Die Sportartikelkette Decathlon belebt seit Freitag die erste Etage des Gebäudes.
EröffnungNeustart für den früheren Kaufhof in Leverkusen

Gute Stimmung, viel Lärm: Die Eröffnung von Decathlon wurde am Freitag gehörig zelebriert.
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War es Neugier oder eher der Zehn-Euro-Gutschein, der in vielen Wiesdorfer Haushalten zuletzt im Briefkasten war? Man weiß es nicht. Jedenfalls war die Crowd nicht klein, die am Freitag um 10 Uhr die Terrassentreppe am früheren Kaufhof hinaufstürmte. Eine Band sorgte für gute Stimmung. Diesen Job behielten die Musiker auch im Geschäft, indem sie immer wieder Runden drehten durch die Decathlon-Filiale.
Der französische Sportartikel-Discounter hat Leverkusen schon seit mehr als einem Jahrzehnt auf der Liste. Zuerst sollte noch ein großer Markt unweit des heutigen Möbelhauses Ostermann gebaut werden. Sozusagen auf der grünen Wiese.
Die Entdeckung der Innenstädte
Dann kam der Strategiewechsel – Decathlon entdeckte die deutschen Innenstädte. Dabei variiert die Größe der Filialen beträchtlich: „Wir suchen zwischen 500 und 8000 Quadratmeter“, sagt Abdelaziz Rachidi, der die Decathlon-Expansion „in Westdeutschland“ koordiniert. Heißt: „Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hessen“ – macht Rachidi natürlich nicht alleine, sondern „mit einem Team“.
Dieser Begriff kommt auch Katrin Bruns schon im ersten Halbsatz über die Lippen. Da ist die passionierte Handballerin, die jetzt in Mettmann spielt, ganz Sportsfrau. Die 35-Jährige stieß 2015 erstmals zu Decathlon. Da hatte sie ihr Sportstudium noch nicht komplett absolviert. Sie benötigte Spike-Schuhe, „die ich nur ein Jahr brauchte“, berichtete sie am Freitag. Ein Kumpel empfahl ihr Decathlon in Essen, das Produkt war offenkundig gut. Und das Unternehmen eine gute Adresse, zunächst für einen Job neben dem Studium. Nach dem Abschluss blieb Bruns.

Katrin Bruns hat in Wiesdorf ihre erste Filiale selbst konzipiert und eröffnet.
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Und stieg zügig auf: 2017 wurde sie Teamleiterin, danach habe sie geholfen, den Store in Bremen-Brinkum aufzuziehen. 2022 übernahm sie die Leitung der Decathlon-Filiale in Wuppertal. Und von dort ging es nach Leverkusen.
Das Konzept für den Laden, der einen Großteil der ersten Etage im ehemaligen Kaufhof belegt, habe sie eigenständig erarbeitet, sagt sie. Nicht jeder Standort ist gleich. Vielmehr geht es darum, die richtigen Schwerpunkte zu finden. Das Sortiment des Sportartikelhändlers mit französischen Wurzeln wirkt allumfassend; in Wiesdorf landet man, wenn man nicht die Außentreppe nimmt, sondern den Aufzug aus den Luminaden, bei Bergsport und Wandern.
Nach einer Linkskurve kommen Fahrräder in allen erdenklichen Ausführungen und für jede Lebensphase. Hinter der nächsten Kurve wartet ein breites Fitness-Sortiment. Dort stehen auch Geräte, die alle ohne Stromversorgung funktionieren, die unvermeidliche Protein-Kraftnahrung und als Hingucker ein Carbon-Rennrad der Hausmarke van Rysel. Mit der stößt Decathlon ins High-End-Segment vor. Produkte, die gut sind für das Renommée.

In diesen Schließfächern können Decathlon-Kunden bestellte Ware abholen – 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche.
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Der weitaus größte Teil der 2300 Quadratmeter Verkaufsfläche gehört aber den preiswerteren Produkten. Wichtig war auch, dass der Laden nicht zu vollgestellt wirkt und sehr breite Gänge hat, obwohl die Palette sehr weit ist. 67.000 Artikel habe die Erstausstattung umfasst, so Filialleiterin Bruns. Ihr Team umfasst derzeit gut zwei Dutzend Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und rund 35 Jahren. Im Sommer sei die Belegschaft latent größer, im Winter etwas kleiner, heißt es.
Besonders nervös sei sie ganz zum Schluss nicht mehr gewesen, berichtet Bruns. Bei den letzten Handgriffen vor der Eröffnung habe es jede Menge Unterstützung aus anderen Standorten gegeben.
Lokalen Support bei der Eröffnung gab es am Freitag vom Bayer-04-Maskottchen. Die Kontakte zum Verein „sind da“, sagte Bruns. Und sie sollen auch weiter genutzt werden. Beileibe nicht nur zum Fußball, sondern in das gesamte Universum der einst vom Werk gegründeten Sportvereine.

Vor dem Start zum Social-Run wurde am Donnerstagabend ein kleiner Stimmungscheck gemacht.
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Dass die Sportstadt Leverkusen für einen großen Sportartikelhändler ein ausgezeichneter Standort ist, weiß man bei Decathlon schon seit eineinhalb Jahrzehnten. Deshalb freut sich Expansionsleiter Rachidi auch sehr, dass es jetzt geklappt hat.
Für die Leverkusener Immobiliengesellschaft (Levi) ist die Decathlon-Eröffnung ebenfalls ein wichtiges Datum. Sie markiert den Neubeginn im Corner 82, wie der frühere Kaufhof jetzt heißt. Die Stadt-Tochter soll eigentlich nur heikle Projekte anschieben. Die Kaufhof-Pleite und die folgende Schließung eines für die Fußgängerzone strategisch wichtigen Frequenzbringers hat die Levi dann zum dauerhaften Immobilien-Eigentümer gemacht.
Der Umbauaufwand war beträchtlich. Die Suche nach Mietern für ein früheres Kaufhaus, das man aus Kostengründen und wegen seiner Einbettung in die riesige Eigentümergemeinschaft der Luminaden nicht komplett in seiner Gestalt verändern kann, ist nicht eben einfach.

Für die Anmeldung gab es ein Gratis-Trikot. Decathlon hatte für seinen Social-Run unter anderem beim Leverkusener Halbmarathon Werbung gemacht.
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Levi-Chef Björn Krischick hatte durchblicken lassen, dass die Verhandlungen mit Decathlon auch nicht einfach waren. Zumal es darum ging, nicht zuerst das Erdgeschoss des früheren Kaufhof zu vermieten. Dass die erste Etage für Laufkundschaft durchaus kritisch ist, weiß natürlich auch Abdelaziz Rachidi. Die angeschlossene, 700 Quadratmeter große Terrasse zur Fußgängerzone, die in der Kaufhof-Ära überhaupt nicht benutzt worden war, gab dann den Ausschlag. Sie wird durch eine große Freitreppe und einen Aufzug erschlossen. Das sollte reichen, um die Kundschaft ins Geschäft zu bringen. Wie viele es sind, wird täglich am Eingang erfasst.
Darüber hinaus hat sich Decathlon den prominentesten Werbeplatz gesichert: Am Wohnhochhaus prangt jetzt der Schriftzug des Unternehmens. Er soll auch ein Zeichen sein: Für den früheren Kaufhof beginnt eine neue Zeit.
Neben Decathlon zieht die Kette Fit-X in den früheren Kaufhof. Cosmo-Sports besetzt mit Bowling und der skurrilen Attraktion Axtwerfen das Untergeschoss des Kaufhauses. Ganz oben wird sich eine Fachschule für künftige Physio- und Ergotherapeuten ansiedeln, einen Teil des Erdgeschosses übernimmt die Günstig-Kette Action. Am schwierigsten ist derzeit, einen Gastronomen zu finden, der die Ecke Nobelstraße/Wiesdorfer Platz großflächig bespielen soll. An sich eine Top-Lage, aber die Situation in der Gastro-Branche ist schwierig. (tk)