Opladen Plus und die Linke versuchten, die Bezirksvertretung auf eine gemeinsame Linie gegen den Abriss des historischen Doppelhauses zu bringen.
Altbauten vor AbrissOpladener Bezirksvertreter debattieren leidenschaftlich über Schillerstraße

Diese beiden Gründerzeitvillen an der Schillerstraße will der Gemeinnützige Bauverein Opladen im Sommer abreißen.
Copyright: Peter Seidel
Die Debatte über die Tagesordnungspunkte 25.1 und 25.2 in der Sitzung der Bezirksvertretung II am Dienstagabend dürfte schon jetzt als eine der längsten des Jahres 2026 feststehen. Zu diskutieren waren zwei Anträge von Opladen Plus und der Linken, beide mit dem Ziel, den Eigentümer Gemeinnütziger Opladener Bauverein (GBO) vom Abriss seines Gründerzeit-Doppelhauses Schillerstraße 4 und 6 abzuhalten.
Zu Beginn schüttete Daniel Frensch für Opladen Plus ein wenig Asche auf sein Haupt. Seine Fraktion hatte in der Begründung ihres Antrags behauptet, den Mietern sei wegen des bevorstehenden Abrisses gekündigt worden. „Wir wollen hier keine Unwahrheiten verbreiten“, so Frensch. Tatsächlich hatte ein Mieter dem „Leverkusener Anzeiger“ gesagt, er habe von sich aus den Mietvertrag gekündigt.
Doch in der Sache trat Frensch dann vehement für den Erhalt der historischen Wohngebäude ein. „Das Haus strahlt Identität aus; das schöne alte Opladen, das leider an vielen Stellen verloren ist. An der Stelle darf die Wirtschaftlichkeit nicht Vorrang haben vor diesem Stück Opladener Identität“, so der Opladen-Plus-Mann. Und weiter: „Die alte Bausubstanz ist uns wichtiger als zusätzlicher Wohnraum.“
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Björn Boos, der in Vertretung für den erkrankten Simon Hans Kappes an der Sitzung teilnahm, sagte: „Dass der GBO die Häuser nun abreißen will, ist für viele Menschen gleichbedeutend mit einem Wortbruch.“ Im Februar 2021 hatte der GBO nach einem einstimmigen Votum der Bezirksvertretung für den Erhalt der Gründerzeitvillen erklärt: „Der Bauverein Opladen wird einem Erhalt der Gründerzeitvilla in der Schillerstraße 4–6 nicht im Wege stehen.“ Zusätzlich kündigte der GBO an, seine Haushälfte (die Nummer 6) verkaufen zu wollen. Doch dazu kam es nie.
Die Linke schlug nun vor, dem GBO einen Grundstückstausch anzubieten, damit die alten Häuser erhalten und der Bauverein sein Neubauprojekt an anderer Stelle umsetzen könnte.
Unterstützung für den Vorstoß von Opladen Plus kam von der SPD. Sebastian Kocks berichtete, dass die Partei von vielen Bürgern kontaktiert wurde, „denen es wichtig ist, dass das Haus erhalten bleibt“. Damit vertreten die Opladener Sozialdemokraten allerdings offenbar eine andere Haltung als der Fraktionschef ihrer Partei im Stadtrat, Dirk Löb. Der sitze im Aufsichtsrat des GBO, so Matthias Itzwerth (CDU). Und der Aufsichtsrat werde das Neubauprojekt ja schließlich genehmigt haben.
Für die CDU gestand Benedict Reuß zwar zu, dass es um ein Gebäude gehe, das ein Stück von Opladen sei. Aber bei der Petition der Gruppierung Opladen Plus fehle ihm der konstruktive Ansatz: „Auf 30 Wohnungen zu verzichten (‚falls die historischen Gebäude erhalten bleiben, Red.), die wir dringend brauchen, wird für mich schwer zu argumentieren.“ Reuß wie Itzwerth betonten, die CDU wolle dem GBO Unterstützung bei seinem Bauprojekt an der Schillerstraße/Im Hederichsfeld zusagen. Wie die CDU sprach sich auch Dirk Danlowski für die Grünen für den Abriss aus. „Warum ist denn kein Opladener gekommen, der das Gebäude kaufen wollte?“, wollte Danlowski wissen.
Benedikt Rees von der Klimaliste, der beratend an den Sitzungen der Bezirksvertretung II teilnimmt, wies darauf hin, dass es für GBO-Mieter nach Abriss und Neubau aus seiner Sicht teurer werde. „Die Mieter wohnen in GBO-Wohnungen zu günstigen Mieten. Die werden nach dem Neubau nie wieder so günstig sein.“ Auch Rees lobte das alte Wohnhaus: „So ein Schmuckstück hat man nicht mehr sehr oft in Leverkusen.“
Dirk Baumeister, Leiter der Bauaufsicht in der Stadtverwaltung, berichtete, der Landschaftsverband Rheinland habe Mitte der 1980er-Jahre festgestellt, dass das Gebäude nicht denkmalwürdig sei. Deshalb steht es nicht auf der Liste der Baudenkmäler der Stadt. Zum weiteren Procedere teilte er mit, dass es rechtlich keine Handhabe gebe, den vom GBO für den Sommer angekündigten Abriss zu verhindern. Baumeister: „Dem stehen keine öffentlich-rechtlichen Belange entgegen.“
Nach 45-minütiger Debatte stimmte neben dem Antragsteller nur die SPD für die Petition von Opladen Plus zum Erhalt der Gründerzeithäuser. Der Antrag der Linken fand bei den anderen Vertretern in der Bezirksvertretung keinerlei Rückhalt.
