Der katholische Friedhof in Rheindorf ist seit gut einem Jahrhundert Begräbnisort für den Stadtteil.
Friedhöfe in LeverkusenJohann Wirtz ist bei Rheindorfs Priestern untergekommen

Johann Wirtz' Grabstein ist bei den Rheindorfer Priestern untergekommen.
Copyright: Peter Seidel
Besuch auf dem katholischen Friedhof in Rheindorf: Der Grabstein von Johann Wirtz ist nicht leicht zu finden. Er liegt ein bisschen verschämt am Rand eines großen Rundbeetes, das der Ehre und dem Andenken der Pfarrer von St. Aldegundis gewidmet ist. Die randständige Existenz des schlicht gehaltenen Natursteins auf dem Rheindorfer Gottesacker steht in krassem Widerspruch zu der Bedeutung, die Wirtz für die Entwicklung des heutigen Leverkusener Stadtteils hatte.
Im Grunde ist es ein Glücksfall, dass er überhaupt noch existiert. Und dem Einschreiten von Gert Nicolini zu verdanken. Der damalige Leiter der städtischen Statistikstelle intervenierte Anfang der 2000er-Jahre, als er zufällig Zeuge wurde, wie Johann Wirtz' Begräbnisstätte an der Pützdelle aufgelöst wurde. Das erzählt Nicolini bei einem Rundgang über den Friedhof. Er habe damals den mit den Arbeiten beschäftigten Gartenbauer gefragt, ob dieser eigentlich wisse, wessen Grab er da gerade auflöse. Er wusste es nicht.

Gert Nicolini vor dem Grabstein von Johann Wirtz, den er vor dem Abräumen rettete
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Nicolini hingegen, in Fragen der politischen Geschichte Leverkusens eine Instanz, kann über die Leistungen des katholischen Zentrums-Politikers für Rheindorf viel erzählen. In dessen Amtszeit als Gemeindevorsteher zwischen 1900 und 1929 fallen der Bau der ersten Brücke über die Wupper 1901 und damit eine Verbindung trockenen Fußes nach Bürrig ebenso wie der Anschluss an die Monheimer Kleinbahnen 1912, die die Fahrt mit der Straßenbahn bis zum Bahnhof Langenfeld ermöglichte. Auch die Regulierung der Wupper nach dem Hochwasser vom Februar 1909 wie der Beginn des Anschlusses Rheindorfs an die Stromversorgung geschahen während Wirtz' Amtszeit. Ab 1908 war er auch Deichhauptmann des Deichverbandes Rheindorf-Bürrig-Wiesdorf und mit dem Wiesdorfer Bürgermeister Heinrich Claes führte Wirtz die Verhandlungen über einen Zusammenschluss mit Wiesdorf und brachte sie im April 1929 erfolgreich zum Abschluss.
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„Nur das Zusammengehen der beiden Gemeinden mit Steinbüchel und Schlebusch zur Stadt Leverkusen, das hat er nicht mehr erlebt“, sagt Nicolini am Grabstein des großen Rheindorfers. Denn Wirtz starb mit 69 Jahren am 15. November 1929, dem Geburtstag seiner Frau Elisabeth. Das offizielle Gründungsdatum Leverkusens ist der 1. April 1930. Wie populär Wirtz war, zeigte sich am Tag seines Begräbnisses, dem 19. November 1929. Die Zeitungen berichteten von einem „unübersehbaren Trauergefolge“ hinter Wirtz' Sarg, als die Rheindorfer von ihm Abschied nahmen.

Der katholische Friedhof in Rheindorf
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Doch das schien außer Gert Nicolini gut 70 Jahre später kaum noch jemand zu wissen. Nach seiner Rettungstat gestaltete es sich schwierig, einen neuen Platz für den historischen Grabstein zu finden. Von einem schließlich gefundenen Platz nahe der Pützdelle musste er wieder weichen, weil das Areal für Grablegen gebraucht wird. Immerhin kann man Wirtz' Namen und Lebensdaten sowie die seiner Frau Elisabeth wieder gut lesen. „Die Buchstaben waren über die Jahrzehnte nur noch schlecht zu erkennen.“ Er habe dafür gesorgt, dass ein Steinmetz die Farbe neu aufgetragen habe, so Nicolini.
Und nun erinnert der Grabstein also in Nachbarschaft zu drei früheren Pfarrern der Gemeinde Sankt Aldegundis, der Eigentümerin des Friedhofs, an den historischen Gemeindevorsteher. Das passt in gewisser Weise. Denn der letzte Pfarrer, der hier beerdigt liegt, ist Hans Wilhelm Hegenberg. Hegenberg war zunächst von 1962 bis 1970 erst acht Jahre lang als Kaplan, und dann bis 1996 als Pfarrer von Aldegundis sowie anschließend bis zu seinem Tod 2001 als Subsidiar aktiv und hat im Gemeindeleben sehr viel bewirkt.
Keine Grabsteine aus Kinderarbeit
Die Friedhofsordnung der katholischen Kirchengemeinde St. Aldegundis aus dem Jahr 2021 legt ausdrücklich fest, dass keine Grabsteine aus schwerer Kinderarbeit auf dem Friedhof aufgestellt werden dürfen. Es bedarf laut Paragraf 32 der Ordnung sogar einer schriftlichen Bestätigung durch eine anerkannte Zertifizierungsstelle dafür, dass die aufzustellenden Grabsteine nicht gegen ein entsprechendes Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO, eine Unterorganisation der UN) zur Beseitigung der schlimmsten Formen der Kinderarbeit verstoßen. Diese Ordnung gilt für den Friedhof in Rheindorf genauso wie für den Friedhof in Hitdorf.
Die Friedhofsordnung der Rheindorfer und Hitdorfer Katholiken ist an dieser Stelle weiter als die erst kürzlich neu gefasste Friedhofssatzung der Stadt. Dort fehlt ein Passus zum Thema Grabsteine aus Kinderarbeit. Allerdings, so erläutert der städtische Friedhofsverwalter Thomas Bappert, auf Anfrage des „Leverkusener Anzeiger“, müssen alle Bestatter und Steinmetze, mit denen die Stadt zusammenarbeitet, jährlich nachweisen, dass ihre Steine nicht von Kindern hergestellt worden sind.
Die Unternehmen tun das mit Hilfe des IGEP-Zertifikats. IGEP steht für Indo-German Promotion Project, eine 1988 gegründete, deutsch-indische Initiative zur Förderung der bilateralen Zusammenarbeit. Die Richtlinie, dass die Stadt nur mit Firmen zusammenarbeitet, die nicht von Kinderarbeit profitieren, sei in den allgemeinen Grundsätzen verankert, auf deren Basis die Stadt mit Privatunternehmen arbeitet, so Bappert.
Auch in der Ordnung der katholischen Gemeinde St. Maurinus und St. Maria Rosenkranzkönigin für den Friedhof am Holzer Weg in Quettingen ist geregelt, dass Grabsteine aus Formen schwerer Kinderarbeit nicht auf den Gottesacker kommen dürfen. Laut der Menschenrechtsorganisation Terre des hommes kommen bis zu 80 Prozent der in Deutschland verwendeten Grabsteine aus indischer und chinesischer Produktion. In Indien sind auch schwere Formen der Kinderarbeit weit verbreitet. (ps)
