Manfred Wiethüchter blickt auf seine Kindheit und Jugend zurück: Kinder in Leverkusen sollen heute nicht mehr die Probleme haben, die er vor 80 Jahren hatte.
Leverkusener Ehrenamtler abgetretenUrsprung zu Spende für Musikschule an Weihnachten 1945

Manfred Wiethüchter (r.) bei der Verleihung des ersten „Löwen“ an Rudi Völler (l.) im Jahre 2006. Zwischen dem langjährigen Ehrenamtler und dem Weltmeister von 1990 steht Völlers Frau Sabine. (Archivfoto)
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Vor mittlerweile etwas mehr als 23 Jahren ging Manfred Wiethüchter in Pension, zuvor war der Wahl-Leverkusener 35 Jahre lang Vorstand bei der Volksbank Rhein-Wupper, dem Vorgänger der „VR Bank Bergisch Gladbach-Leverkusen“. Seine Familie schenkte dem da schon seit vielen Jahrzehnten musikbegeisterten Wiethüchter ein Wildhorn. Allerdings entschied sich der langjährige Bankvorstand, wie er nun erzählt, gegen die Möglichkeit, seine Freizeit komplett in das Musizieren zu investieren.
Stattdessen war er eines der Gründungsmitglieder des Leverkusener Wohltätigkeitsprojektes „Ein starkes Stück Rheinland e. V.“ Ein Projekt des Vereins: die Verleihung des „Leverkusen-Löwen“. Seit 2006 werden Persönlichkeiten, die Leverkusen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gemacht haben, mit der Bronze-Skulptur ausgezeichnet. Erster Preisträger war, vor mittlerweile 20 Jahren, Rudi Völler, der den „Löwen“ von Wiethüchter erhielt.
Spender wurde bei der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden überrascht
Am Donnerstag, 15. Januar, schloss sich für Wiethüchter beim feierlichen Termin in der Wiesdorfer Musikschule für den langjährigen Opladener ein Kreis. Denn Wiethüchters Nachfolger in seinem Verein, der mittlerweile zum „Wir für Leverkusen – ein starkes Stück Rheinland e.V.“ zusammengeführt wurde, und im Beruf kamen zusammen, um eine weitere Herzensangelegenheit zu unterstützen.
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Im Rahmen von Wiethüchters Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Wohltätigkeitsvereins wurde ihm von der „VR Bank“ die Möglichkeit gegeben, ein Projekt seiner Wahl mit einer Spende in Höhe von 2500 Euro zu unterstützen. „Auf Anhieb und spontan“, wie der Spender erzählt, kam ihm der Gedanke, das Geld der Musikschule Leverkusen zukommen zu lassen.

Manfred Wiethüchter (2.v.r.) übergibt die Spende an Matthias Fromageot (l.) und Birthe Metzler (3.v.l.) von der Musikschule Leverkusen. Über das Engagement freuen sich auch Thomas Büscher von der VR Bank (2.v.l.) und Uwe Beenen, Wiethüchters Nachfolger bei „Wir für Leverkusen“.
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Als Wiethüchter diese Entscheidung erklärt, nimmt er die Anwesenden mit auf eine Zeitreise – mehr als 80 Jahre zurück, zum ersten Weihnachtsfest nach Ende des Zweiten Kriegs im Dezember 1945. Damals habe er achtjährig eine Mundharmonika geschenkt bekommen – und sofort vor Begeisterung begonnen, an den Weihnachtsfeiertagen so intensiv zu proben, dass er schon wenig später zahlreiche Weihnachtsstücke vorspielen konnte.
An Weihnachten 1946 sei eine Geige seines Patenonkels das nächste musikalische Geschenk gewesen. „Man hatte ja nichts zu verschenken“, blickt Wiethüchter zurück. So fiel die Entscheidung seines Onkels, etwas aus dem eigenen Fundus zu verschenken. Der langjährige Bankvorstand ergänzt: „Wir waren bitterarm.“
Allerdings kam da schnell die Erkenntnis: Um beim Spiel mit der Geige wirkliche Fortschritte machen zu können, benötige es Unterstützung. Der Satz „Der Junge braucht Unterricht“ ließ sich aber lange nicht in die Tat umsetzen, das nötige Geld fehlte.
Nach dem, was ich erlebt habe, möchte ich helfen.
Das änderte sich erst mit 17 Jahren, dann aber auch nur über Kontakte, die Wiethüchter eine Stunde wöchentlich Unterricht am Horn ermöglichten. Da war er längst mit dem musikalischen Virus infiziert – so wie es mehr als ein halbes Jahrhundert später auch noch vielen jungen Leverkusenerinnen und Leverkusenern geht. Genau sie und deren Förderung will Wiethüchter nun mit der Spende unterstützen: „Nach dem, was ich erlebt habe, möchte ich helfen.“ Ihm sei wichtig, „dass es anderen Kindern nicht so geht wie mir damals“, erklärt Wiethüchter mit Blick auf seine Erlebnisse in den 1940er- und 50er-Jahren.
Der neue Ehrenvorsitzende von „Wir für Leverkusen“, zuvor war er zwölf Jahre lang Vorsitzender, übergab den Spendenscheck an Matthias Fromageot, Leiter der Musikschule – dessen Reaktion: „Wir machen was draus.“
Durch die Spende sollen besonders begabte Musikschülerinnen und -schüler gefördert werden, bei denen die insgesamt 76 Lehrkräfte vor Ort entsprechendes Entwicklungspotenzial sehen, für die es aber aus oftmals familiären Gründen nicht leicht ist, die entsprechenden Mittel aufzubringen. Die Verantwortlichen der Musikschulen denken dabei in erster Linie an die Aufstockung der Unterrichtseinheiten.
Auch Wiethüchter ist mit dem Gedanken schon durchaus dabei, was sich mit den 2500 Euro bewirken lässt. Denn natürlich geht es bei den jungen Musikerinnen und Musikern auch darum, dass sie mal zur Schau stellen, was der Unterricht bewirkt. „Das würde ich gerne hören“, erklärt der Spender. Für die anstehenden Veranstaltungen der Musikschule ist also ein begeisterter Gast schon einmal gefunden – der wohnt seit 1961 in Leverkusen und ist seit mittlerweile 64 Jahren mit seiner Frau verheiratet. Schon ein bemerkenswertes Lebenswerk des Manfred Wiethüchter, der nun, 80 Jahre nach seinen musikalischen Anfängen, den Talenten der Gegenwart helfen will.

