Ein Gedenkbaum, der seit Jahren fehlt, soll zurückkehren: Im November 1988 wurde in Leverkusen im Rahmen der „Woche der Begegnung“ ein Baum für die ehemalige jüdische Gemeinde gepflanzt. Heute erinnert an ihn nur noch eine Plakette. Werktags ist sie von einem dort ansässigen Blumenstand umgeben. Nun soll der Erinnerungsort wieder sichtbar werden: Am Donnerstag, 19. November, wird in der City nahe dem Rathaus ein neuer Gedenkbaum gepflanzt. Das ist der Höhepunkt der Veranstaltungswoche „Jüdisches Leben sichtbar machen“, die der Freundeskreis Nof HaGalil-Leverkusen gemeinsam mit der Volkshochschule Leverkusen organisiert.
Von 1988 bis heute
Vom 6. bis 13. November 1988 fand in Leverkusen die damalige „Woche der Begegnung“ statt. Sie erinnerte an den 50. Jahrestag der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Ehemalige jüdische Bürgerinnen und Bürger Leverkusens sowie ihre Familien kamen damals aus verschiedenen Teilen der Welt in ihre frühere Heimatstadt zurück. Die Stadt stellte für die Begegnungswoche ein Budget von 200.000 D-Mark zur Verfügung. Der damals gepflanzte Baum sollte ein bleibendes Zeichen der Erinnerung sein.

Das Foto aus dem Leverkusener Stadtarchiv zeigt die Baumpflanzung am 11.11.1988.
Copyright: Freundeskreis Nof HaGalil-Leverk
Der Freundeskreis Nof HaGalil-Leverkusen engagiert sich neben der Pflege der Städtepartnerschaft mit der israelischen Stadt Nof HaGalil mit Projekten gegen Antisemitismus und für die Sichtbarmachung jüdischen Lebens. Aus diesem Anliegen entstand die Idee, den Gedenkbaum neu zu pflanzen und die Aktion mit einer Projektwoche zu verbinden. Die VHS Leverkusen setzt sich seit Jahrzehnten in der historisch-politischen Bildungsarbeit ein. Günter Hinken erinnert an die damalige Begegnungswoche als besonderes Erlebnis. Ein VHS-Leiter habe seinerzeit von der „besten Unterrichtsstunde in Zeitgeschichte“ gesprochen. Auch diesmal soll nicht nur zurückgeblickt werden. „Wir werden uns fragen, wie man 1988 erinnert hat. Wir werden an die Zeit des Nationalsozialismus erinnern und wir werden in die Gegenwart schauen“, sagt Günter Hinken.
Jüdisches Leben zwischen Geschichte und Gegenwart
Das Programm greift diesen Anspruch auf. Am Montag, 16. November, liest Laura Cazés aus ihrem Buch „Sicher sind wir nicht geblieben. Jüdischsein in Deutschland“. Am Mittwoch, 18. November, zeigt das Filmstudio im Forum den Film „Der Rhein fließt ins Mittelmeer“ des israelischen Regisseurs Offer Avnon. Er verbindet persönliche Familiengeschichte mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Im Anschluss ist ein Gespräch mit dem Regisseur geplant.
Eine weitere Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlagen Schülerinnen und Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums. Beim Zeitzeugengespräch am Donnerstag stellen sie ihr Stolperstein-Projekt für die jüdische Familie Heumann vor. Die Stolpersteine sollen am 27. Januar 2027 verlegt werden.
Das Programm im Überblick
Montag, 16. November, 18.30 Uhr: Lesung mit Laura Cazés: „Sicher sind wir nicht geblieben. Jüdischsein in Deutschland“, Forum Leverkusen.
Mittwoch, 18. November, 10 bis 12 Uhr: Schulvorstellung des Films „Der Rhein fließt ins Mittelmeer“ im Kommunalen Kino. Anmeldung erforderlich über E-Mail: koki-lev@posteo.de.
Mittwoch, 18. November, 18.30 Uhr: Filmvorführung mit anschließendem Gespräch mit Regisseur Offer Avnon, Filmstudio im Forum. Eintritt: sechs Euro.
Donnerstag, 19. November, 15 Uhr: Neupflanzung des Gedenkbaumes für die ehemalige jüdische Gemeinde, City Leverkusen, Nähe Rathaus.
Donnerstag, 19. November, 18 Uhr: Zeitzeugengespräch mit historischen Filmdokumenten und Vorstellung des Stolperstein-Projekts für die Familie Heumann durch Schülerinnen und Schüler des Lise-Meitner-Gymnasiums, Forum Leverkusen.


