Im Prozess um Geldwäsche hat ein Kfz-Sachverständiger das Wort. Unter die Lupe genommen werden Deals aus der Vergangenheit.
Prozess um GeldwäscheDas ansteckende Autofieber der Großfamilie aus Leverkusen

Am 14. März 2018 wurden diverse Luxuskarossen am Haus in der Von-Ketteler-Straße beschlagnahmt, unter anderem ein Porsche-Cabrio. Das Gebäude soll der Bauunternehmer aus Bergisch Gladbach mit Geld der Großfamilie erworben haben.
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Auch im zweiten Versuch gestaltet sich die Wahrheitssuche sehr zäh: Im Prozess um Geldwäsche und Betrug, in den neben Mitgliedern der Leverkusener Großfamilie auch ein Unternehmer aus Bergisch Gladbach im Fokus der Justiz steht, passierte am Donnerstag zunächst nicht viel. Der Unternehmer, dem vorgeworfen wird, mit Geld aus großen Betrügereien von Michael G. Immobilien erworben und Millionenbeträge auf diese Weise gewaschen zu haben, zog seine Ankündigung zurück, sich zu äußern.
Auf Anregung seines Anwalts Markus Bündgens wurde dann in einem Rechtsgespräch erörtert, wie denn überhaupt die Beschlüsse des Bundesgerichtshofs zu deuten sind. Das höchste Gericht hatte sich nach dem ersten Urteil in der Sache – es stammt aus dem Herbst 2019 – auf Antrag von Verteidigung und Staatsanwalt nochmals mit dem Prozess befasst. Ergebnis: Das Verfahren muss von einer anderen Großen Strafkammer am Kölner Landgericht in Teilen neu aufgerollt werden. Das geschieht seit voriger Woche.
Autos für Hunderttausende
Unter die Lupe genommen werden Deals aus der Vergangenheit: der Kauf des Hauses in der Von-Ketteler-Straße in Bürrig. Dort lebt ein Teil des Clans, so auch Michael G., der 2019 zu acht Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Außerdem derjenige seiner Söhne, dem das Gericht vor knapp sechseinhalb Jahren aufgab, 100 Stunden Sozialarbeit zu leisten. Er war zur Zeit des ersten Prozesses 19 Jahre alt.
Dann geht es noch um zwei Luxuskarossen. Einen Porsche Turbo und einen sehr seltenen Mercedes SLS. Das ist die Wiederauflage des Autos mit den Flügeltüren. „Das ist auf jeden Fall ein Liebhaberfahrzeug“, urteilt am Donnerstag der Autosachverständige Daniel Fehl. Selbst im jetzigen Zustand – also mit Standschäden aus den acht Jahren, seitdem das Auto von der Polizei beschlagnahmt wurde – seien für das Auto noch 158.000 Euro zu erzielen. Mindestens der teure Motor sei intakt, weiß Fehl. Zur Begutachtung sei der SLS kurz angelassen worden: „Klingt toll.“
Toll habe auch er das Auto seinerzeit gefunden, sagt der Bergisch Gladbacher Unternehmer. 2015 sei er vom Autofieber, von dem die gesamte Großfamilie gepackt ist, angesteckt worden. Er habe das Auto allerdings eher als Wertanlage begriffen. Das hatte der heute 62-Jährige vorige Woche gesagt. Gefahren habe er den kostbaren Wagen nicht viel. Auch weil der große, nicht leichte Mann den Wagen alles andere als komfortabel fand.

Am 23. Mai 2019 ging der Ursprungsprozess vor dem Kölner Landgericht los.
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Was der Porsche heute noch wert ist, das ist weniger klar. Den Wagen hatte der Sohn von Michael G. 2017 von einem Händler gekauft. Die Frage ist aber, mit welchem Kilometerstand: 239.000 Kilometer oder 89.000, die dann wohl später auf der Uhr standen? Aus heutiger Sicht, so der Sachverständige, macht das gar keinen so großen Unterschied: Das Auto sei in jedem Fall im Wert gestiegen. Um die 150.000 Euro würden bezahlt, auch mit einem Kilometerstand von fast 240.000.
Warum ist das so wichtig? Weil beide Autos von der Justiz eingezogen wurden. Und je nachdem, wie der Prozess ausgeht, könnte es sein, dass der Bergisch Gladbacher Unternehmer das Auto zurückbekommt und auch der Sohn von Michael G. plötzlich wieder einen äußerst wertvollen fahrbaren Untersatz hat.
Der Nachfahre des Mannes, der zwischendurch immer wieder „Don Mikel“ genannt wurde, ist heute 28 Jahre alt. Aber nach Ansicht der Jugendgerichtshilfe hat er bei Weitem nicht die Reife. Auch jetzt noch sollte auf ihn „Jugendstrafrecht angewendet werden“, sagt die Gutachterin am Donnerstag. Auch das könnte ein enormer Vorteil sein. Der Prozess wird am 27. März fortgesetzt. Ein Urteil ist für Anfang Mai zu erwarten.


