Die Bahnbrücke der L193 zwischen Bonn-Oberkassel und Königswinter-Niederdollendorf wird abgerissen und neu gebaut.
Umleitung innerortsMarode Brücke wird abgerissen – Vollsperrung der L193 in Königswinter bis 2027

Die 1963 fertiggestellte Brücke überspannt fünf Gleise der Deutschen Bahn. Sie ist jedoch marode und soll durch einen Neubau ersetzt werden.
Copyright: Ralf Klodt
Während die Dauerbaustelle in der Tunnelkette der Bundesstraße 42 nach rund fünf Jahren langsam dem Ende entgegengeht, beginnt der Landesbetrieb Straßenbau NRW sozusagen gleich nebenan direkt mit dem nächsten Großprojekt.
Die Bahnbrücke der Landesstraße 193 (Hauptstraße) zwischen Bonn-Oberkassel und Königswinter-Niederdollendorf wird abgerissen und neu gebaut. Die Konsequenz: Die stark befahrene Landesstraße wird komplett gesperrt, und zwar von April dieses Jahres bis voraussichtlich Januar 2027. Eine Umleitung führt dann über innerörtliche Straßen.
Brücke schon seit 2022 für Fahrzeuge über 16 Tonnen gesperrt
In diesen Tagen fanden erste Rodungen zur Vorbereitung des Projekts statt. Schon seit Mitte 2022 ist das marode Bauwerk für Fahrzeuge über 16 Tonnen gesperrt. Eine Sanierung oder Verstärkung der Brücke sei weder technisch sinnvoll noch wirtschaftlich vertretbar, heißt es in einer Projektbeschreibung des Landesbetriebs. Er verspricht allerdings eine moderne Planungs- und Bauweise, die das Projekt zeitlich deutlich verkürze. „Vom ersten Spatenstich bis zur Verkehrsfreigabe vergehen nur rund zehn Monate.“
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Rodungsarbeiten sind die Vorboten für den Komplettabriss und den Neubau der Brücke auf der Landesstraße 193 (Hauptstraße).
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Kosten soll das Vorhaben etwa 20 Millionen Euro, die das Land NRW aufbringt. Die L193-Brücke ist Teil einer wichtigen Verkehrsachse zwischen Bonn und Königswinter. Rund 6000 Fahrzeuge, darunter 130 Lkw, befahren sie täglich. Die Zufahrt zum Gewerbegebiet Mühlenbruch (mit Rewe-, Aldi-, Lidl- und Obi-Markt) liegt im Norden nahe der Brücke und wäre innerstädtisch aus dem Süden nur über Umwege zu erreichen.
Straßen NRW nutzt Zeit der gesperrten rechtsrheinischen Bahntrasse für Bauarbeiten
Zudem wird die Landesstraße bislang als Umleitungsstrecke genutzt, wenn es auf der B42 beispielsweise durch Unfälle zu Sperrungen kommt. Die 1963 fertiggestellte „Plattenbalkenbrücke aus Stahlverbund“ ist rund 70 Meter lang. Sie überspannt fünf Gleise der Deutschen Bahn. Die will bekanntlich von Juli bis Dezember dieses Jahres die ganze rechtsrheinische Trasse sanieren und sie dafür komplett sperren.
Diese Zeit nutzt im Kern auch der Landesbetrieb. Der Neubau entstehe als stählerne Stabbogenbrücke mit außenliegenden Hauptträgern in Form eines sogenannten „Langerschen Balkens“. „Die neue Brücke verbindet eine markante, zeitgemäße Architektur mit den Anforderungen an eine leistungsfähige und zukunftsorientierte Verkehrsinfrastruktur,“ heißt es in einer Mitteilung. Beispiele für Stabbogenbrücken seien die „Schnettkerbrücke“ (B1) in Dortmund oder die „Brücke der Solidarität“ in Duisburg.
Neues Bauwerk in Königswinter soll 85 Meter lang und 15 Meter breit sein
„Stabbogenbrücken sind dann geeignet, wenn die zu überbrückende Distanz mit 50 bis 250 Meter relativ groß ist und wenig Höhe zwischen dem unten und dem oben liegenden Verkehrsweg zur Verfügung steht“, heißt es auf einer Internetseite der Behörde. Das Bauwerk in Königswinter werde 85 Meter lang und 15 Meter breit. Die Bögen seien 13 Meter hoch. Für Autos gibt es zwei Spuren, zusätzlich künftig auf der Ostseite einen drei Meter breiten kombinierten Rad- und Gehweg sowie auf der Westseite einen zwei Meter breiten Gehweg. „Dadurch wird die Sicherheit erhöht und eine umweltfreundliche Mobilität gezielt gefördert.“
Die Stabbogenkonstruktion werde in mehreren Einzelteilen angeliefert, auf einem Vormontage-Platz zusammengeschweißt und während der Sperrpause der Bahn eingeschoben. Der Zeitplan sieht vor, ab April die Baustelle vorzubereiten und die Sperrung mit den Umleitungen einzurichten. Im Frühsommer 2026 soll die Vorfertigung der Stahlbogenbrücke beginnen, die – nach dem Abriss des Altbaus Mitte Juli – Ende Oktober eingeschoben werde.
Ab Dezember soll die Fahrbahn hergestellt und Anfang 2027 für den Verkehr freigegeben werden. Die Freiwillige Feuerwehr Königswinter hat nach Angaben ihres Leiters Michael Bungarz erst in dieser Woche von der schon ab April geplanten Vollsperrung erfahren. „Das hätten wir gerne früher erfahren, die Zeit ist etwas knapp“, sagte Bungarz. Nach Karneval wollen sich demnach die Straßenverkehrsbehörden, der Rettungsdienst und die Feuerwehr zusammensetzen.
Zwar können die Einsatzfahrzeuge des Löschzugs Niederdollendorf auch über die Cäsariusstraße beispielsweise das Gewerbegebiet im Mühlenbruch erreichen, sie brauchen aber wohl länger, zumal sich der gesamte Autoverkehr auf diese Straße verlagert. Großbaustellen sind in den vergangenen Jahren an den wichtigsten Verkehrsachsen zwischen Königswinter und Bad Honnef quasi an der Tagesordnung.
Neben der Tunnel-Modernisierung auf der B42 (Kostenpunkt: rund 52 Millionen Euro; siehe Infotext) stand über Jahre weiter im Süden die Sanierung der B42-Drachenbrücke oberhalb von Königswinter auf dem Plan. Die Umleitung führt von April 2026 bis Januar 2027 über Landes- und Kreisstraßen. Von der B42- Ausfahrt Oberdollendorf geht es über den Grünen Weg und die Cäsariusstraße (L268), dann über die Heisterbacher Straße (K4) mit den oft lange geschlossenen Bahnschranken zur Hauptstraße (L193). In Fahrtrichtung Norden gilt die umgekehrte Reihenfolge.

