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LeverkusenNeubauprojekt in Rheindorf überzeugt die Anwohner nicht

4 min
WGL-Chef Gerald Hochkamer vor einer Skizze

WGL-Chef Gerald Hochkamer hatte nicht immer einen leichten Stand in der Bürgerversammlung. Warum, ist in seinem Rücken zu sehen: Die Bebauung um den Königsberger Platz wird sehr verdichtet.

Es wird dicht am Königsberger Platz. Zu dicht, finden viele Bewohner.

Als auf dem großen Bildschirm hinter Gerald Hochkamer die Vogelperspektive auf den künftigen Königsberger Platz aufpoppte, ging ein gequältes Raunen durch die Kirche. Die Draufsicht vermittelt einen recht guten Eindruck davon, wie das heute schon recht dicht bebaute Gebiet in fünf bis sieben Jahren aussehen wird.

Am Dienstagabend stellte sich die WGL-Führung gemeinsam mit den Planern zum zweiten Mal den Anwohnern in Rheindorf. Diesmal im Rahmen eines rechtlichen Verfahrensschrittes: Bebauungs- und Flächennutzungsplan liegen noch bis Mittwoch, 4. März, öffentlich aus. Zum einen auf der Stadt-Seite im Internet, zum anderen im Technischen Rathaus an der Hauptstraße 101 in Wiesdorf.

320 neue Wohnungen

Die WGL will die Zahl der Wohnungen in dem Areal rund um den Königsberger Platz ungefähr verdoppeln: 320 sollen es werden. Dazu muss mehr Platz geschaffen werden – was aus Sicht der Anwohner eines der Probleme ist: Die „Sternhäuser“, die östlich des Platzes an der Samland- und Memelstraße stehen, müssen weg. Die ersten Abbruchbagger sollen in eineinhalb bis zwei Jahren anrücken, präzisierte Hochkamer auf Nachfrage.

Die einst ziemlich großzügig mit einem überdachten Innenhof gebauten Häuser „sind durch“, so der WGL-Chef. Würde man sie nicht abbrechen, müssten sie „kernsaniert werden. Auch dann müssten die Mieter ausziehen.“ Das sei natürlich „eine Zumutung“, räumte der Geschäftsführer der städtischen Tochtergesellschaft ein. Sein Versprechen: Auf jeden Betroffenen werde man „persönlich zugehen und eine passende Lösung finden“.

Die Vogelperspektive auf das Gebiet am Königsberger Platz, wie er in fünf bis sieben Jahren aussehen soll.

Die Vogelperspektive auf das Gebiet am Königsberger Platz, wie er in fünf bis sieben Jahren aussehen soll.

Viele der Leute aus den Sternenhäusern haben ihre Wohnungen lieb gewonnen und möchten sie nicht eintauschen. Aber nicht nur von ihnen kam am Dienstagabend in der wiederum sehr gut besetzten Kirche Kritik. Es ist die viel dichter geplante Bebauung in einem Gebiet, in dem sowieso schon sehr viele Menschen wohnen. „Wir wollen kein Chorweiler 2“ stand auf einem Plakat, das zwischendurch hochgereckt wurde. Eine Bewertung, die den WGL-Chef regelmäßig in Rage bringt. Das Gebiet um den Königsberger Platz und erst recht Rheindorf-Nord, wo sein Unternehmen 2400 Wohnungen besitzt, sei mit dem längst verrufenen Stadtteil im Kölner Norden überhaupt nicht zu vergleichen.

Alle könnten sich darauf verlassen, dass die WGL sorgfältig und hochwertig baut, beteuerte Hochkamer. Um einen besseren Eindruck davon zu vermitteln, wie der Bereich eines Tages aussehen soll, war sogar aufwendig ein Film angefertigt worden. Der Zweieinhalb-Minüter kam nicht bei allen gut an, die sich in der Kirche versammelt hatten, die unmittelbar an das Plangebiet grenzt. Aber: Es gab auch Applaus.

Rheindorf-Nord Foto: Geobasis NRW

Und so sieht der Bereich heute aus.

Der Film zeigt einerseits viel Grün. Andererseits lässt er auch recht gut erahnen, dass es ziemlich eng wird zwischen den geplanten Wohnblocks. Die Hälfte der 320 Einheiten soll Sozialwohnungen sein, zwei Drittel wird man mit dem Wohnberechtigungsschein der Kategorie A, den Rest mit Kategorie B beziehen können. Letztere sind dann etwas für Leute mit etwas höherem Einkommen.

Das braucht man nach Einschätzung der Anwohner allerdings auch schon, wenn man in das von der WGL zunächst einem luxemburgischen Immobilienfonds abgekaufte und dann sanierte „rote Haus“ einziehen will. In seiner jetzigen Gestalt sei der Bau direkt am Königsberger Platz „ein großer Fortschritt“ für das Quartier, betonte der WGL-Chef – worauf er sich einen ironischen Zwischenruf einfing: „sehr preiswert“.

Das Publikum bei der Bürgerversammlung zur Bebauung am Königsberger Platz in der Kirche Zum Heiligen Kreuz

Das Interesse an den Bauplänen für den Königsberger Platz war wieder sehr groß. Und es wurde lebhaft diskutiert in der Kirche Zum Heiligen Kreuz.

Für Hochkamer geht kein Weg daran vorbei, in Rheindorf einen großen Schwung neuer Wohnungen zu bauen. „Der Druck auf den Leverkusener Wohnungsmarkt ist enorm hoch.“ Mit Blick auf die immer wieder geäußerte Kritik, dass in Rheindorf ein sowieso schon eng bebauter Bereich noch mehr verdichtet wird, führte der WGL-Chef größere Projekte in Manfort und in Schlebusch an. Eine Zuhörerin aber weitete den Blick mit dieser Frage: „Wie konnte es die Stadt Leverkusen zulassen, dass überall teure Wohnungen und Häuser wie von Paeschke gebaut werden?“

Stefan Karl, der im Rathaus den Bereich Stadtplanung leitet, argumentierte mit der Mischung, die es auf dem Immobilienmarkt nun mal geben müsse. Und: Wenn zum Beispiel eine Familie in ein Reihenhaus ziehe, werde ja auch eine Mietwohnung frei.

Es wurde aber auch deutlich, dass sich viele einfach nicht mitgenommen fühlen, trotz nun zweier Informationsveranstaltungen. Als Planer Richard Henning das Projekt vorstellte, riss einem Zuhörer schon der Geduldsfaden. „Wo kommen wir hin?“, wollte er wissen. Und hat den Eindruck, dass „das alles schon endgültig ist“, die Betroffenen also gar nichts mehr ausrichten können. Was das gequälte Raunen beim Anblick der Planskizze erklärt.