Seit zwei Jahren brüten Beamte in der Kölner Bezirksregierung über das Leverkusener Grundwasser. Eine Entscheidung über das wichtige Thema ist aber noch immer nicht gefallen.
Currenta-AntragÜber die Wasserrechte in Leverkusen ist noch nicht entschieden

Rund um den Chempark wird Grundwasser abgepumpt. Die unauffällige Reihe Brunnen befindet sich zwischen dem Werkszaun und dem Radweg an der Bundesstraße 8 nördlich von Tor 11.
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Inzwischen sind mehr als zwei Jahre vergangen, seit am 4. Dezember 2023 im großen Saal der Kölner Bezirksregierung ernsthaft über das Grundwasser am Rhein verhandelt worden ist. Der Hintergrund: Currenta hat einen Antrag für eine „Wasserrechtliche Erlaubnis“ gestellt. Mit dieser Erlaubnis dürfte die Firma fast 75 Millionen Kubikmeter Grundwasser im Jahr aus dem Erdreich rund um den Leverkusener Chempark fördern. Currenta hat beantragt, dass die Fördererlaubnis für 30 Jahre gelten soll. Eine ähnliche wasserrechtliche Genehmigung hatte Bayer in den 1990er-Jahren erhalten. Currenta, als Nachfolgeunternehmen, will sie jetzt im Prinzip verlängern.
Besonders gegen die lange Laufzeit und auch gegen die enorme Menge Wasser hat es zahlreiche Widersprüche von Einzelpersonen und auch vom BUND (Bund für Umwelt- und Naturschutz) gegeben.
Um eine Vorstellung zu bekommen, um wie viel Wasser es sich bei 75 Millionen Kubikmetern handelt, kann ein Vergleich helfen: Es ist so viel Wasser, wie im Rhein bei mittlerem Wasserstand in zehn Stunden an Leverkusen vorbeifließen.
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Ein Sprecher der Bezirksregierung schreibt auf Anfrage: „Da parallel eine Vielzahl an prioritären Entnahmeverfahren der öffentlichen Wasserversorgung und Wassersicherstellung bei meiner Behörde anhängig sind, konnte die fachliche Prüfung des Antrages (von Currenta, d. Red.) zur Grundwasserentnahme für den Werksbereich bislang nicht abgeschlossen werden.“ Die Leverkusener Prüfung sei komplex, letztlich liefen aber zu viele Verfahren parallel, die auch hydrologisch und naturschutzfachlich kompliziert seien.
Die alte Bayer-Erlaubnis läuft weiter
Bis zur Entscheidung laufe im Prinzip die alte Erlaubnis weiter, denn Currenta halte sich an die Regeln des vorhandenen Wasserrechts und die Bezirksregierung sehe keine nachteiligen Auswirkungen durch die bisherige Entnahme. „Der jetzige Zustand der Weiterförderung bei ausgelaufener Gestattung ist mir als Überwachungsbehörde bekannt und wird fortlaufend beobachtet“, schreibt der Behördensprecher.
Die Behörde habe bereits vor dem Auslaufen der früheren Erlaubnis geprüft, ob die Grundwasserförderung zu untersagen sei. Die sei aber unverhältnismäßig, da Currenta allen Anforderungen zügig nachkomme, schreibt der Sprecher. Wann die Bezirksregierung womöglich zu einer Entscheidung kommt, teilte er nicht mit.
Die Sorgen, die sich Bürger, Politikerinnen und Verbände wegen der enormen Wasserförderung machen, beziehen sich meist auf die 30 Jahre lang gültige Erlaubnis: Auch die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Nyke Slawik, hatte einen Einspruch formuliert.
Welche klimatischen Verhältnisse Mitte der 2050er-Jahre hier herrschen, wie viel Regen dann noch fällt, ist derzeit nicht absehbar, so die vielfach geäußerte Kritik. Falls zum Beispiel mehrere Dürrejahre hintereinander kommen sollten, wäre die Entnahme nicht in Ordnung. Ein anderer Einwender bemerkte, es sei ungewiss, wem Currenta dann gehöre, wem man das Leverkusener Grundwasser dann anvertraue. Auch ein theoretisch möglicher Wasserexport wäre wohl nicht grundsätzlich verboten.

