Es ging ja kaum anders: Nachdem die Oma der Geschädigten am Freitag klargemacht hatte, dass Bogdan B. (Name geändert) schon Mitte Juni 2025 wusste, dass seine Freundin erst 13 Jahre alt ist, machte sich der Angeklagte am Montag ehrlich. Ja, er habe das gewusst und auch zur Kenntnis genommen. Und danach versucht, Abstand zu halten. „Ich habe sie gefragt, ob das stimmt mit dem Alter.“ Das Mädchen habe das bejaht „und angefangen zu weinen“. Es sei ihm schon klar gewesen, dass eine sexuelle Beziehung mit einer 13-Jährigen verboten ist. „Ich wollte eine Pause“, beschrieb er vor dem Kölner Landgericht die Situation im Sommer vorigen Jahres.
Sein Problem: Die Freundin habe keine Ruhe gelassen; „es gab keine Minute, wo sie nicht geschrieben hat“. Zwei, drei Wochen habe er das durchgehalten und nicht geantwortet. Danach habe er die Mutter kontaktiert – die habe sich abweisend verhalten. Daraufhin habe er es beim Vater versucht, sich mit ihm sogar treffen können. „Wir haben was getrunken und Gras geraucht“, beschrieb er vor der 2. Großen Strafkammer diese Begegnung in Opladen. Danach habe er „gedacht, dass das in Ordnung ist“ mit dem allzu jungen Mädchen.
Sie durften nur keinen Sex mit ihr haben.
War es aber noch nicht mal aus Sicht des Vaters, wie sich später herausstellte. Aus juristischer Sicht sowieso nicht, fasst der Vorsitzende Richter Christoph Kaufmann noch einmal zusammen: „Sie durften eine Beziehung haben. Sie durften mit ihr abhängen. Sie durften nur keinen Sex mit ihr haben.“
Bisher hatte der Mann aus Skopje behauptet, bis zu ihrem Geburtstag Ende September nicht gewusst zu haben, dass seine Freundin erst 13 ist und nicht, wie sie vorher behauptet, hatte, 19 Jahre alt. Und Sex habe er auch nicht mit ihr gehabt. Die Whatsapp-Nachrichten der Großmutter haben das Gegenteil bewiesen – jetzt verfolgt der Angeklagte eine andere Aussagetaktik: Ja, es habe Sex gegeben, solange sie noch keine 14 Jahre alt war. Aber er habe geglaubt, dass das Mädchen sowieso schon schwanger ist. Und nach der Pause im Sommer einfach weitergemacht. Dass er eine Familie mit ihr gründen und sich so die Basis für eine Existenz in Deutschland schaffen wollte – das habe seine Freundin mitgetragen. „Wir wollten eine gemeinsame Zukunft haben“, so Bogdan B.
Vaterschaft biologisch erwiesen
Tatsächlich lässt sich das Datum der Zeugung nachweisen: Es war der 5. August 2025. Die Schwangerschaft wurde am 16. September von einem Leverkusener Arzt bescheinigt – drei Tage, bevor das Mädchen 14 Jahre alt wurde. Dass Bogdan B. der Vater ist, steht außer Zweifel: Im entsprechenden Gutachten der Kölner Uniklinik ist von mehr als 99,99 Prozent Wahrscheinlichkeit die Rede; die Ärzte sprechen von einer „praktisch erwiesenen biologischen Vaterschaft“.
Den letzten Prozesstag vor Plädoyers und Urteil nutzte Bogdan B., um seine Lebensgeschichte zu erzählen. In Wirklichkeit sei er nicht am 1. Januar 1995 geboren, sondern am 12. April 2000. Seine Mutter habe er kaum gekannt; die sei ein halbes Jahr nach seiner Geburt gegangen, weil sie es mit dem trinkenden und gewalttätigen Vater nicht mehr aushielt. Sein drei Jahre älterer Bruder sei „mit sieben oder acht“ verschwunden, aufgezogen habe ihn eigentlich die Oma.
Wegen Asylantrag machte er sich fünf Jahre älter
In Nordmazedonien habe er keine Zukunft mehr für sich gesehen, nachdem seine Bezugspersonen geflohen oder gestorben seien. Mit 15 habe er von dem Geld, das er bei der Waldarbeit verdiente, einen Schlepper bezahlt. Zunächst sei er nur bis Ungarn gekommen, wo er Asyl beantragte. Dazu musste er sich fünf Jahre älter machen. Im dritten Versuch habe er es mit dem Zug nach Deutschland geschafft, wo sein Onkel wohnt: an der Hamberger Straße in Leverkusen. Zunächst aber sei er „von Heim zu Heim geschoben“ worden.
In einer Unterkunft habe er dann den Mann kennengelernt, der ihn zu einem Raub überredete: Für die Tat ging Bogdan B. im April 2017 für knapp acht Jahre ins Gefängnis. Die Zeit, meint er, habe er ganz gut genutzt. Passabel Deutsch gelernt und gearbeitet: „Da hab’ ich mich wie ein Mensch gefühlt.“ Nur seine Bemühungen um einen Ausbildungsplatz hatten keinen Erfolg.
Die Begegnung mit dem Mädchen in Opladen sei ihm dann wie die Chance zu einem Neustart vorgekommen. In Mazedonien hatte er schon mal eine Beziehung, aus der mindestens eine Tochter hervorgegangen ist. Wie alt war Bogdan B., als er zum ersten Mal Vater wurde? 13 Jahre.

