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Kritik, aber kein AbgesangWie die Unternehmer in Leverkusen und Umgebung die Lage einschätzen

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Die Führung der Unternehmerverbände und ihr Gast: Thomas Ebker (v.l.), Jan Beine, Andreas Tressin, Fernando Carro, Arndt Krebs und Marc Kretkowski.

Die Führung der Unternehmerverbände und ihr Gast: Thomas Ebker (v.l.), Jan Beine, Andreas Tressin, Fernando Carro, Arndt Krebs und Marc Kretkowski.

Die Unternehmerschaft und der Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Rhein-Wupper hielten ihre Mitgliederversammlung ab.

Die Mitgliederversammlung der Unternehmerschaft Rhein-Wupper und des Arbeitgeberverbandes der Metall- und Elektroindustrie Rhein-Wupper ist auch immer eine Standortbestimmung. Neben den turnusmäßigen Wahlen nutzen die Unternehmerinnen und Unternehmer die Zusammenkunft immer dafür, ihren Blick auf ihre Lage und die der Wirtschaft in der Region im Allgemeinen darzulegen.

Dass dieser Blick auch dieser Tage noch getrübt ist, vermag wohl niemanden zu überraschen. Die Herausforderungen für Unternehmen seien groß: „Hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie, Fachkräftemangel und steigende kommunale Belastungen setzen Unternehmen unter Druck und bremsen notwendige Investitionen“ ist die Kernbotschaft, die vom Treffen am Dienstagnachmittag im Gallodini in Opladen ausgeht.

Jüngste Signale von Bund und Land bewerten die Unternehmer zwar als positiv – zum Beispiel die Abschreibungen von Energiekosten und den Abbau von Bürokratie. Von einer Trendwende wollen die Firmenchefs dennoch nicht sprechen. Zumindest sei sie vor Ort nicht angekommen: „Für viele Betriebe geht es inzwischen nicht mehr um abstrakte wirtschaftliche Kennzahlen, sondern ganz konkret um Investitionen, Arbeitsplätze und teilweise um die Existenz des Unternehmens“, heißt es aus der Unternehmerschaft.

Kritik an Steuererhöhungen

Zwar seien die Unternehmen solide aufgestellt und in der Lage, sich anzupassen. Dennoch stoße auch irgendwann der leistungsfähigste Betrieb an seine Grenzen, „wenn Kosten und bürokratische Belastungen immer weiter steigen“, lassen sich Marc Kretkowski (Wupsi-Chef und als Vorsitzender der Unternehmerschaft wiedergewählt) sowie Arndt Krebs (Vorsitzender des Metallverbandes) zitieren.

Naturgemäß kritisch sehen die Unternehmer die vorgesehene schrittweise Steigerung der Hebesätze für die Gewerbesteuer und der Grundsteuer B: „Wir haben Verständnis dafür, dass die Kommunen vor großen finanziellen Herausforderungen stehen. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, die Unternehmen immer stärker zu belasten.“ Unternehmen seien keine melkbare Einnahmequelle für den Haushalt, sondern das Fundament der Region. Gerade die Erhöhung der Grundsteuer B sehen die Unternehmer problematisch. Die hänge nicht von den Ergebnissen ab und erhöhe damit die Fixkosten für Firmen dauerhaft. Was die Unternehmer stattdessen fordern: „Ausgabendisziplin, verlässliche Steuerbelastungen und eine Standortpolitik, die Investitionen wieder attraktiv macht.“

Denn die Wirtschaft werde trotz Energiekrise und geopolitischen Konflikten – Stichwort „Russisches Gas“ – nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich neu erfinden. Aber: „Dafür brauchen sie (die Unternehmen, d. Red.) aber Rahmenbedingungen, unter denen sich Investitionen auch rechnen.“

Zukünftig würden drei Themen die Arbeitswelt besonders betreffen: KI, die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung und der Mut der Politik zur Wahrheit. Berufsbilder würden sich durch KI grundlegend ändern und Deutschland müsse dabei mithalten. Zudem dürfe man gesellschaftlich nicht auseinanderdriften: Weltoffenheit, Stabilität, Rechtssicherheit, internationale Vernetzung und Beschäftigung seien das, was ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort brauche: „Wer Fachkräfte gewinnen und Investitionen aus dem In- und Ausland anziehen will, muss auch für ein gesellschaftliches Umfeld sorgen, in dem Menschen gerne leben und arbeiten.“

Ein Abgesang auf den Wirtschaftsstandort solle ihre Kritik allerdings nicht sein, betonen die Unternehmer: „Wir haben leistungsfähige Unternehmen, hervorragend ausgebildete Mitarbeiter und eine enorme Innovationskraft. Jetzt müssen wir aber auch die Rahmenbedingungen schaffen, damit diese Stärke wieder zur Geltung kommen kann, fordern die beiden Vorsitzenden.“


Vorstandswahlen und Vortrag von Fernando Carro

Vorsitzender der Unternehmerschaft bleibt Marc Kretkowski (Wupsi), Vorsitzender des Metallverbandes Arndt Krebs. Ebenfalls als Vorstandsmitglieder wiedergewählt wurden Thomas Ebker (Federal-Mogul Burscheid) und Detlev Szczukowski (Rhinox Arbeitsschutz). Neu im Unternehmerschafts-Vorstand ist Selina Schumacher (Group Schumacher), Jane Beine (Fixatorenbau Bertuch) im Metallverbands-Vorstand. Verabschiedet nach 18 Jahren im Metallverbands-Vorstand wurde Max Taha. Im öffentlichen Teil der Versammlung hatte Bayer-04-Leverkusen-Chef Fernando Carro zum Thema „Wie steuert man eine Fußball-GmbH“ erzählt. (nip)