache gezielt verstärken und Störgeräusche absenken. Auch die Kundschaft habe sich verändert, berichtet Hammes. Die Menschen kämen früher, schon ab Mitte 50, und der Umgang mit Hörgeräten sei offener geworden. Er selbst trägt seit einem Jahr welche. „Es hilft mir unheimlich“, so Norbert Hammes.
Bei aller Technik bleibt die Anpassung an den einzelnen Menschen entscheidend. Das gleiche Modell aus dem Internet bedeutet noch nicht die gleiche Einstellung. Die Familie setzt auf Zeit zum Ausprobieren im Alltag und bietet auch Hausbesuche an. „In unserem Beruf ist es extrem wichtig, dass wir empathisch sind“, sagt Norbert Hammes. Wie viel in den nächsten Jahren künstliche Intelligenz übernehmen wird, beschäftigt beide. Antonia sieht darin auch Entlastung: „Es ist schön, wenn der Computer uns einiges abnehmen würde.“ Dass handwerkliche Arbeit und Feineinstellungen am Hörgerät weiterhin gebraucht werden, davon ist sie überzeugt. Denn um Menschen beim Hören zu helfen, muss man ihnen erst einmal zuhören, und das gehe von Mensch zu Mensch immer noch am besten.
So wird das Jubiläum gefeiert
Am Montag, 21. September, wird in Wiesdorf von 10 bis 17 Uhr gefeiert. Ein weiterer Termin ist für Montag, 28. September, ebenfalls von 10 bis 17 Uhr vorgesehen. Angekündigt sind Häppchen, Getränke, Herstellerpräsentationen und ein Glücksrad. (chb)
