Am 6. Juni kommt Giora Feidman mit dem aktuellen Programm „For a better world“ nach Leverkusen.
Klarinettist Giora Feidman„Die Welt braucht gerade jetzt mehr denn je echte Begegnungen“

Arbeiten seit vielen Jahren zusammen: Giora Feidman und Majid Montazer.
Copyright: Kai Weise
Mehr als 250.000 Menschen haben sich nach Aussage von Giora Feidman die Programme von ihm, dem weltbekannten Klarinettisten aus Israel, und dem Komponisten Majid Mantazer aus dem Iran angeschaut. Am 6. Juni kommt Feidman mit dem aktuellen Programm „For a better world“ nach Leverkusen. Niklas Pinner sprach mit ihm über die Zusammenarbeit mit Mantazer, menschliche Begegnungen und über die Bedeutung von Musik in diesen Zeiten.
Wie haben Sie und Majid Montazer sich gefunden?
Feidman: Ich habe Majid Montazer vor etwa 20 Jahren kennengelernt. Seit 2019 arbeiten wir intensiv und fast schon selbstverständlich miteinander. Was anfangs eine eher geschäftliche Beziehung war, hat sich im Laufe der Zeit in etwas viel Tieferes verwandelt: in eine Freundschaft, vielleicht sogar in eine Art Seelenverwandtschaft.
Wie läuft die Zusammenarbeit ab?
Ich sage oft, dass der liebe Gott hier zwei Puzzleteile ganz genau zueinander geführt hat. Er schreibt – und ich spiele. Und obwohl wir auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten, entsteht genau daraus etwas Besonderes. Mehr als 40 Jahre trennen uns, er ist gebürtiger Muslim, ich Jude; er kommt aus dem Iran, ich aus Israel. Und doch sprechen wir, wenn wir zusammenarbeiten, dieselbe Sprache – die der Musik. Viele der neuen Kompositionen, die Majid geschaffen hat, sind direkt aus unseren Gesprächen und den Geschichten entstanden, die ich ihm erzählt habe.
Übrigens haben wir zu unserem aktuellen Album ein gleichnamiges Buch herausgebracht: „For a Better World“. Darin ist genau nachzulesen, wie jeder einzelne Song entstanden ist, welche Idee dahintersteht und welche Geschichten ihn inspiriert haben. Für viele Konzertgäste war es besonders spannend, einmal aus erster Hand hinter die Kulissen zu blicken – diesem Wunsch sind wir nun mit dem Buch nachgekommen. Kompositorisch genießt Majid dabei völlige Freiheit, und ich schätze seine Arbeit so sehr, dass ich gar nicht eingreifen muss. Es ist ein wunderbarer Prozess voller Vertrauen und Kreativität, bei dem jede neue Komposition wie von selbst entsteht.
Inspiriert man sich gegenseitig?
Majid sagt oft, dass die Art, wie ich Klarinette spiele, für ihn eine spirituelle Quelle ist. Und ich antworte ihm, dass seine Musik für mich genau das Gleiche bewirkt: Von den rund 100 Stücken, die er für mich komponiert hat – von denen etwa 45 bereits aufgenommen sind – fühlt sich jedes einzelne vom ersten Moment an wie Balsam für meine Seele an. Ich liebe die Art, wie er komponiert, wie er schreibt und wie er arrangiert.
Auch wenn es vielleicht offensichtlich ist: Wieso ist eine solche Zusammenarbeit gerade heute wichtig „für eine bessere Welt“?
Wissen Sie, ich glaube, die Welt braucht gerade jetzt mehr denn je menschliche Geschichten – nicht große Parolen, sondern echte Begegnungen. Vielleicht ist es genau das, was Kunst kann: uns wieder daran erinnern, was uns verbindet. Für Majid und mich spielen Kategorien wie Religion oder Herkunft keine Rolle. Ob Jude, Muslim, Christ oder Buddhist – das sind für uns keine Mauern. Wenn wir uns begegnen, sehen wir nicht das Etikett, sondern den Menschen mit seinem Herzen, seiner Geschichte, seiner Sehnsucht.
Gerade wenn wir auf den aktuellen Krieg zwischen Iran und Israel blicken – auf die Eskalationen, die militärischen Auseinandersetzungen und das menschliche Leid, das so viele Menschen dort jeden Tag erleben – wird uns schmerzlich bewusst, wie leicht Trennung und Misstrauen entstehen. Inmitten dieser Spannungen wird spürbar, wie wichtig es ist, einander zuerst als Menschen zu begegnen und Brücken zu bauen, wo Mauern zu wachsen drohen.
Welche Rolle kann Musik dafür heute noch einnehmen?
In Zeiten wie diesen kann Musik eine Brücke sein – ein Raum, in dem Verständnis und Respekt spürbar werden, selbst wenn die Welt von Konflikten geprägt ist. Sie kann Menschen miteinander verbinden, wo Worte oft nicht ausreichen, und ein Gefühl von Gemeinschaft schaffen, das über Unterschiede von Herkunft, Religion oder Kultur hinausgeht. Musik hat die Kraft das Menschliche in jedem von uns zu berühren. Sie erinnert daran, dass wir einander verstehen können, wenn wir zuhören und uns einlassen – dass Mitgefühl und Empathie möglich sind, selbst inmitten von Spannungen und Krieg. In dieser Zeit kann sie Trost spenden, Hoffnung wecken und zeigen, dass Begegnung, Versöhnung und Verbindung nicht nur Ideen bleiben müssen, sondern erfahrbar sind.
Für Liebhaber welcher Musik ist das Konzert besonders geeignet?
In meinen Konzerten treffe ich Menschen, die Klezmer, World Music, Klassik oder Tango lieben – und immer öfter sehe ich auch junge Besucher, die neugierig auf diese Klangwelten sind. Mein Ziel ist einfach: jeden Abend ein kleines Erlebnis zu schaffen, das die Menschen für einen Moment aus ihrem Alltag holt. Harmonische Klänge, berührende Melodien und ein Programm, das mit Herz gestaltet ist – all das lädt dazu ein, sich einfach fallen zu lassen und die Musik zu genießen.
„Giora Feidman – For a better world“, 6. Juni, 20 Uhr, Herz-Jesu-Kirche, Wiesdorfer Platz. Karten gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen und auf der Internetseite von Giora Feidman.
www.giorafeidman.com

