Das Kulturausbesserungswerk in Opladen besteht seit 25 Jahren, der Trägerverein seit 50. Dazu gibt es eine Woche lang viele Veranstaltungen.
KulturausbesserungswerkKAW feiert in Opladen doppeltes Jubiläum

Cordula Lissner und Petra Clemens (v.l.), zwei Mitstreiterinnen, die sich seit vielen Jahren im KAW engagieren, vor dem Gebäude an der Kolberger Straße.
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Im Gespräch im Kulturausbesserungswerk (KAW) kommen Petra Clemens und Cordula Lissner aus dem Lächeln kaum raus. Ihre Fröhlichkeit und gute Laune sind ansteckend. Die beiden Frauen sind seit Jahrzehnten im KAW aktiv, Lissner ist seit Anfang der 80er-Jahre dabei. Wenige Jahre nach der Gründung des „Förder- und Trägervereins freie Jugendzentren Leverkusen“ – der Zusatz „Kulturzentren“ im Namen kam erst später dazu, so Lissner – im Jahr 1976 stieß sie dazu. Die Gründung ist jetzt 50 Jahre her. Und 25 Jahre sind es, seit das KAW sein Domizil an der Kolberger Straße in Betrieb nahm. Und das muss gefeiert werden mit einem Hoffest und einer Jubiläumswoche.
Natürlich habe es 1976 auch schon städtische Jugendzentren gegeben und kirchliche, erzählen die beiden. „Man ging damals in die Teestube im Gemeindehaus.“ Aber die Jugendzentrumsbewegung jener Jahre wollte mehr: selbst geschaffene und organisierte Räume, selbstbestimmte Themen, mit und in denen man sich verwirklichen kann. Erstes Domizil für dieses Projekt war das Jugendzentrum „TT Embargo“ an der unteren Hauptstraße in Wiesdorf schräg gegenüber vom „Topos“. Doch die Bayer AG, der die Gebäude gehörten, hatte Neubaupläne für die Häuserzeile, die 1984 abgerissen wurde. Der Verein kam zwischenzeitlich beim türkischen Arbeiterverein unter, der in einer Baracke neben dem Freibad Bismarckstraße residierte.
Acht Jahre im „Schweinesaal“
Dann der „Schweinesaal“: Von 1988 bis 1996 fand der Verein an der Ecke Kaiserstraße/Hauptstraße in einer ehemaligen Schlachterei ein Zuhause. „Da hingen die Haken für die Schweinehälften noch an der Decke“, erinnert sich Lissner. Ein Überbleibsel aus jener Zeit hängt über der Tür des Thekenraums im KAW: die „Räume“-Leuchtreklame.

Überbleibsel aus der Wiesdorfer Zeit des Kulturzentrums: die Leuchtreklame im KAW.
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2001 bot sich für den Verein und weitere Gruppen, die auf der Suche nach Räumen für sich waren, die Gelegenheit, in die Halle einer ehemaligen Schreinerei auf der Ostseite des Eisenbahnausbesserungswerks in Opladen einzuziehen. Was folgte, waren unzählige „Bausamstage“, so Lissner und Clemens. Gefördert mit Geld des Landes NRW bauten die Vereinsmitglieder in ehrenamtlicher Arbeit die Schreinerei in ein Kulturzentrum mit zwei Sälen und weiteren Räumen um. Unter anderem trugen die Ehrenamtler das alte Holzdach komplett ab und ersetzten es durch eine selbsttragende Betonkonstruktion.
Ihr Ansprechpartner für das Förderprogramm beim Land habe sich allerdings in einem entscheidenden Punkt geirrt, so die beiden Frauen. Als er hörte, dass der Verein komplett ehrenamtlich agierte, also ohne eine Art operative Führung, die gegen Bezahlung arbeitet, sagte er: „Das haltet ihr nicht durch.“ Heute, so Clemens, sei das KAW in der Landesarbeitsgemeinschaft soziokultureller Zentren in NRW das einzige Zentrum, das weiterhin komplett auf ehrenamtlicher Basis arbeite.

Der Schriftzug des KAW
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Möglich ist das auch, weil sich an die Generation der Vereinsgründer mittlerweile zwei weitere Generationen angeschlossen haben, die sich engagieren. Unsere Leute sind zwischen 18 und 70, berichtet Lissner. Was aber überhaupt nicht heißen soll, dass neue Leute nicht willkommen sind. Im Gegenteil: „Wir können immer noch Menschen brauchen, die sich hier engagieren wollen“, sagt Clemens.
Eine Woche lang Jubiläumsprogramm
Gelegenheit, mit den Aktiven des KAW und des Vereins ins Gespräch zu kommen, ist zum Beispiel beim Hoffest am Sonntag, 13. September. Ab 12 Uhr gibt es auf dem Hof vor dem und im Gebäude Theater, Chorgesang, Orchester- und Rapmusik. Außerdem blickt eine Ausstellung zum Jubiläum auf 25 Jahre KAW zurück: „Unser Haus – unsere Geschichte(n)“. Im kleinen Jazzclub Café laden Schallplatten und Espresso zum Verweilen ein.
Dienstag, 15. September, ist der Tag des Kabaretts. Unter anderem Wilfried Schmickler und weitere Kabarettisten und Comedians blicken ab 20 Uhr auf 50 Jahre Kabarett und Kleinkunst in Leverkusen zurück. Am Donnerstag, 17. September, ab 19 Uhr, geht es mit dem Dokumentarfilm „Kein Land für Niemand“ und anschließender Diskussion um die zunehmende Abschottung Deutschlands und Europas gegen als unerwünscht deklarierte Migration. Der Flüchtlingsrat Leverkusen, der gleichfalls im KAW residiert, veranstaltet den Abend in Kooperation mit der KAW-Filmreihe „Borders of Europe“.
Am Freitag, 18. September, ist Punk Trumpf. Gleich drei Bands – „Grow Away“, „Ein Sommer im Keller“ und „Waumiau“ – treten ab 19 Uhr auf. Am Samstag, 19. September, ist von 13 bis 18 Uhr, eine Dampfeisenbahn aus Sprockhövel zu Gast am KAW. Große und kleine Gäste können in der Eisenbahn eine Runde drehen. Am Samstag, 19. September, geht es um 14 Uhr lose auf einen antifaschistischem Stadtteilspaziergang durch Opladen. Dabei besuchen die Spaziergänger Orte der Verbrechen der Nazi-Zeit, aber auch Orte des Widerstands.
Dass Feiern auch Musik und Spaß und Tanzen bedeutet, unterstreicht das KAW am Samstag ab 18 Uhr mit drei jeweils zweistündigen Tanzpartys.
Ohne regelmäßige Zuschüsse
Die Stadt, mittlerweile Eigentümerin des Gebäudes Kolberger Straße 95A, stellt dem Verein das Haus mietfrei zur Verfügung. Weitere regelmäßige Zuschüsse gibt es nicht, wohl aber auf Antrag finanzielle Unterstützung für einzelne Projekte. Die Unterhaltskosten muss der Verein über seine Veranstaltungen erwirtschaften. Spenden sind immer willkommen, so Petra Clemens und Cordula Lissner. (ps)
