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CityErinnerungsbaum der vertriebenen Leverkusener Juden soll nachgepflanzt werden

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Von Leverkusener Juden 1988 gepflantzter Baum fehlt. Bild: Ralf Krieger

Ein Baum, den vertriebene Leverkusener Juden 1988 gepflanzt hatten, fehlt zurzeit.

In der Leverkusener City fehlt ein wichtiger Baum mit einer Geschichte – er soll mit privatem Geld nachgepflanzt werden.

Der fünfte Kirschbaum in der Fußgängerzone in der Leverkusener City soll vor einigen Monaten einfach umgefallen sein; oft bauen die Händler eines holländischen Blumenstands gegenüber vom Rathaus ihre Auslagen um ihn herum. Jetzt soll ein neuer Baum gepflanzt werden.

Auf einem Foto von März ist der Baum schon nicht mehr zu finden. Was den Baum besonders macht, ist seine Geschichte, über die eine Inschrift in einem Metallschild informiert: „Diesen Baum pflanzten die aus Leverkusen vertriebenen Juden als bleibendes Andenken an die ehemalige jüdische Gemeinde in der Woche der Begegnung. November 1988“.

Leverkusen: Bürgerstiftung hat zugesagt

Zur damals „Woche der Begegnung“ genannten Gedenkwoche hatte die Stadt Leverkusen unter dem Oberbürgermeister Horst Henning eine Gruppe vertriebener jüdischer Ex-Leverkusener eingeladen, um mit ihnen gemeinsam den 50. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 zu begehen. Es gab in diesen Jahren noch eine Menge Zeit- und Augenzeugen der Nazi-Verbrechen, die aus mehreren Ländern für eine Woche in ihre alte Heimat eingeladen wurden.

Ein neuer Baum an der Stelle soll unbedingt gepflanzt werden. Da die Stadtverwaltung kein Geld mehr für Nachpflanzungen von Stadtbäumen locker macht, kümmert sich der Freundeskreis Nof-Hagalil darum. Nof-Hagalil ist aus dem alten Kreis der Freunde der Städtepartnerschaft Nazareth-Illith hervorgegangen, die schon vor 1988 existierte. Hans-Jörg Schäfer vom Vorstand des Freundeskreises sagt, inzwischen sei geregelt, dass die Bürgerstiftung Leverkusen Geld für den Kauf eines neuen Baums geben wolle. Die Bürgerstiftung ist eine Initiative der Stadt Leverkusen und der Sparkasse. Sie erhält etwa das Geld von Sparkassenkonten von Menschen, bei denen keine Erben ermittelt werden können, aber sie lebt auch von Spenden.

Auch der Baum, der jetzt nach der Aussage des Blumenhändlers einfach umgefallen sein soll, ist längst nicht mehr der originale Baum, den die Leverkusener Juden vor 38 Jahren gepflanzt hatten. Anhand alter Satellitenbilder lässt sich etwa nachvollziehen, dass die Kirschbaumreihe nach dem Bau der Rathaus-Galerie aus kleinen Bäumen bestanden hat. Vermutlich wurde das Original spätestens zugunsten der Baustelle der Einkaufsmall abgesägt und danach nachgepflanzt. Ob der symbolhafte Baum zwischenzeitlich nochmal nachgepflanzt werden musste, lässt sich nicht nachprüfen, genauso, weshalb er überhaupt eingegangen ist. Der neue Baum soll im Herbst oder Winter gepflanzt werden.

Aus Anlass des wichtigen Besuchs in der Woche der Begegnung 1988 benannte man den Platz an der Altstadtstraße Ecke Lessingstraße, an dem die Opladener Synagoge gestanden hat, in „Platz der Synagoge“ um. Zum 9. November 1988, dem Jahrestag der Pogrome, hielt unter anderem der betagte William Stern eine Rede, der 1939 aus Leverkusen nach London geflüchtet war.

In der Woche machten die Gäste Ausflüge, der Geschichtsverein zeigte eine Ausstellung, die ehemaligen Leverkusener konnten sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen, es gab eine große Demonstration gegen Rechtsextremismus. Und der Baum wurde gepflanzt.

Nof-Hagalil ist der Name, den die Stadt Nazareth-Illith seit 2019 trägt. Ehemals als reiner Städtepartnerschafts-Verein gegründet, engagiert sich der Freundeskreis heute auch verstärkt gegen Antisemitismus. Das nächste Treffen des Freundeskreises ist für den 18. Juni um 19 Uhr in der Musikschule in Wiesdorf angesetzt und offen für alle Interessenten.