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Auftritt in OpladenWie Guido Cantz „komische Zeiten“ auf der Bühne verarbeitet

4 min
Wir leben in „komischen Zeiten“, meint auch der Komiker Guido Cantz.

Wir leben in „komischen Zeiten“, meint auch der Komiker Guido Cantz.

Der Comedian und Moderator kommt am Mittwoch, 20. Mai, ins Opladener Scala.

Dass der Titel seines Soloprogramms so gut passe, habe er wirklich selten gehabt, sagt Guido Cantz. Der Comedian und Moderator kommt am Mittwoch, 20. Mai, ins Opladener Scala und erzählt über „Komische Zeiten“ – über „Klimawandel, Künstliche Intelligenz, legales Kiffen, Political Correctness, Rechtsruck, vegane Hotdogs, Waffenverbotszonen“. Aber auch über komische Zeiten im Privaten zwischen „Midlife-Crisis, Wechseljahren und Pubertät“.

Nun ist die Komik Cantz’ Job. Also etwas Humorvolles aus dem zu ziehen, was die Menschen und natürlich auch ihn selbst beschäftigt. „Man kann in fast allem Komik finden“, sagt der Kölner im Gespräch mit dem „Leverkusener Anzeiger“. Das Besondere für das aktuelle Programm ist aber, dass die Realität den Komikern manchmal die Pointe vorwegzunehmen scheint: „Manchmal fragst du dich: Wie willst du das noch toppen?“ Solange Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten sei, sei es schwer dagegenzuhalten. Der Titel „Komische Zeiten“ sei also doppeldeutig zu verstehen, sagt Cantz.

Themen zu finden, ist also nicht schwer für Cantz in diesen Zeiten: „Plötzlich taucht Xavier Naidoo wieder auf und erzählt uns, dass wir alle schon mal Menschenfleisch gegessen haben. Menschenfleisch nein, aber Kinderschokolade ja.“ Aber das gelte nicht für den öffentlichen Raum: „Ich hab einen fünfzehneinhalbjährigen Sohn, da kann ich eigentlich den ganzen Tag mitschreiben, so viele Vorlagen liefert der.“

Gute Zeit für Komiker

Deshalb sei es grundsätzlich eine gute Zeit für Komiker, sagt Cantz. Gerade weil die Menschen dieser Tage auch mal Zeit verbringen würden, ohne darüber nachzudenken, ob die Rente sicher sei. Einfach Handy aus und eine unbeschwerte Zeit haben. Dafür seien Leute seiner Berufsgruppe verantwortlich. Dass Guido Cantz selbst einmal angesichts der vielen Krisenherde und schlechten Nachrichten die Fähigkeit ausgeht, die Komik in den meisten Dingen zu finden, glaubt er nicht: „Ich bin generell ein optimistischer Mensch. Vielleicht hilft das.“

Trotzdem nerven auch ihn Dinge. Dass sich ganz Deutschland derzeit nur mit Wal Timmy zu befassen scheint, zum Beispiel. Er sei ein ausdrücklicher Freund der Tiere, sagt er. Aber eigentlich habe man politisch schon ganz andere Probleme. Und dann sagt Guido Cantz einen Satz, der die Doppeldeutigkeit in seinem Programm zwischen „merkwürdig“ und „witzig“ auf den Punkt bringt: „Wa(h)lkampf kennen wir eigentlich in anderen Zusammenhängen.“

Guido Cantz ist neben seinen Bühnenprogrammen, bei denen er auch Musik einbindet – Cantz spielt auch Klavier – auch viel auf Karnevalsbühnen und im Fernsehen zu sehen. Einen großen Unterschied zwischen dem Bühnen-, dem Karnevals- und dem TV-Cantz gebe es nicht. „Authentisch“ sei er überall. Allerdings könne er sich auf seinen Bühnenprogrammen deutlich mehr austoben. Im Karneval zum Beispiel müsse alles auf den Punkt sein, die Auftritte sind relativ kurz. Viel Zeit, den Kasalla-Fan zu überzeugen, der den Büttenredner vielleicht nicht kenne, habe er da nicht. In seinen Soloprogrammen dagegen könne er sich den einzelnen Themen viel mehr widmen. Er könne Requisiten einbauen oder eben auch Musik einbinden.

Dass er nicht mehr sagen dürfe, was er wolle – Stichwort Political Correctness – sei „Quatsch“. Natürlich würde er Dinge, die er Anfang der 90er vielleicht erzählt habe, heute so nicht mehr erzählen. „Aber ich bin auf der Bühne total frei.“ Der Unterschied für ihn sei, dass viele Menschen heute ihren Unmut in den sozialen Medien ungefiltert ablassen könnten. „Aber da lernt man, sich ein dickes Fell zuzulegen.“

Guido Cantz, „Komische Zeiten“, Mittwoch, 20. Mai, 20 Uhr, Einlass 19 Uhr, Scala-Club Opladen, Karten kosten 35,60 Euro im Vorverkauf und 38 Euro an der Abendkasse.


Der Mai im Scala-Club

„Die kriminellen Geschichten des O …“, Roland Jankowsky (Lesung, 2. Mai), „Der Vampir am Klavier“, Thomas Borchert (Nachholtermin, Musical, 3. Mai), „Stadtgeklimper“ (Konzert, 6. Mai), „Schön laut“, Negah Amiri (Comedy, 8. Mai), „Ein Männerchor, der rockt“, Good Voices Dürscheid (Konzert, 9. Mai), „Gebrauchsgegenstand“, Heinz Rudolf Kunze (Lesung, 10. Mai), „Immer weyder“, Jan Van Weyde (Comedy, 15. Mai), „High-Vijf“, Niklas Siepen (Comedy, 21. Mai), Türkisches Standup, Fatih Çevikkollu, Serhat Dogan, Sertaç Mutlu, Aydin Isik ve Kadir Zeyrek (Comedy, 23. Mai), Anna Mateur (Konzert, Start-Festival, 27. Mai), „Luna Keller & Friends“ (Konzert, 29. Mai), Bob-Marley-Tribute „Marley’s Ghost“ (Konzert, 30. Mai), „Grande Dame“, Nicole Jäger (Comedy, 31. Mai). (nip)