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ProzessMesserattacke an Leverkusener Kiosk – Täter hatte getrunken und gekokst

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Der Briefkasten des Amtsgerichts in Opladen

Vor dem Amtsgericht mussten sich am Mittwoch, 16. September, verantworten.

Was hat der Mix aus Alkohol und Drogen ausgelöst? Das ist noch zu klären vor dem Amtsgericht.

Die Sache schien klar: Am frühen Nachmittag des 25. April war es am Kiosk am Markt zu einer Messerattacke gekommen. Yasser S. (Name geändert) hatte seinem Gegner zweimal in den Rücken gestochen – danach versuchte er, ihn auch noch von vorn zu erwischen. Ohne Erfolg, zum Glück. Aber was sind die Umstände der gefährlichen Körperverletzung, die der 24 Jahre alte Deutsch-Jordanier am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Opladen freimütig einräumte?

In den Akten ist lediglich davon die Rede, dass der Täter rund 1,75 Promille Alkohol im Blut hatte. Aber auf der Polizeiwache wurden zwei Proben gemacht: Aus einer weiteren ergab sich, dass der Mann nicht nur getrunken, sondern auch gekokst hatte. Und das ändert aus Sicht seines Verteidigers Daniel Wölky alles: Der Drogen-Alkohol-Mix habe bei seinem Mandanten die für diese Kombi typische Wirkung entfacht. „Aggression, Selbstüberschätzung.“ Deshalb sei er für seine Tat nicht verantwortlich, zumindest teilweise oder sogar gänzlich schuldunfähig. Um das zu klären, müsse sich ein Sachverständiger mit dem Fall befassen. Der werde dieselben Schlüsse ziehen, so der Verteidiger.  

Ein Gutachten muss her

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft zieht das Argument nicht. Der Besitzer des Kiosks habe berichtet, dass der Angeklagte an jenem Samstagnachmittag „zielgerichtet“ vorgegangen sei. Den Eindruck, die Messerattacke sei unkontrolliert und im Rausch begangen worden, habe dieser unmittelbare Zeuge jedenfalls nicht gehabt.

Richter Dietmar Adam und seine Schöffinnen mussten die Sache allerdings sorgfältig abwägen. Dafür ließen sie sich eine gute Viertelstunde Zeit. Mit diesem Ergebnis: Das Gericht sah „objektive Anhaltspunkte“, dass der Angeklagte nicht oder vermindert schuldfähig war, als er seinen Gegner mit dem Messer verletzte. Gesicherte Aussagen müssen von einem Spezialisten kommen.

Entsprechende Gutachter stehen allerdings nicht immer sofort zur Verfügung; der weitere Prozess wird sich um Wochen verzögern: Am Mittwoch, 7. Oktober, geht es weiter; Richter Adam geht aber davon aus, dass noch weitere Termine bis Anfang November erforderlich sind: Es gibt diverse Zeugen der Gewalttat am helllichten Tag, die zur Aufklärung etwas sagen können. Unter ihnen natürlich das Opfer der Messerattacke.

Auch die Familie von Yasser S. nahm am Mittwoch regen Anteil an dem Prozess in Opladen. Der Angeklagte ist inzwischen Vater geworden; das Baby durfte er sehen und mit seiner Partnerin sprechen, bevor er wieder nach Köln-Ossendorf gebracht wurde. Der 24-Jährige sitzt dort in Untersuchungshaft.