Für Wilhelm Zours, den größten Aktionär und Chef des Aufsichtsrats beim Ameluz-Hersteller, sind die „Aussichten so gut wie lange nicht mehr“.
HauptversammlungBiofronteras Aktionäre in Leverkusen sprechen mal nur übers Geschäft

Recht ruhig ging es auf der Hauptversammlung von Biofrontera im Forum zu. Der Agamsaal war bei weitem nicht gefüllt.
Copyright: Thomas Käding
Ob sich Biofrontera wirklich „in der letzten Szene des Trauerspiels“ aus ewigen, die Pharma-Firma lähmenden Streitigkeiten befindet? Aufsichtsratschef Wilhelm Zours sieht das jedenfalls so. Aus Sicht des mittlerweile weitaus größten Aktionärs des Unternehmens vom Hemmelrather Weg sind jetzt fast alle Konflikte befriedet.
Das Verhältnis zum seit bald zwei Jahren gänzlich unabhängigen US-Ableger, der Biofrontera Inc., habe sich „normalisiert“, sagt Zours am Dienstag auf der Hauptversammlung der Aktiengesellschaft. Man habe die grundsätzlichen Konflikte beigelegt und sich einen gewissen Einfluss gesichert: Die Leverkusener AG dürfe jetzt ein Mitglied der Führungsriege der Inc. in Woburn bei Boston benennen. Dem liege die gegenseitige Einsicht zugrunde, dass „allein niemand Erfolg haben wird“, so Zours im Agamsal des Forums.
Leverkusen: Vorstände sollen nicht entlastet werden
Der ist am Dienstag nicht nur ungewöhnlich schütter besetzt – es geht auch ungewöhnlich friedlich zu. Dabei stehen Abstimmungen an, die normalerweise erheblichen Konfliktstoff bergen: Die Vorstände, die vor Zours‘ über viele Jahre erkämpfter Übernahme der Kontrolle bei Biofrontera das Sagen hatten, sollen nicht entlastet werden, ist ein Vorschlag. Gleiches gilt für die Aufsichtsräte der Ära vor Zours.
Beide werden am Ende abgesegnet: Jeweils mehr als 60 Prozent der Aktionäre sind der Auffassung, dass zum Beispiel Biofronteras Gründer Hermann Lübbert die Entlastung für das Jahr 2021 zu verweigern sei. Das gilt auch für die beiden nacheinander amtierenden Finanzvorständen Thomas Schaffer und Ludwig Lutter. Letzterer war im vorigen August fristlos entlassen worden. Der Manager klagt dagegen vor dem Arbeitsgericht.
Maruho soll ein normaler Geschäftspartner werden
Diese Klage sei eine der wenigen, die derzeit noch anstehen, berichtet Zours auf Anfrage eines Aktionärs. Auch mit dem zweitgrößten Anteilseigner Maruho habe man sich gerade geeinigt. Das japanische Unternehmen, mit dem Biofrontera in der Ära Lübbert eng zusammengearbeitet hatte und mit dem weiterhin eine Vereinbarung besteht, das Hautkrebsmittel Ameluz irgendwann in Asien als Präparat gegen Akne zu vertreiben, war von Zours zuletzt auf einer Hauptversammlung ausgeschlossen worden. Gegen diese handstreichartige Aktion hatte Maruho geklagt. Mit dem erzielten Vergleich können offenbar beide Seiten leben. Dieser Eindruck entsteht jedenfalls am Dienstag.
Tatsächlich geht es ausnahmsweise recht ausführlich ums Geschäft. Pilar de la Huerta, die seit dem vorigen Spätsommer die Geschäfte bei Biofrontera verantwortet, muss mit Vergleichen allerdings sparsam umgehen: Weil 2022 das erste Geschäftsjahr war, für das die Leverkusener AG und die amerikanische Abspaltung getrennte Bilanzen ausweisen, lassen sich aus den Zahlen kaum Aussagen über die Geschäftsentwicklung ablesen.
Corona hat Biofrontera zwei Jahre gekostet
Klar ist aber: Der Ameluz-Hersteller fasst nur langsam wieder Tritt. „Wir haben durch Corona zwei Jahre verloren“, sagt Aufsichtsrat Zours, der inzwischen 40 Prozent der Aktien kontrolliert. Diese Zeit sei so schnell nicht aufzuholen. In diesem Jahr immerhin erwarte man einen Umsatzsprung von etwa 30 Prozent. Das sollten auch die Kollegen in den USA hinbekommen, ist die Hoffnung. Operativ soll Biofrontera verlässlich Geld verdienen. Erwartet werde ein Vorsteuer-Ergebnis von zwei bis vier Millionen Euro – in Deutschland.
Dass Biofrontera trotzdem bei den Anlegern keine Fantasien mehr anregt, gehört allerdings auch zur Wahrheit: Der Börsenkurs liegt am Dienstag bei rund 90 Cent, in den Tagen davor war er noch niedriger. So eine Notierung könnte dem Unternehmen noch große Problem bescheren: Die eigentlich beschlossene Kapitalerhöhung werde „so nicht klappen“, räumt Zours ein: Wer gebe schon einen Euro für eine neue Aktie aus, wenn der Kurs viel tiefer liege.
Einen Ausweg aus diesem Dilemma macht die Mehrheit auch frei: Biofronteras Führung wird ermächtigt, frisches Geld auch auf anderen Wegen zu beschaffen. Denn so viel ist sicher: Die angestrebte Expansion nach Frankreich, Italien und in die Niederlande kann das Unternehmen ohne weitere Kapitalspritzen nicht stemmen. Klappt das nicht, droht ein ganz anders Trauerspiel.
