Leverkusen – Die Babys liegen glucksend auf den weichen Matten, die Mütter haben Zeit sich zu Problemen nach der Geburt auszutauschen: Im Rheindorfer Laden finden Menschen Beratung und Hilfe bei Problemen.
Seit 2006 gibt es die Anlaufstelle im Rheindorfer Zentrum. Die Idee: Alle Angebote zu vernetzen. Wer Schulden hat, erhält hier genauso eine Beratung wie jemand, der Kontakt zu anderen frisch gebackenen Eltern sucht oder wer nach Deutschland gezogen ist und nun Hilfe bei Fragen zu Asyl, Einbürgerung oder Sprachkursen sucht.
Koordinieren ist hier das Zauberwort. Der Mann, der hier den Überblick behält und bei dem alle Fäden zusammenlaufen ist Brendan Rau. Der 63-Jährige arbeitet seit 16 Jahren im Rheindorfer Laden. Studiert hat er zunächst Musik und später Soziale Arbeit. Daher ist Rau auch mit der Hälfte seiner Stelle im Rheindorfer Jugendhaus im Musikbereich tätig. Ihm ist wichtig, dass bei allen Angebote die Hemmschwelle so niedrig wie möglich sein soll. „So soll es sein: man geht einkaufen, öffnet die Tür und schon ist man da.“
Die Tür steht sprichwörtlich jedem auf, große Fenster geben den Blick auf eine Spielecke, ein Bällebad, aber auch einen großen Frühstückstisch frei.
Online-Kommunikation hat Grenzen
Corona habe natürlich „eingeschlagen“, sagt Rau. In den beiden Jahren zuvor wurde der Laden umgebaut, sie mussten gleichzeitig umziehen und die Angebote aufrechterhalten, dann, als sie frisch in die neuen Räumlichkeiten am Königsberger Platz 13 eingezogen sind, kam die Pandemie.
Elternfrühstück gab es auf einmal nur über Zoom, man tauschte sich in Whatsapp-Gruppen aus, Bastelfoto wurden auf Instagram gepostet. Es habe funktioniert, „aber es hat auch Grenzen“. Was Brendan Rau auf jeden Fall feststellt: Nach zwei Jahren Pandemie ist der Beratungsbedarf sehr hoch, egal ob es um finanzielle oder erzieherische Hilfe geht. Leute hätten ihren Job verloren oder wären in Kurzarbeit, Familien hätten „intensiv aufeinander gehockt“, Eltern seien zu Hilfslehrern geworden.
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Mittlerweile sei das normale Leben „größtenteils zurückgekehrt“, die Kurse oder Angebote finden vor Ort statt. „Der Hunger nach Gemeinschaft war riesengroß“, sagt Rau. „Dann müssen wir schon einmal Mütter mit Kindern auf das Elternfrühstück in der nächsten Woche vertrösten, einfach damit jeder mal drankommt.“
Hilfe für Ukrainerinnen und Ukrainer
Nun bereitet sich der 63-jährige Quettinger darauf vor, Geflüchteten aus der Ukraine zu helfen. Eine Anfrage, ob sie Kinderwagen für eine ukrainische Familie hätten, gab es bereits. Der Runde Tisch, an dem sich alle Organisationen und Initiativen bereits 2015 während der so genannten Flüchtlingswelle zusammengefunden haben, soll reaktiviert werden.
Brendan Rau überlegt, ob man nicht ein Café für Menschen aus der Ukraine anbieten könne, um zu zeigen, dass man helfen kann, das seien aber bislang nur Überlegungen. Um auf Kinder und Jugendliche zuzugehen, wird am 21. März um 18 Uhr eine Diskussionsrunde im Jugendhaus organisiert. Hier finden die Teenager eine Anlaufstelle, um über Ängste, die der Ukraine-Krieg in ihnen auslöst, zu sprechen.
Das sind die Angebote
Der Rheindorfer Laden wird von der Katholischen Jugendagentur Leverkusen/Rhein-Berg, der Caritas und der Stadt Leverkusen getragen. Die Zielgruppe sind junge Familien. Es gibt Elternfrühstücke, Nähtage, Bastelangebote für Kinder, Hausaufgabenhilfe, Schuldnerberatung, Beratung für Migrantinnen und Migranten und eine allgemeine Sozialberatung. Eine Familienhebamme macht Hausbesuche, das Projekt „Wellcome“ vermittelt Freiwillige, die junge Eltern für einige Stunden entlasten. Neu ist das Projekt „Babylotse“. Hier sollen geschulte Mitarbeitenden des Kinderschutzbundes direkt nach der Geburt im Klinikum Kontakt zu jungen Familien aufnehmen und auf möglicher Hilfsangebote aufmerksam machen. Weitere Standorte gibt es in Manfort, Alkenrath, Opladen, Steinbüchel, Wiesdorf. In diesem Jahr soll auch ein neuer Standort in Hitdorf eröffnen.
Anmeldungen für das Elternfrühstück und das Offene Café nimmt Julia Schlömer unter der Telefonnummer 0172-24 91 715 oder per E-Mail an info@rheindorfer-laden.de entgegen. Für die Familiensprechstunde ist Psychologin Daniela Ahrens-Gieseking montags von 11.45 bis 13 Uhr unter der Nummer 0162/27 31 115 zu erreichen.



