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„Die Realität beginnt am Freitag“Bahn nennt in Leverkusen Details zum Schienenersatzverkehr

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Schienenersatzverkehr am Bahnhof Manfort am Moosweg. Bild: Ralf Krieger

Der Schienenersatzverkehr am Bahnhof Manfort am Moosweg.

Knapp fünf Monate lang werden an den Leverkusener Bahnhöfen in Manfort und Opladen sowie in Leichlingen keine Züge halten. Zuletzt gab es schon einen Probebetrieb.

Selim Yilmaz steht an einem verregneten Dienstag in einem purpurfarbenen Bus in Wiesdorf bereit, um über das aktuelle, von ihm verantwortete Projekt Auskunft zu geben. Dabei fällt auch der Satz: „Wir freuen uns.“ Da könnte sein Empfinden zu dem vieler Leverkusenerinnen und Leverkusener wohl kaum gegensätzlicher sein.

Denn Yilmaz ist als DB-Projektleiter verantwortlich für die Planung und Umsetzung des Schienenersatzverkehrs (SEV) im Rahmen der rund fünfmonatigen Vollsperrung der Strecke Köln–Hagen, die am Freitag, 6. Februar, beginnt. In Leverkusen betrifft sie besonders die Bahnhöfe Opladen und Manfort, darüber hinaus noch den Leichlinger Bahnhof – hier werden in dem Zeitraum bis zum 10. Juli keine Züge halten. Komplett abgeschnitten ist der Bahnhof Leverkusen-Mitte zwar nicht – auch hier wird die Sperrung aber Auswirkungen haben, auch hier wurde mittlerweile eine Haltestelle für den Ersatzverkehr installiert.

Viele Ersatzverkehr-Busse mit WLAN und Sicherheitsgurten ausgestattet

Die Haltestelle in Wiesdorf ist, wie alle Ersatzverkehr-Haltestellen, ganz in Purpur gehalten – und somit kaum zu übersehen. Im Rahmen eines Vorabtermins der Deutschen Bahn stellt Yilmaz den „Hochleistungsersatzverkehr“ vor, so der Unternehmenssprech. Alle, die in den kommenden Monaten auf das Angebot angewiesen sein werden, dürften hoffen, dass es diese „Hochleistung“ ab Freitag auch geben wird.

Hochmodern, zumindest für deutsche ÖPNV-Verhältnisse, sind viele der Busse, die in den kommenden Monaten für den Ersatzverkehr durch Leverkusen verkehren werden, zweifelsohne. Es handelt sich um Niederflurbusse, die mit WLAN, Lademöglichkeiten für USB-C und USB-A sowie Sicherheitsgurten, insbesondere für die Fahrten auf der Autobahn, ausgestattet wurden.

Selim Yilmaz, Projektleiter der DB, in Leverkusen-Wiesdorf.

Selim Yilmaz (l.) gibt am Busbahnhof Leverkusen-Mitte Auskunft über die Pläne zum am Freitag startenden Schienenersatzverkehr.

Zudem soll das Informationssystem für die Fahrgäste auf den Bildschirmen einen wesentlichen Teil übernehmen, um die von den Vollsperrungen betroffenen Personen stets auf dem Laufenden zu halten. Bestandteil der technischen Ausstattungen ist auch eine Live-Karte, die zeigen soll, wo sich die SEV-Busse jeweils befinden. Die sind indes auch allesamt im auffälligen Purpur unterwegs. 120 Busse sind für den Ersatzverkehr im Einsatz, zahlreiche von ihnen mit neuer Ausstattung – ergänzt werden sie durch bereits vorhandene Fahrzeuge. Sie werden für insgesamt zwölf SEV-Linien benötigt.

Bei aller Vorfreude auf den Tag, an dem die monatelange Planung des Teams um Yilmaz umgesetzt wird, gibt der Projektleiter zu: „Weil wir so wenig Zeit haben, ist der Druck groß – von Tag eins an.“ Bei einer normalen Buslinie sei es normal, für zehn Jahre zu planen – beim SEV zeige sich in den fünf Monaten, ob die Planungen gut umgesetzt werden konnten.

Da waren wir sehr pünktlich
DB-Projektleiter Selim Yilmaz über den Probedurchlauf vor dem Schienenersatzverkehr

Parallel zum noch laufenden Bahnbetrieb und dem Busverkehr der einzelnen Verkehrsunternehmen wurde im Januar der Ernstfall aber schon zweimal im Probebetrieb getestet. Wer also in den vergangenen Wochen schon purpurfarbene Busse auf den Straßen gesehen hat, dürfte also diese Abläufe erlebt haben. Bis zum Freitag werden noch weitere Testfahrten unternommen, um die Busfahrerinnen und Busfahrer an die Streckenverläufe und den Verkehrsfluss zu gewöhnen.

Angesprochen auf den Verlauf des Probebetriebs erklärt Yilmaz: „Da waren wir sehr pünktlich.“ Allerdings ist ihm bewusst, dass die wahren Herausforderungen erst noch bevorstehen. Sein Satz „Die Realität beginnt am Freitag“ fasst das gut zusammen. Für viele Pendlerinnen und Pendler ist es die Realität, der sie über Monate leidvoll entgegengeblickt haben – sie müssen sich in ihrem Alltag komplett umstellen.

Der Umstand, dass in den Bussen natürlich Platz für weniger Fahrgäste ist, als es in einer Bahn der Fall ist, soll indes durch eine höhere Taktung aufgefangen werden – zumeist mit einer Taktung von zehn oder 15 Minuten.

Um diese Taktung stemmen zu können, ist geplant, „in der Spitze bis zu 500“ Busfahrerinnen und Busfahrer im Einsatz zu haben – nur für den durch die Vollsperrung bedingten SEV. Dabei handelt es sich längst nicht nur um Busfahrerinnen und Busfahrer, die bei Betrieben in der Region angestellt sind. Aus insgesamt zwölf Ländern kommen die Fahrerinnen und Fahrer in die von den Einschränkungen betroffenen Gebiete. Da ließen sich „geringe Deutschkenntnisse“ bei einigen von ihnen nicht verhindern, gibt Yilmaz zu. Dies sei das „neue Normal“ – schlichtweg, weil auch bei den Busfahrerinnen und Busfahrern händeringend gesucht werden muss. So setzt die DB etwa auf Arbeitskräfte aus Polen, Spanien, Portugal und Frankreich, denen für den Zeitraum des Arbeitseinsatzes auch kostenloser Wohnraum geboten wird.

Für einige von ihnen beginnen und enden die Arbeitstage am für den SEV geschaffenen Betriebshof am Rudolf-Mann-Platz. Dort werden bis Juli sowohl Gelenkbusse als auch Solofahrzeuge stationiert sein. Unabhängig von der Fahrzeugart wird im Rahmen des Ersatzverkehrs kein Platz für Fahrräder sein – Grund dafür sei, wie Yilmaz erklärt, „so viele Fahrgäste wie möglich“ in die Busse zu bekommen. Da müssen die Fahrräder wiederum draußen bleiben. Das wird bei einigen Pendlerinnen und Pendlern schon zu Ernüchterung führen – sie werden hoffen, dass es wenige weitere Anlässe für schlechte Stimmung in den kommenden Monaten geben wird.