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A1 bei LeverkusenDialogversuch über den Autobahn-Ausbau in vergifteter Atmosphäre

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Leverkusener Rheinbrücke

Die Leverkusener Rheinbrücke soll im August gesperrt werden.

Leverkusen – Oben rum? Oder doch unten rum? Heftiger als bei der Autobahn-Planung können die Meinungen nicht aufeinander prallen.

Eine Woche einen schwelenden Streit unter Kontrolle zu halten – wie stellt man das an? Erst recht, wenn die eigene Neutralität ebenfalls in Frage gestellt wird? Andreas Hein entschied sich für den entspannten Ansatz.

Trotz der immensen Bedeutung seines Jobs: Der Abgesandte der Bezirksregierung muss sich mit seinem Stab eine Meinung über den Plan bilden, wie Straßen NRW „eine adäquate Verkehrsbeziehung zwischen Köln und Leverkusen herstellt“. So neutral nannte Hein das zum Schluss der Erörterungsrunde am Freitag.

Anders gesagt: Ist die von Straßen NRW favorisierte Lösung, den Rhein wieder mit einer Autobahnbrücke zu überwinden, sinnvoll? Oder wäre ein großer Tunnel die bessere Lösung? Bei den Straßenbauern ist zwar nur von einer Rheinbrücke die Rede. In den Unterlagen des Planfeststellungsverfahrens ist die soweit durchgeplant, dass ein positiver Bescheid der Bezirksregierung den Startschuss für den Bau bedeutet.

Aber davon muss sich Heins Mannschaft nicht beeindrucken lassen. Jedenfalls theoretisch nicht. „Wir denken jede Minute darüber nach, ob die die falsche Alternative gewählt haben“, sagte Hein mit Blick auf die aufgereihten Ingenieure.

Allerdings glauben selbst die größten Optimisten unter den Verfechtern der großen Tunnellösung für die A 1 nicht mehr daran, dass die Bezirksregierung den Brückenplan mit einem Federstrich zunichte machen könnte.

Erst recht nicht, weil es eine Gemeinsamkeit gibt zwischen Bezirksregierung und Straßen NRW: Beide unterstehen der Landesregierung. Viele der Bürger, die vom Bau einer neuen Autobahnbrücke betroffen sind, verfolgten daher eine andere Taktik: Den Straßenbauern mit Hilfe der Bezirksregierung möglichst viele Verbesserungen abzuringen.

Bruno Klais setzte sich zum Beispiel mit großer Ausdauer für die Radfahrer ein. Mit dem Abgesandten des Bürgervereins Merkenich hatte Hein Geduld. In anderen Fällen kam er auch schon mal an seine Grenzen. Etwa bei Erhard Schoofs. Hein schlug auf dem Podium einen scharfen Ton an, Schoofs brüllte.

Da ging es darum, ob Helmut Hesse überhaupt weiter an dem Erörterungstermin teilnehmen darf. Der erfahrene Gutachter kommt aus Hannover, ist mithin nicht direkt von den Plänen betroffen.

Aber der promovierte Ingenieur hat Mandate: vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Leverkusener Netzwerk gegen Lärm. Hein hatte das kurz aus den Augen verloren und drohte mit Ausschluss, weil Hesse neue Aspekte in die Debatte warf. Da ging es um den Einfluss des Brückenbaus auf den Schiffsverkehr. Kein Problem, hieß es in den Unterlagen von Straßen NRW. Hesse kam zu anderen Ergebnissen: Es sei realistisch, dass der Rhein „alle zwei Wochen für einen bis eineinhalb Tage gesperrt werden muss“. Von den Kollegen auf dem Podium erntete Hesse Gelächter. Das ging ihm an die Nieren – und brachte Schoofs auf die Palme.

Die Atmosphäre in der Mülheimer Stadthalle war vergiftet; in der nächsten Pause reichte der Mann von der Bezirksregierung seinem Gegenüber von der Bürgerliste erst einmal die Hand.

Die ernsthafte Friedensgeste musste sein. Mit spaßigen Bemerkungen war dem Ringen nicht jede Spitze zu nehmen. Aber viele: Als es um das Problem ging, Fußgängern und Radlern während der Bauzeit einen Weg über den Rhein zu erhalten, scherzte Hein: „Holen wir doch den Krokolino aus Weiß und machen eine schöne Fahrradfähre.“

Dann fiel ihm ein: „Ach nee, der Fährmann will ja in den Ruhestand. Das könnte knapp werden.“ Schließlich wird es trotz aller Beschleunigung viele Jahre dauern, bis die Doppelbrücke steht.

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