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Ausstellung Opladener Geschichtsverein lädt zu Zeitreise in Leverkusen ein

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Acht Jugendliche der Partnerinitiativen stehen nebeneinander

Teilnehmende an dem Workshop in der Villa Römer

Jugendliche verschiedener europäischer Nationen bringen ihre eigenen Ideen ein und knüpfen europäische Freundschaften.

Was macht die Identität der Stadt Leverkusen aus? Warum gibt es drei Fußgängerzonen in so einer kleinen Großstadt? Was ist das Zentrum Leverkusens? Kann man die Stadtentwicklung als gelungen bezeichnen? Warum fühlen sich manche Leverkusener eher Opladen als Wiesdorf zugehörig?

Viele solcher Fragen werden aufgeworfen, wenn man sich auf eine Zeitreise durch mehr als 100 Jahre Stadtentwicklung in der neuen Ausstellung „Gewachsen, geplant, gelungen?“ in der Villa Römer begibt. Die neue Schau wurde am Samstag eröffnet und zeigt bis zum 28. Februar 2027 in sechs Räumen die Entwicklung einer rasant gewachsenen und noch immer wachsenden Großstadt sowie ihre Herausforderungen auf. Dabei wird dem Besucher schnell bewusst, dass die Entstehung Leverkusens zu Beginn stark geprägt war von der Ansiedlung großer Fabriken wie der Ultramarinfabrik Carl Leverkus 1862 oder ab 1895 der Ansiedlung von Bayer in Wiesdorf und des Eisenbahnausbesserungswerks im Jahr 1903 in Opladen. Diese großen Arbeitgeber schufen Wohnungen im Umfeld der Fabriken.

50 Jahre später – nach dem Zweiten Weltkrieg – gab es mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder eine bis heute sehr prägende Zeit in der Entwicklung Leverkusens, die schnell zur Großstadt im Jahr 1963 heranwuchs. Die Konsumgesellschaft prägte das Stadtbild mit mehr und mehr Einzelhandelsgeschäften. Das Auto löste Bus und Bahn als wichtigstes Verkehrsmittel ab. Leitbilder wie die autogerechte Stadt und der Bau einer neuen Stadtmitte spielten eine zentrale Rolle: So entstanden die Stadtautobahn sowie die früher futuristisch anmutenden City C oder die City A.

Ausstellungskasten über die Stadtentwicklung zu Zeiten des Wirtschaftswunders

Wie einschneidend die 50er und 60er Jahre für die Stadtentwicklung waren, zeigt dieser Ausstellungskasten in der neuen Ausstellung „Gewachsen, geplant, gelungen?“ in der Villa Römer.

Die damals so euphorisiert wahrgenommene Entstehung einer „City“ stellt die Stadt heute vor Herausforderungen und ist eine „gewisse Hypothek“, wie der Pressesprecher des OGV, Jörn Wenge, die aktuelle Situation beschreibt. Auch im Hinblick auf aktuelle Konzepte wie einer klimafreundlichen und grünen Stadt gibt es viele neue Ideen und Leitbilder. So wirft der letzte Ausstellungsraum, der die Gegenwart und Zukunft der Stadtentwicklung dank der Beteiligung des Leverkusener Stadtentwicklers Stefan Karl darstellt, die Frage auf, wie unter der Beteiligung von Bürgern und Bürgerinnen eine Stadt unter finanziellen Herausforderungen „gelingen“ kann. So betont Wenge, wie wichtig die Kommune für den Alltag der Menschen, aber auch für die Demokratie  sei. Gleichzeitig bestehe ein „finanziell stark eingeschränkter Spielraum“, in dem viele Aufgaben durch die Kommune übernommen werden müssen.

Auch die kommunale Zusammenlegung der Stadt Opladen und der Stadt Leverkusen im Jahr 1975 stellt die Stadt immer noch vor zentrale Aufgaben: Wie werden städtische Funktionen auf die Zentren verteilt? Was macht die Neugliederung mit der Identität in einer Stadt? „Für einige Opladener, die die Gebietsreform noch erlebt haben, war sie ein wirkliches Verlustgefühl“, so der Historiker Wenge. Für Jugendliche hingegen spiele sie keine Rolle mehr, auch wenn sich manche mehr mit ihrem Stadtteil identifizieren, aber Leverkusen als Gesamteinheit sehen. Schließlich gebe es auch identitätsstiftende Elemente wie Leverkusen als Sportstadt mit Bayer 04 und TSV Bayer 04 oder Leverkusen als Chemiestadt mit Europas größtem Chemiepark.

Drei Männer vom OGV zeigen Schwarz-Weiß-Bilder von der Entstehung Wiesdorfs. Im Vordergrund ein Modell des neuen Zentrums.

Ein Modell des Wiesdorfer Zentrums erinnert in der Ausstellung an vergangene Stadtplanung: Jörn Wenge, Jürgen Mittag und Michael Gutbier vom OGV (v.l.).

Um den Blick über Leverkusen hinaus zu erweitern und die gemeinsame europäische Idee zu stärken, hatte der OGV Jugendliche und Erwachsene der Partnervereine, aus den meisten europäischen Partnerstädten sowie aus Battipaglia, Italien, Gabrovo, Bulgarien, und Jülich eingeladen. Im Rahmen des Geschichtsfests kamen die Teilnehmenden vier Tage lang zusammen und tauschten sich aus: Sie diskutierten über Demokratie und Erinnerungskultur, berichteten über die jeweilige Heimatstadt und besuchten die Neue Bahnstadt Opladen.

Auch den 16-jährigen Louis Wenge faszinierte das Geschichtsfest: Es sei ein sehr guter Austausch zwischen allen gewesen und jeder habe sich einbringen können. „Für mich ist Europa Zusammenhalt und Demokratie stärkend, weil man in der EU dieselbe Idee verfolgt. Europa ist ein großes Netzwerk, das zusammenarbeitet und gemeinsame Ideen für die Zukunft entwickelt.“ Für den 20-jährigen Lucas Dubuc aus Villeneuve d´Ascq, Stadtentwicklungs-Student, war es ein „interkultureller Austausch“ und ein „Lernen über andere Kulturen und Städte“.

Ein Jugendlicher stellt vor Publikum auf einem Bildschirm ein Video für Social Media vor.

Louis Wenge stellte am Sonntag die drei im Rahmen von Workshops produzierten Videos für Social Media vor.

Auch die erlebte Geschichte der älteren Generationen sei enorm wichtig, betonte Louis Wenge in seiner Rede beim Geschichtsfest am Sonntag. „Alle Generationen sind am gleichen Tisch. Wir können sehr viel intergenerational arbeiten“, so der Schüler der 11. Klasse am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium in Köln. Auch das Einbinden seiner eigenen Generation sei ihm sehr wichtig, denn „viele Jugendliche wollen sich einbringen“ und man müsse „ansprechende Veranstaltungen anbieten“, wie es der OGV für die Jugend mache.

Um die Ergebnisse und die zukünftige europäische Zusammenarbeit auch zwischen den Generationen zu stärken, haben die Partnervereine eine Leverkusener Erklärung als Fundament formuliert.

Die Ausstellung ist vom 12. September bis zum 28. Februar 2027 in der Villa Römer zu sehen. Sie ist samstags von 15 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet vier Euro.


Sammelband zur Zwischenkriegszeit aus Leverkusen und Jülich

Passend zur Ausstrahlung der letzten Staffel von „Babylon Berlin“ erscheint nun auch der Sammelband „Jülich und Leverkusen. StadtRäume zwischen den Kriegen“ über die Zwischenkriegszeit im Zeitraum von 1918 bis 1939. Dabei beleuchtet der Opladener Geschichtsverein von 1979 zusammen mit dem Jülicher Geschichtsverein in 46 Aufsätzen die Lokalgeschichte und damit den Zeitgeist dieses Zeitraums. Insgesamt befassen sich 36 Autoren und Autorinnen der beiden Geschichtsvereine mit dem lokalen Zeitgeschehen – von der Verfassungsfeier im Stadion in Leverkusen-Manfort 1929 über die Kinoszene bis hin zu Aktivitäten der KPD und NSDAP im Leverkusener Raum. Ermöglicht wurde die Publikation finanziell durch den NRW-Heimatfonds mit einer Förderung in Höhe von 21.000 Euro sowie inhaltlich durch die Stadtarchive der beiden Städte. Der Sammelband kann zum Preis von 29,80 Euro über den Buchhandel sowie die beiden Geschichtsvereine vorbestellt werden. (tr)