Die Schauspiel-AG der Schule feiert in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums ihr 60-jähriges Bestehen.
Theater im Schlebuscher Gymnasium„Was tun“ zeigt, was passiert, wenn der Alltag kippt

Schauspiel-Ensemble des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium bringt zum 60-jährigen Jubiläum das Episodenstück „Was tun“ von Lutz Hübner und Sarah Nemitz.
Copyright: Timon Brombach
Wie stabil ist das Leben eigentlich, wenn man genauer hinschaut? Mit „Was tun“ haben die Dramatiker Lutz Hübner und Sarah Nemitz ein Stück geschrieben, das den Alltag wie unter ein Brennglas legt. In kurzen Szenen geraten scheinbar vertraute Situationen aus der Balance: ein geselliger Abend, eine künstlerische Soiree, ein moralischer Konflikt im Pflegealltag. Die Figuren bewegen sich zunächst auf vertrautem Terrain, dann bricht etwas auf. Worte bekommen plötzlich Gewicht, Blicke verhärten sich, Entscheidungen treiben die Handlung voran. Die Dramaturgie folgt dabei einem klugen Prinzip: Das Stück funktioniert wie ein Mosaik aus einzelnen Episoden.

Eine Szene aus „Was tun“ im Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
Copyright: Timon Brombach
Zunächst wirken die Geschichten voneinander getrennt, doch nach und nach greifen sie ineinander wie lose Zahnräder. Beziehungen überlappen sich, Figuren tauchen in neuen Zusammenhängen wieder auf, Konflikte spiegeln sich gegenseitig. Der Wochenendabend, den das Stück erzählt, verdichtet sich so zu moderner allgemeinen Verunsicherung.
Spielfreude auf der Bühne des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
Die Aufführung in der Aula lebt vor allem von der Energie der AG. Die jungen Darstellenden tragen die Szenen mit sichtbarer Lust am Spiel. Johann Adam als Gerald und Tessa Richter als Monika führen ein Paar vor, dessen gemeinsame Zukunft plötzlich Risse bekommt. Tom Provenzano und Marie Sampaio Doherty zeichnen mit Andreas und Judith eine junge Beziehung, in der Abenteuerlust bereits stärker wirkt als romantische Verlässlichkeit. In anderen Episoden verdichten sich Konflikte zu fast unangenehmen Momenten. Jasper Hutten als Hanno und Nick Kastner als Richard geraten in einen Machtkampf, bei dem Dominanz und Demütigung gefährlich nah beieinanderliegen.

Das Schauspiel-Ensemble des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums besticht durch große Spielfreude.
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Nina Davolovic und Georg Norwig spielen mit Sibylla und Edgar ein großbürgerliches Paar, dessen Abgründe sich langsam öffnen. Besonders eindrücklich wirkt auch die Geschichte um die Altenpflegerin Bine, gespielt von Zoe Tritz. Der pensionierte Gewerkschafter Karl (Leo Voigt), ihr Sohn Tim (Lisa Müller) und die Bloggerin Luise (Carolina Lansu) versuchen ihr zu helfen – und verstricken sich doch immer tiefer in widersprüchliche Lösungsversuche.
Jubiläum mit Theatertradition: 60 Jahre Schauspiel-AG
Seit sechs Jahrzehnten gehört diese Schauspiel-AG zum kulturellen Herzstück der Schule. Generationen von Schülerinnen und Schülern haben hier Bühnenluft geschnuppert und Geschichten lebendig gemacht. Unter der künstlerischen Leitung von Kai Wahle entsteht aus diesem Jubiläum eine Inszenierung, die Theater als gemeinschaftliches Projekt begreift – getragen von Ensemble, Bühnenbaukurs, Technikteam und vielen helfenden Händen hinter den Kulissen.
Dramatiker Lutz Hübner hat sich für die Premiere angekündigt. Der Autor wurde über die Tantiemenabrechnung darauf aufmerksam, dass sein Stück in Leverkusen gespielt wird und reist eigens aus Berlin an.
Aufführungen
Gespielt wird „Was tun“ am Samstag, 21. März, und Montag, 23. März 2026, jeweils um 19.30 Uhr (Einlass ab 19 Uhr) in der Aula des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, Morsbroicher Straße 77.
