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InfoveranstaltungLeverkusener äußern Bedenken zu Parkplatz-Plänen rund um den Stelzenausbau

6 min
Die Parkplätze unter der Stelze fallen während der Bauzeit weg, über Ersatz wird derzeit diskutiert.

Die Parkplätze unter der Stelze fallen während der Bauzeit weg, über Ersatz wird derzeit diskutiert.

Durch den A1-Ausbau im Stadtgebiet stehen Leverkusen massive Veränderungen bevor.

Immer mal wieder gelangt die Diskussion am Dienstagabend im Agam-Saal an denselben Punkt: Die Pläne der Autobahn GmbH sind nicht Teil der Infoveranstaltung. Die Behörde hat keinen Vertreter und keine Vertreterin nach Leverkusen geschickt, um die Fragen der gut 50 Menschen zu beantworten, die ins Forum gekommen sind.

Dabei geht es um massive Umwälzungen, die Leverkusen bevorstehen, ausgelöst durch die A1-Ausbaupläne der Autobahn GmbH. Die Verbreiterung der Stelze hat nämlich Auswirkungen auf die unmittelbare Umgebung. Sowohl auf Anwohnerinnen und Anwohner als auch auf die Sportanlagen nebenan. Denn: Durch den Ausbau fallen die Parkplätze unter der Stelze weg, die Bayer 04 Leverkusen an Spieltagen unter anderem für VIPs und Medienvertreter nutzt. Deshalb hat der Klub bei der Stadt einen Antrag auf ein Bebauungsplanverfahren gestellt, um alternative Parkflächen zu schaffen.

Durch den Ausbau der Stelze rückt die Autobahn näher an den Sportplatz heran. Das wird Auswirkungen auf die umliegenden Trainingsflächen haben.

Durch den Ausbau der Stelze rückt die Autobahn näher an den Sportplatz heran. Das wird Auswirkungen auf die umliegenden Trainingsflächen haben.

Wo diese errichtet werden sollen, ist derzeit Gegenstand der Diskussion und am Ende des „Bebauungsplans Nr. 284/I+II Küppersteg Wiesdorf – südlich der BAB 1, östlich Tannenbergstraße, nördlich Dhünn sowie südlich Dhünn, nordwestlich der Realschule am Stadtpark“.

Die Variante, die Bayer 04 bevorzugt, ist eine „temporäre Parkplatzlösung“, wie es genannt wird: ebenerdige Stellplätze an der Westseite des Stadions auf den Flächen des SC Leverkusen und auf dem Bayer-04-Trainingsgelände. Der SC müsste dann auf die ehemalige Sportfläche des BV Wiesdorf südlich der Dhünn ausweichen. Wenn das gesamte Autobahnprojekt, für das es noch keinen konkreten Zeitrahmen gibt, fertig ist, sollen die Parkplätze im Anschluss wieder zurückgebaut und die Flächen für „Sport und Freizeitnutzung“ umgestaltet werden, so ein Planer des beauftragten Büros ISR. Variante zwei sieht ein Parkhaus auf den Bayer-04-Trainingsplätzen vor, fünfgeschossig mit Platz für rund 1500 Autos. Das Parkhaus würde auch nach dem Autobahnausbau erhalten bleiben.

Jan Roth vom Planungsbüro ISR fasst am Dienstagabend die Vor- und Nachteile aus seiner Sicht kurz zusammen: Für das Parkhaus benötige man insgesamt weniger Fläche und der SC Leverkusen müsste nicht umziehen. Dafür sei der Eingriff dauerhaft. Die temporären Parkplätze benötigen mehr Fläche, erfordern den Umzug des SC, würden aber wieder zurückgebaut und die Flächen könnten wieder genutzt werden, um zu entsiegeln und Grün anzulegen.

Die anwesenden Bürgerinnen und Bürger begegneten Teilen der Planung mit Skepsis. Die meistdiskutierten Bedenken im Überblick.

Die Kosten

Die Kosten für das Bebauungsplanverfahren trägt Bayer 04 Leverkusen. Das ist klar. Unklar ist allerdings, wer den Rest zahlt. Stefan Karl, Leiter des Stadtplanungsamts, sagt, dass die Flächen unter der Autobahn der Kommune gehören. Deshalb sei das Ganze nicht nur ein Problem von Bayer 04. Schließlich nutzten Menschen die Parkplätze das ganze Jahr über. Und das soll auch für die Alternativen gelten. Dennoch werde man Gespräche mit dem Klub führen, auch wenn es nicht automatisch eine Verpflichtung für eine Kostenübernahme gebe. Ob die Autobahn GmbH die Kosten tragen wird, ist auch noch offen. Auch wer den möglichen Umzug des SC Leverkusen bezahlt, ist noch nicht klar.

In einer Mitteilung im Ratsinformationssystem teilt die Stadt auf eine SPD-Anfrage hin mit: „Eine Kostenverteilung zwischen den Anliegern der Stelze, der Stadt sowie der Autobahn GmbH ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht Gegenstand konkreter Abstimmungen und entsprechend noch nicht festgelegt worden.“ Auch hier sei man abhängig von den Plänen der Autobahn GmbH. Weiter heißt es zum SC-Umzug: „Eine Übernahme der Kosten für die Standortverlegung der Sportplatzanlage durch die Bayer 04 Fußball GmbH ist durch den SPL angestrebt und wird weiterhin Teil der Vertragsverhandlungen sein, die sich aus den jeweiligen Planungsvarianten ergeben. Denkbar ist hier ebenfalls eine Regelung durch einen städtebaulichen oder Erschließungsvertrag.“

Eine Variante sieht vor, dass der SC Leverkusen auf den ehemaligen Sportplatz des BV Wiesdorf umzieht.

Eine Variante sieht vor, dass der SC Leverkusen auf den ehemaligen Sportplatz des BV Wiesdorf umzieht.

Der Zustand nach dem Autobahnausbau

Bedenken kamen aus dem Zuschauerraum in Bezug auf Variante 1 dazu, dass unter der neuen, verbreiterten Stelze tatsächlich wieder Parkplätze entstehen. Und auch Stefan Karl, Leiter Stadtplanung, musste konstatieren: Was das Parken unter der Stelze nach dem Ausbau angehe, wisse man noch nichts. Die Sorge aus der Zuhörerschaft: Sollten die Parkplätze nicht wieder unter der Stelze errichtet werden, hätte man bei der Variante plötzlich Probleme damit, wo die Autos hin sollen. Denn – das bekräftigten die Planer mehrfach – man würde im B-Plan rechtssicher festlegen, die ebenerdigen Parkplätze auf jeden Fall zurückzubauen. Angaben dazu gibt es von der Autobahn GmbH nicht.

Die Variante 0

Es gab auch Stimmen aus dem Publikum, die verlauten ließen, nichts zu tun. Warum solle man den Klub, der sich nicht an den Protesten der Stadtgesellschaft gegen die Megastelze beteiligt habe, jetzt unterstützen, fragte ein Anwohner. Ein anderer schlug vor, dass die Fußballer nach Düsseldorf ausweichen könnten. Dem erteilte Stefan Karl eine klare Absage. Denn auch aus städtebaulicher Sicht werde sich durch die Baustelle etwas tun, nicht nur in Bezug auf Bayer 04: „Wir werden eine Baustelle haben, die Probleme auslöst.“ Als Stadt müsse man eine Lösung finden.

Die Dhünnbrücke und die Erschließung

Dazu gab es von den Planern und der Stadt klare Aussagen: Man werde im Bebauungsplan rechtlich und verbindlich festlegen, dass die Dhünnbrücke erhalten bleibt und weiterhin nur von Radfahrerinnen und Radfahrern sowie Fußgängerinnen und Fußgängern genutzt wird. Denn die Erschließung des Gebiets solle ausschließlich von Norden erfolgen. Also nicht durch den Stadtpark und nicht zum Nachteil der Dampfbahn. Entsprechende Sorgen äußerten einige der Anwesenden am Dienstag. Die Erschließung aus Richtung Norden habe zur Folge, dass die Sportlerinnen und Sportler die letzten paar hundert Meter zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen müssten.

Das Sportgelände des BV Wiesdorf

Sollte der SC Leverkusen umziehen müssen, soll er auf der Fläche des ehemaligen BV Wiesdorf südlich der Dhünn ein neues Zuhause finden. Diese Fläche liegt allerdings im Landschaftsschutzgebiet, wie die Verwaltung am Dienstag bestätigt. „Um Naturschutzbelange und andere erforderliche Beurteilungsgrundlagen fundiert zu erheben, dient die Frühzeitige Beteiligung, die Gegenstand der derzeitigen Beschlussvorlage ist“, schreibt dazu die Stadt. Stellungnahmen und Anregungen sollen dann ins Konzept einfließen. Sollte am Ende des Verfahrens nach Abwägung und entsprechendem Beschluss der Bebauungsplan dann stehen, gilt: „Bauanträge, die dem somit (neu) gesetzten Baurecht entsprechen, haben einen Rechtsanspruch auf Genehmigung.“ Heißt: Das Baurecht hat dann vor dem Landschaftsschutz Vorrang.

Der Dhünnradweg

Auch hier gibt es eine klare Antwort der Planer: Der Radweg sei von den Planungen nicht betroffen und werde in aktueller Weise bestehen bleiben.


Unterlagen einsehbar

Mit der Infoveranstaltung hat der formelle Akt der frühzeitigen öffentlichen Beteiligung begonnen. Bürgerinnen und Bürger können sich die Unterlagen ab sofort bis zum 2. Oktober anschauen und Stellungnahmen abgeben. Zu finden sind die Pläne online sowie als Aushang im Elberfelder Haus, Hauptstraße 101, in der Wartezone im Erdgeschoss. Geöffnet ist die Verwaltungssstelle montags bis donnerstags von 8.30 bis 15.30 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 13.30 Uhr. Ansprechpartner bei der Stadt ist Karsten Kaiser (0214/4066171, karsten.kaiser@stadt.leverkusen.de). (nip)