Abwärme aus dem Chempark, anderen Industriebetrieben und der Wupper könnte Gas auf Dauer ersetzen.
ZwischenberichtWärmewende in Leverkusen nimmt Gestalt an

Abwärme aus dem Chempark wäre ein sehr guter Energielieferant für Heizungen in Wiesdorf.
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Heizen, ohne die Erdatmosphäre weiter zu schädigen? 2045 soll das Wirklichkeit sein, und gerade ist die Wärmeplanung in Leverkusen einen Schritt weiter. In diesen Tagen hat die Stadtverwaltung den ersten Zwischenbericht auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Er zeigt auf 237 Seiten, wo zum Beispiel Fernwärmenetze machbar wären und mit welcher Art Energie sie betrieben werden könnten. Zu dem Bericht ist auch eine Informationsveranstaltung für jedermann geplant: Sie beginnt Donnerstag, 26. Februar, um 17 Uhr im Forum.
Knapp zehn Prozent des Leverkusener Energiebedarfs fällt in Wiesdorf an, und dabei ist der Chempark nicht eingerechnet. Würde dort treibhausgasneutral geheizt, wäre das ein wichtiger Beitrag. Derzeit stoßen Wiesdorfs Haushalte 25.590 Tonnen Treibhausgas im Jahr aus. Das sind acht Prozent der gesamten Emissionen in Leverkusen.
Betrachte man alle Gebäude in Wiesdorf, ergebe sich ein Durchschnittsalter von 90 Jahren. Daraus resultiere ein vergleichsweise hoher Wärmebedarf von 128 Kilowattstunden pro Quadratmeter Wohnraum. Mehr als die Hälfte der Gebäude verbrauchen mehr als 30 Megawattstunden Nutzenergie im Jahr – dieser Wert gilt als problematisch hoch. Was andererseits ein deutliches Sparpotenzial ergebe, so die Autoren der Studie: rund 32 bis 46 Prozent – das ist allerdings nur ein theoretischer Maximalwert: Dafür müsste man den gesamten Gebäudebestand in Wiesdorf sanieren.
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Viel Fernwärme in Wiesdorf
Geheizt wird in Wiesdorf vor allem mit Gas, Fernwärme spielt eine bedeutende Rolle, zeigt der Bericht: 21 Prozent der Energie werden auf diesem Wege bereitgestellt. Das lasse indes auch darauf schließen, dass vor allem Verbraucher mit hohem Bedarf am Wärmenetz hängen. Es könnten noch mehr werden – das könne „aus technoökonomischer Sicht sowohl für die Verbraucher als auch die Netzbetreiber vorteilhaft“ sein.
Natürlich bringt es für das Klima nichts, wenn man das Wärmenetz erweitert und es mit Gas betreibt. Als alternative Energiequelle sieht die Studie den Chempark, in dem industrielle Abwärme in Massen anfällt. „Andere oder ergänzende Wärmequellen können insbesondere Abwasserwärme, Geothermie und Solarthermie sein“, heißt es im Zwischenbericht zur kommunalen Wärmeplanung.
Manfort braucht weniger Energie
In Manfort fallen mit rund 9600 Tonnen pro Jahr deutlich weniger Treibhausgasemissionen an als in Wiesdorf. Trotzdem ist der Stadtteil ein Gebiet, in dem die Wärmeplanung eher leicht fällt. Das durchschnittliche Baujahr aller Gebäude ist 1943, der Bestand somit nur sieben Jahre jünger als im großen Nachbarstadtteil. Dieser leichte Altersunterschied macht sich allerdings schon im Wärmeverbrauch bemerkbar: Er wurde mit 119 Kilowattstunden pro Quadratmeter ermittelt; auch das sei noch ein „vergleichsweise hohes Niveau“, heißt es im Bericht. Das energetische Sanierungspotenzial liege, je nach Szenario, im Bereich von 29 bis 44 Prozent.

Das Müllheizkraftwerk der Avea kann nicht grenzenlos ausgebaut werden.
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Auch Manfort heizt überwiegend mit Gas; es sei der „deutlich dominierende Energieträger“ und präge die heutige Wärmeversorgung „technisch maßgeblich“, steht im Zwischenbericht. Das Fernwärmenetz im Norden des Stadtteils versorge zwar sieben Prozent der Gebäude, decke aber nur 3,7 Prozent des Energiebedarfs. Das deute darauf hin, dass im Unterschied zu Wiesdorf mehr Verbraucher mit geringem Bedarf angeschlossen sind.
Den grenzwertig hohen Energiebedarf von mehr als 30 Gigawattstunden im Jahr haben – anders als in Wiesdorf – nur rund 40 Prozent der Gebäude in Manfort. Als Alternative zum Gas biete sich auch in Manfort industrielle Abwärme an, außerdem Geothermie.
Sanierungsstau in Schlebusch
Dass etwas neuere Häuser keine Garantie für einen niedrigen Energieverbrauch bieten, zeigt sich im Westen von Schlebusch. Obwohl das Gebiet eher klein ist, belaufen sich die Treibhausgasemissionen auf gut 7300 Tonnen im Jahr. Der spezifische Wärmebedarf betrage 121 Kilowattstunden pro Quadratmeter, obwohl die Gebäude im Schnitt 20 Jahre jünger sind als in Manfort. Der hohe Verbrauch deute „auf einen geringen Sanierungsstand hin“, heißt es in der Studie. Das Sparpotenzial sehen die Autoren bei 25 bis 42 Prozent.
Auch in Schlebusch wird vor allem mit Gas geheizt. Im Norden allerdings kreuzt ein Fernwärmenetz das Gebiet. Daher „bietet sich insbesondere eine Prüfung des Netzausbaus an, um zusätzliche Verbraucher im Gebiet perspektivisch an eine netzgebundene Wärmeversorgung anschließen zu können“, heißt es. Die Untersuchung der Verbräuche zeige, dass im Westen Schlebuschs „überdurchschnittlich viele Verbraucher mit einem vergleichsweise großen Wärmebedarf angesiedelt sind“. Fernheizungen könnten also erhebliche Spareffekte bringen – wenn sie denn mit Abwärme aus der Industrie oder mit Geothermie betrieben werden. Auch in Schlebusch gebe es dafür Möglichkeiten, aber die Erschließung sei komplizierter als in Wiesdorf und Manfort.
Opladen ist ein schwieriger Fall
Opladen schließlich bietet sich wegen seiner dichten Bebauung für ein Fernwärmenetz theoretisch zwar an, zeigt der Zwischenbericht auf. Auch der hohe Verbrauch von 136 Kilowattstunden pro Quadratmeter spreche für eine andere Wärmeversorgung als mit Gas, das derzeit mit 90 Prozent der überragende Energieträger ist und vielleicht durch Wärme aus der Wupper zum Teil ersetzt werden könnte.
Aber die Rahmenbedingungen seien ungünstig: Für das Netz müssten viele Straßen aufgerissen werden, was in der engen Struktur schwierig sei. Auch wegen der vorhandenen Leitungen sei „mit einem überdurchschnittlichen Aufwand für Erdarbeiten zu rechnen“. Das betreffe außerdem die Trassenführung „und wirkt sich unmittelbar auf Investitionskosten und Bauzeiten aus“.
Dazu komme die besonders angespannte Verkehrssituation in Opladen. Man könne Straßen nur begrenzt sperren, Umleitungen seien schwierig. Das verlängere außerdem die Genehmigungszeiten. Schließlich sei im dicht bebauten Opladen nicht viel Platz für Heizkraftwerke, Übergabestationen oder Speicher. Dass viele Häuser unter Denkmalschutz stehen, sei ein weiteres Hindernis.
Unterm Strich sei der Bau eines neuen Fernwärmenetzes in Opladen besonders teuer „und mit erhöhten Planungs- und Umsetzungsrisiken verbunden“. Der Idealfall für eine zentrale Wärmeversorgung sei der Stadtteil nicht. Auch dezentrale Strukturen könnten eine Lösung sein.

