Unternehmen und Jugendliche kommen zusammen, doch bei Bewerbungen sehen Betriebe deutliche Schwächen.
Zwischen Hoffnung und RealitätJugendliche auf Jobsuche bei der Ausbildungsmesse in Manfort

"Wir müssen die Jugendlichen an die Berufe heranführen", sagt Vera Niederle von der Bundesagentur für Arbeit in Leverkusen.
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Im Wuppermann Bildungswerk Leverkusen GmbH treffen bei der Ausbildungsmesse Jugendliche auf potenzielle Arbeitgeber – und damit auf konkrete Chancen für den Berufseinstieg. Bereits am Vormittag besuchten rund 250 Schülerinnen und Schüler die Veranstaltung, am Nachmittag werden ähnlich viele erwartet. Insgesamt sind 26 Schulen aus Leverkusen vertreten, von Gymnasien über Real- und Hauptschulen bis hin zu Berufskollegs. „Man merkt, es spricht sich herum“, sagt Vera Niederle von der Bundesagentur für Arbeit in Leverkusen.
Große Auswahl erschwert Entscheidungen
Rund 40 Unternehmen stellen etwa 30 verschiedene Ausbildungsberufe vor. Von handwerklichen und kaufmännischen Tätigkeiten bis hin zu technischen Berufen wie Industriemechaniker oder Chemikant. „Wir haben für jeden etwas – und für die, die richtig viel wollen, erst recht“, sagt Christian Remmler, Geschäftsführer des Wuppermann Bildungswerks in Leverkusen. Gleichzeitig sieht er ein Problem: „Die Vielfalt der Entscheidungsmöglichkeiten hemmt die Entscheidungsfreudigkeit“, sagt der 46-Jährige. Viele Jugendliche orientierten sich zudem an veralteten Berufsbildern aus ihrem Umfeld. Im vergangenen Jahr haben 450 junge Menschen die Messe besucht. Für Dienstag rechnet Vera Niederle mit einem ähnlichen Andrang.
Für Unternehmen aus der Region ist die Messe wichtig, um sichtbar zu werden und direkt mit potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern ins Gespräch zu kommen. Die Kronos Titan GmbH nutzt die Gelegenheit gezielt, um auf sich aufmerksam zu machen. „Es ist eine gute Möglichkeit, Kontakte zu Schülerinnen und Schülern zu knüpfen, auch wenn es zum Beispiel erst einmal nur für ein Praktikum ist“, sagt Ina Haase. Das Unternehmen bildet Chemikanten, Elektroniker und Chemielaborantinnen aus. Aktuell gibt es 43 Auszubildende.

Insgesamt zehn M+E-Info-Trucks informieren kostenfrei an Schulen und bei Veranstaltungen über die Ausbildungs- und Berufsmöglichkeiten in der Metall- und Elektroindustrie.
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Kritik an Vorbereitung und Bewerbungen
Auch die Minimax GmbH, ein Brandschutzunternehmen, wirbt um Nachwuchs für ihre spezialisierten Ausbildungswege. „Es ist wichtig, dass im Anschreiben klar wird, warum sich die jungen Leute genau bei uns bewerben“, erklärt Ausbilderin Marion Gummersbach. Auch Stefanie Tischler aus dem Ausbildungsbereich vom Amtsgericht Leverkusen berichtet von Defiziten bei den Bewerbungen.
„Die Schulen müssen die Bewerber und Bewerberinnen besser vorbereiten“
Viele Schülerinnen und Schüler seien nicht ausreichend auf das Auswahlverfahren vorbereitet, es gebe Probleme bei Sprachkenntnissen und Leseverständnis. „Das beginnt bei Höflichkeitsformen und der passenden Kleidung im Vorstellungsgespräch und geht bis zum E-Mail-Kontakt“, so Stefanie Tischler. Die Zahl der Bewerber sei nicht das Problem, aber die Vorbereitung der Kandidaten auf das Bewerbungsverfahren oft nicht ausreichend. „Die Schulen müssen die Bewerber und Bewerberinnen besser orbereiten“", sagt Stefanie Tischler.
Besonders viele Jugendliche trifft man gegen Mittag nicht mehr. Summer Kelterbaum macht nächstes Jahr ihren Realschulabschluss. „Ich habe hier die Bundeswehr und die Rettungssanitäter für mich entdeckt“, sagt die 15-Jährige. „Ich möchte unbedingt was mit Menschen machen. Außerdem ist mir wichtig, dass ich Spaß in meinem Job habe.“
Auf der Messe können Bewerbungen direkt abgegeben und erste Kontakte geknüpft werden. Gleichzeitig stehen auch Unternehmen unter Druck, sich voneinander abzuheben. „Am Ende ist es oft nicht der Beruf, sondern die Rahmenbedingungen, die entscheiden“, sagt Christian Remmler.


