Durch die Netzstörung am Sonntag sind offenbar viele Geräte beschädigt worden.
Minutenlange ÜberspannungDurchlauferhitzer explodierten in Leverkusen

Eine Übergabestation in Wiesdorf, bei der Strom von Überland- Hochspannungsleitungen in Erdkabel übergeleitet wird.
Copyright: Ralf Krieger
Im Stromnetz in Alkenrath, Schlebusch, Steinbüchel, Bergisch Neukirchen und Lützenkirchen hatte es, wie berichtet, am Sonntag eine Überspannung gegeben, eine Spannungsspitze, die viele Elektrogeräte nicht vertragen haben. Danach fiel der Strom für 20 Minuten aus. Den relativ kurzen Stromausfall haben viele Leverkusener gar nicht bemerkt, dafür aber die Folgen durch die Spannungsspitze, die durch ein defektes Gerät im übergeordneten Mittelspannungsnetz verursacht worden sei, wie die EVL mitteilt.
Aus dem Mittelspannungsnetz bezieht die EVL ihren Strom, den sie an Endkunden weiterverkauft. Laut EVL-Sprecher sei die Spannung in ihrem Netz über mehrere Minuten um 25 Prozent höher gewesen, demnach müssten angeschlossene Elektrogeräte etwa 290 Volt ausgesetzt gewesen sein, normal sind 230. Das halten viele Komponenten nicht aus. Durch die Länge der Überspannung erklärt sich vielleicht auch der Schaden, den eine Person im Netz beschreibt: Bei ihm sei nicht die Sicherung, sondern ein Dreifachstecker durchgeschmort, an dem der Kühlschrank hing.
Defekte soll es besonders oft bei elektrischen Durchlauferhitzern gegeben haben. Der Elektriker Bernhard Huhn aus Schlebusch berichtet von einem Durchlauferhitzer, der explodiert sei. Der Fachmann vermutet, dass das Gerät gerade in Betrieb gewesen sei, als es plötzlich die viel zu hohe Spannung bekommen habe. Das Wasser im Durchlauferhitzer soll eigentlich nur erwärmt werden, es könnte aber gekocht haben und dadurch ein Überdruck entstanden sein. Er und weitere Kollegen aus der Branche hätten viel zu tun, sagt er. Noch seien nicht alle Aufträge abgearbeitet.
Alles zum Thema Bergisches Land
- Schulschließungen in NRW „Distanz zu den Lehrern, aber nicht zu mir“ – vier Erfahrungsberichte
- Mülltrennung Bergisch Gladbach bekommt die gelbe Tonne
- Herpes Zoster Immer mehr Menschen landen mit Gürtelrose im Krankenhaus
- Januarspielplan Oberbergische Kulturfreunde erwartet volles Programm
- Minutenlange Überspannung Durchlauferhitzer explodierten in Leverkusen
Über Schäden wird auch in Kommentaren im Internet geschrieben: Router sollen nach der Spannungsspitze am Vormittag defekt gewesen sein. Andere berichten im Netz davon, dass die Waschmaschine Fehler anzeigt oder die Hifi-Anlage defekt sein soll. Eine Leserin beschreibt, dass es nachmittags merklich kälter im Haus geworden sei. Dann habe sie festgestellt, dass die Heizung nicht funktioniere, sie brauchte aber nur neue Sicherungen. Ein Betroffener teilt mit, dass seine Überwachungskamera den Geist aufgegeben habe.

Vorsicht Hochspannung
Copyright: Ralf Krieger
Innerhalb weniger Minuten habe die Energieversorgung Leverkusen am Sonntag die Rückwirkungen auf ihr Mittelspannungsnetz durch Netzumschaltung behoben und es stabilisiert, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Bei der EVL drehte sich am Montag noch fast alles um die Folgen der Spannungsspitze vom Vortag. An einen Fall wie diesen habe sich in der Firma niemand erinnern können, sagte der Sprecher.
Der Schaden dürfte bei vielen tausend Euro liegen. Wer für die Schäden durch den Stromschlag aufkommt? Zu der Frage haben sich Diskussionen entwickelt. Der Stromlieferant in die einzelnen Haushalte ist die EVL. Die EVL hat am Sonntag mitgeteilt, dass sie keine Schuld für die Spannungsspitze habe, Verursacherin sei die Firma Westnetz GmbH. Auf ihrer Webseite hat die EVL einen Weiterleitungslink zur Westnetz-Webseite eingestellt, auf der der Schaden online gemeldet werden kann. Der Alkenrather Rechtsanwalt Joachim Schweden, selbst vom Ausfall betroffen, zweifelte die Darstellung der EVL in einem Artikel auf Facebook an: Er messe der „mal so schnell rausgehauenen“ Schuldbefreiung der EVL nicht die allergrößte Bedeutung zu.
Ein Sprecher der EVL erklärte, dass das Vorgehen mit Juristen aus dem Haus abgeklärt worden sei.
Die EVL arbeitet seit Sonntag einen erheblichen Berg an Störungsfällen ab, auch noch am Montag. Mitarbeiter seien am Sonntag bis nach Mitternacht unterwegs gewesen. Hauptsächlich hätten sie durchgebrannte Hauptsicherungen austauschen müssen; die altertümlich anmutenden Schmelzsicherungen sind zwischen dem Haus-Sicherungskasten und der Hausanschlussleitung zwischengeschaltet. Sie brennen bei Überspannung durch und müssen dann gewechselt werden.
Den letzten Hausbesuch der Nacht hätten die Techniker am Montagmorgen um kurz nach 1 Uhr dokumentiert, insgesamt sei man zu 200 Haushalten gefahren.

