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AktionärstreffenMachtdemonstration von Biofronteras starkem Mann

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Die ehemalige Zentrale des Wuppermann-Stahlwerks in Manfort ist auch Sitz von Biofrontera. Blick auf die Besucherparkplätze der Firma

Auf der außerordentlichen Hauptversammlung von Biofrontera konnte Großaktionär Wilhelm Zours seine Macht ausbauen. 

Aufsichtsratschef Wilhelm Zours bleibt seiner Linie treu: Erneut schließt er auf einer Hauptversammlung den zweitgrößten Aktionär Maruho aus.

Für Aktionärsschützer Marc Tüngler war das Verhalten des Aufsichtsratschefs völlig unlogisch: „Entweder, Maruho ist hier zugelassen – immer. Oder Maruho ist hier nicht zugelassen – immer.“ Der Streit darüber, ob Biofronteras zweitgrößter Aktionär nun sein Stimmrecht ausüben kann oder nicht, bestimmte, wie berichtet, am Montag weite Teile der außerordentlichen Hauptversammlung im Forum. Aufsichtsrat Wilhelm Zours hatte mit seinem handstreichartigen Ausschluss der Japaner auf dem Aktionärstreffen im vorigen August nicht nur Empörung und Zweifel ausgelöst, sondern auch eine Klage: Das Pharma-Unternehmen sieht keinerlei Berechtigung für den Ausschluss. Die Frage wird in den kommenden Monaten vor Gericht ausgefochten. Nichts Besonderes, wenn es um Beschlüsse auf Biofrontera-Hauptversammlungen geht.

Am Montag entschied sich Zours am Ende für eine Mischform, für die Tüngler überhaupt kein Verständnis hatte: Als es um den Antrag ging, ihn als Versammlungsleiter abzuwählen, ließ Zours die Maruho-Stimmen „natürlich“ zu: Er wolle sich nicht dem Vorwurf aussetzen, befangen zu sein. Darüber, ob Maruho bei den ursprünglichen Tagesordnungspunkten mitstimmen kann, machte Zours bis zuletzt ein Geheimnis. Es könnte ja sein, so argumentierte er, dass die Japaner noch etwas vorbringen, das seine These widerlegt: Zours behauptet – dabei stützt er sich auf zwei Gutachten –, das japanische Pharma-Unternehmen sei in Wahrheit keine normale Aktien-, sondern eine Familiengesellschaft, in der nur eine Person das Sagen hat: Koichi Takagi. Das sei aber nicht mitgeteilt worden: ein Formfehler, der den Ausschluss rechtfertige.  

Wie abhängig ist Maruho?

Bei Maruho sieht man das völlig anders – aber auch am Montag setzte sich Zours durch. Dabei hätte Biofronteras größter Aktionär seine Ziele wohl auch erreicht, wenn Maruho immer mitgestimmt hätte: Nur 46,5 Prozent der Aktionäre unterstützten das Votum über Zours’ Abwahl als Versammlungsleiter. Ohne Maruho wären es allerdings nur 21,4 Prozent gewesen.

Koichi Takagi, Chef von Maruho, dem japanischen Großaktionär von Biofrontera, steht vor der Firmenzentrale

Koichi Takagi, Chef von Maruho, dem japanischen Großaktionär von Biofrontera

In ähnlichen Größenordnungen gingen dann am späteren Abend die anderen Voten aus: mit zwischen 21 und knapp 24 Prozent Gegenstimmen. Denn tatsächlich hatte Zours getan, was viele längst geahnt hatten: Maruho wurde wieder von den Abstimmungen ausgeschlossen. Somit gingen sowohl die Kapitalerhöhung als auch einschneidende Regeländerungen durch: Wieder kann Biofrontera für den Gegenwert von rund sieben Millionen Euro neue Aktien ausgeben. Und Änderungen im Aufsichtsrat bedürfen einer Mehrheit von 75 Prozent, was gegen die Stimmen von Wilhelm Zours’ Deutscher Balaton kaum machbar ist. Wer einen Aufsichtsrat abberufen oder das derzeit sechsköpfige Gremium erweitern will, braucht dafür künftig eine Dreiviertelmehrheit. Das Zours-Lager hält um die 30 Prozent der Anteile.

Aktionärsschützer Tüngler hält diese Regeln bekanntlich mindestens für bedenklich, wenn nicht falsch. Und die erneute Kapitalerhöhung, obwohl erst vorigen Herbst neue Aktien ausgegeben wurden? Tüngler fehlten schlagende Argumente vom Vorstand, „warum wir Ihnen wieder Geld geben sollen“. Die Mitteilung von Finanzchefin Pilar de la Huerta, das Unternehmen müsse die Kosten für die am Hemmelrather Weg zusammengeschraubte Infrarot-Lampe bis zu neun Monate vorfinanzieren und leide unter gestiegenen Kosten für die Teile, schien dem Interessenvertreter der Kleinaktionäre etwas dünn.  

Lübbert: Biofrontera braucht gar kein frisches Geld

Auch Biofrontera-Gründer Hermann Lübbert vermag den weiteren Finanzbedarf nicht zu erkennen. Der Chef der inzwischen selbständigen US-Niederlassung verwies auf noch im Januar anstehende Zahlungen der Biofrontera Inc. an die deutsche AG. Die sind bedeutend, denn das Geschäft in den USA stellt alles in den Schatten. Dazu komme: Biofrontera erwirtschafte inzwischen ein Plus – wenigstens vor Steuern und Abschreibungen. Die Zeiten, in denen Banken keine Kredite geben, um Betriebskosten vorzufinanzieren, seien vorbei.  

De la Huerta allerdings beharrte darauf, dass es absehbar eng werde: Schon im Frühjahr werde Biofrontera weniger als eine Million Euro auf dem Konto haben. Zu wenig, wenn allein 700.000 bis 800.000 Euro Gehälter anfallen. Was aber auch klar wurde: Die neuen Aktien, von denen sich das Zours-Lager absehbar einen erklecklichen Teil sichern wird, sollen auch dazu dienen, Hermann Lübberts Einfluss als Chef der Biofrontera Inc. weiter zu schmälern. Mit der Genehmigung, weiteres Kapital an der Börse zu beschaffen, hat Lübberts Gegenspieler Wilhelm Zours seine Macht in Manfort weiter ausgebaut.