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Weniger KinderLeverkusen legt neue Kitaplanung vor – sechs Projekte gestrichen

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Stinkende Kita Scharnhorststraße 13, wegen Geruchs dauerhaft geschlossen. Foto: Ralf Krieger

Die geschlossene Kita an der Scharnhorststraße soll nicht durch einen Neubau ersetzt werden.

Weil weniger Kinder in die Betreuung gehen, stehen Plätze leer. Das hat Auswirkungen auf die Kitaplanung.

Die Stadt hat ihre Kitaplanung grundlegend überarbeitet. Grundlage dafür war ein „Realitätscheck“, wie Aylin Doğan, Fachbereichsleiterin Kinder und Jugend, sagt. Denn: Nach Jahren des Betreuungsnotstandes sind plötzlich etliche Plätze in städtischen Kitas frei. Das hat Auswirkungen auf die Planungen, hauptsächlich im Bereich des Neubaus.

Wie ist die Situation an den Kitas?

An den 38 städtischen Kitas sind aktuell noch viele Plätze frei, Aylin Doğan spricht von rund 400, hauptsächlich im Bereich für die Über-Dreijährigen. Obwohl das Kita-Jahr zum 1. August gestartet ist, gibt es immer noch Verschiebungen, weil Eltern mehrere Zusagen bekommen haben und sich noch umentscheiden. Eine überaus komfortable Situation für Eltern – noch in jüngster Vergangenheit war jeder froh, der überhaupt einen Betreuungsplatz ergattern konnte. Die Situation unterscheide sich aber nach Stadtteilen, erklärt Sabine Jarosch, Abteilungsleiterin für Kindertageseinrichtungen. In Wiesdorf etwa sei die Nachfrage viel höher als das Angebot, in Schlebusch gebe es rechnerisch einen hohen Bedarf, aber noch viele freie Plätze. 

Warum sind plötzlich so viele Plätze frei?

Zum einen hat die Stadt erfolgreich den Erziehermangel bekämpft, der in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass Kitas nicht voll ausgelastet werden konnten. Aktuell arbeiten 343 Vollzeitkräfte im Fachbereich, 142 Vollzeitkräfte als Ergänzungskräfte sowie 37 Vollzeitkräfte in Leitungs- und 38 in stellvertretenden Leitungsfunktionen. Auch einige Neubauprojekte wurden abgeschlossen. Der größte Faktor ist aber, dass weniger Kinder in die Betreuung gebracht werden. Zum einen sinkt die Geburtenrate in Leverkusen deutlich, mit vier Prozent sogar stärker, als im Landesschnitt (2,6 Prozent). Zum anderen spürt der Fachbereich deutliche gesellschaftliche Veränderungen: Kinder werden wieder später oder sogar gar nicht in die Betreuung gegeben, häufig bleiben hauptsächlich Mütter länger zu Hause.

„Wir konnten in letzter Zeit nicht immer ein verlässlicher Partner sein“, gesteht Doğan ein. Möglicherweise haben die Erfahrungen mit der schwierigen Platzsuche und kurzfristigen Schließungen viele Eltern bewogen, sich andere Modelle zur Kinderbetreuung aufzubauen. Zudem sind Eltern wählerischer geworden: Wenn die Wunscheinrichtung oder Betreuungszeit nicht zur Verfügung steht, werden die Kinder eher zu Hause gelassen, als sich auf eine Alternative einzulassen. Auch die Kosten, die primär für ganz kleine Kinder von Eltern mit höheren Gehältern sehr hoch sind, können bei den Gedanken eine Rolle spielen.

Weinhäuser Straße Hitdorf. Foto: Ralf Krieger

An der Weinhäuser Straße in Hitdorf wird keine Kita gebaut.

Welche Konsequenzen zieht die Stadt?

Als Erstes soll der Rechenschlüssel angepasst werden, mit dem der Bedarf errechnet wird. Für Kinder über drei Jahren bleibt die Stadt bei der 100-Prozent-Quote. Bei Unter-Dreijährigen geht man bislang davon aus, dass Plätze für 60 Prozent der Kinder gebraucht werden. Das soll nun auf 50 Prozent angepasst werden. „Damit kommen Realität und Planung wieder näher zusammen“, erklärt Doğan. Das wiederum soll direkte Auswirkungen auf geplante Bauvorhaben haben. 

Welche geplanten Kitas sollen nun doch nicht gebaut werden?

Allen voran die Kita Weinhäuserstraße in Hitdorf, die ohnehin zu vielen Protesten geführt hatte. An der Scharnhorststraße, wo im Februar 2025 die Kita wegen massiven Gestanks dauerhaft geschlossen werden musste, soll kein Neu- oder Ersatzbau entstehen – hier bestehe derzeit kaum Nachfrage nach weiteren Betreuungsplätzen, sagt Jarosch. Nicht weiterverfolgt werden sollen auch die Pläne für Kitas an der Auermühle, der Kreuzbroicher Straße, Heinrich-Lübke-Straße und Lehner Mühle.

Wird jetzt gar nicht mehr in Kitabau investiert?

Doch: Neun Aus- oder Neubau- oder Sanierungsprojekte sollen im Planungszeitraum bis 2031 dennoch umgesetzt werden. Etwa der Ausbau der Kita „Arche Noah“ in Lützenkirchen, wo schon im kommenden Betreuungsjahr 40 neue Plätze zur Verfügung stehen sollen. 2027/28 sollen die Kita Bodestraße in Rheindorf, Eifelstraße in Bürrig, und Hardenbergstraße in Küppersteg fertig sein – mit insgesamt bis zu 360 Plätzen. Auch an der politisch umstrittenen, weil kostspieligen Sanierung der Altgebäude an der Wiesdorfer Dhünnstraße möchte die Stadtverwaltung festhalten: Hier bestehe ein hoher Bedarf.

Ein paar Dutzend Eltern und Kinder waren zur Demo vors Rathaus gekommen. Sie beklagen hohe Ausfallzeiten in der Kita-Betreuung. Organisiert hatte die Demo Rene Richrath, hier im Gespräch mit Stadtdirektor Marc Adomat. Oberbürgermeister Uwe Richrath will für Verlässlichkeit sorgen.

Gerade einmal zwei Jahre ist es her, dass Eltern wegen hoher Ausfallzeiten in der Kita-Betreuung vor dem Rathaus demonstriert haben. Auch wenn das Problem behoben ist: Die große Unzufriedenheit ist vielleicht auch ein Grund für die gesunkenen Anmeldezahlen.

Warum, wenn es doch schon zu viele Plätze gibt?

Elf Kitas im Stadtgebiet sollen schrittweise geschlossen werden, weil sie klein, alt und baufällig sind. Mehrere davon stehen in Steinbüchel: zwei am Theodor-Heuss-Ring und eine an der Spresstraße. Deswegen will die Stadt auch an dem von Umweltschützern kritisierten Plan für eine Kita am Bohofsweg festhalten – diese Einrichtung könnte dann die Alten ersetzen. Neubauten an den engen aktuellen Standorten seien nicht möglich oder zeitgemäß. Außerdem sollen drei Einrichtungen aufgegeben werden, bei denen die Stadt die Gebäude angemietet hat, was ebenfalls zu hohen Kosten führt. Zwei davon stehen in Opladen: an der Reuschenberger und der Rat-Deycks-Straße. Einen genauen Zeitrahmen für die Aufgabe gibt es nicht, alles bewegt sich im Planungsrahmen bis zum Kita-Jahr 2030/31. Klar ist dagegen, dass die in der Schule untergebrachte Kita Kerschensteinerstraße zum kommenden Kita-Jahr geschlossen werden soll. 

Was passiert mit dem Personal?

„Selbstverständlich wird niemand entlassen“, verspricht Dezernent Marc Adomat. Erzieherinnen und Erzieher aus geschlossenen Einrichtungen werden in anderen übernommen. Dabei könne es natürlich sein, dass bestehende Teams sich trennen müssten. Dazu sei die Stadt aber schon in engem Austausch mit den Einrichtungen. Bis 2030 rechnet die Stadt außerdem mit einer Fluktuation von rund zehn Prozent der Erzieherinnen – sei es aus Alters- oder anderen Gründen. 

Was passiert mit den alten Standorten?

Die Stadt will die Flächen für die Kinder- und Jugendhilfe erhalten. Riesige Bedarfe bestünden aktuell im Bereich Hilfe zur Erziehung und für stationäre und ambulante Unterbringung von Kindern und Familien mit Problemen. Aylin Doğan hofft, dass einige Standorte diesem Bereich zugutekommen könnten.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stadtverwaltung hat ihre Pläne bis 2030 detailliert vorgelegt, nun muss die Politik darüber diskutieren und entscheiden. Zunächst der Kinder- und Jugendhilfeausschuss am 17. September, die Entscheidung kann der Stadtrat am 12. Oktober fällen. Wichtig ist Aylin Doğan dabei: „Wir beobachten die Entwicklung genau.“ Natürlich können sich Bedarfe auch schnell wieder ändern. Aktuell aber gelte: „Wer einen Kitaplatz will, der bekommt einen.“