Wenn die Hausarztpraxen geschlossen sind, ist der Besuch in der Notaufnahme längst nicht der einzige – und oftmals nicht der richtige – Weg.
NotdienstpraxisDer verlängerte Arm der Leverkusener Hausärzte

Auch die Notdienstpraxis Leverkusens ist im Gesundheitspark in Schlebusch angesiedelt.
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Allmählich kehrt der Alltag wieder ein – auch einige Arztpraxen nutzten die Gelegenheit, ihren Mitarbeitenden über Weihnachten und Neujahr freie Tage zu ermöglichen. In solchen Fällen wird in der Regel eine Not- oder Alternativversorgung vorab kommuniziert. Was aber immer wieder auffällt: Eine Option der medizinischen Versorgung ist vielen Bürgerinnen und Bürgern gar nicht so recht vertraut – die Bereitschafts- und Notdienstpraxen.
Sie gelten im Grunde als Komplementärdienst zu den Hausärzten. Wenn die Hausarztpraxen zumeist geschlossen sind, also am Wochenende, Feiertagen und in den Abendstunden, gibt es die Betreuung durch den ärztlichen Notdienst. Der ist aber nicht mit der Notaufnahme in Krankenhäusern zu verwechseln.
Hausarztpraxis in Leverkusen geschlossen? Alternative zur Notaufnahme
Die Leverkusener Notdienstpraxis liegt in Schlebusch, im „MediLev“-Ärztehaus am Gesundheitspark 4 – also in direkter Umgebung zum weiteren medizinischen Betrieb des Klinikums Leverkusen. So wird es auch in anderen Städten gehandhabt – eine der Notdienstpraxen in Köln liegt etwa im Gebäudekomplex der Uniklinik.
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Die Öffnungszeiten der Notdienstpraxis in Schlebusch – montags, dienstags und donnerstags von 19 bis 22 Uhr, mittwochs und freitags von 14 bis 22 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen von 9 bis 22 Uhr – zeigen bereits: Das Angebot fußt darauf, als Ergänzung zu den klassischen Hausarzt-Öffnungszeiten zu agieren.
Die Notfallnummer 112 und die Möglichkeit, in eine Notaufnahme zu fahren, sind in der Bevölkerung bekannt. Auf die Alternativen – die 116117 als Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes und die Notdienstpraxen in den Städten – muss hingegen immer wieder aufmerksam gemacht werden.

Dr. Christoph Adler, Direktor für Akut- und Notfallmedizin im Klinikum Leverkusen, setzt sich dafür ein, dass Patientinnen und Patienten das Angebot der 116117 „dringend nutzen sollten“.
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Die Unterscheidung wird auf der Website des Bereitschaftsdienstes kurz und präzise erklärt: „Der ärztliche Bereitschaftsdienst hilft Ihnen außerhalb der Sprechstundenzeiten bei Erkrankungen, mit denen Sie sonst in die Praxis gehen würden und deren Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie bitte den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112.“
Wer sich unsicher ist, ob es eher in die Notdienstpraxis oder in die Notaufnahme gehen soll, dem wird über die 116117 von Fachpersonal weitergeholfen. Darüber hinaus kann sonst der diensthabende Arzt oderdie diensthabende Ärztin in der Notdienstpraxis schnell reagieren.
Als Beispiele, mit denen Patientinnen und Patienten beim Bereitschaftsdienst richtig sind, werden auf der Website etwa „starke Hals- oder Ohrenschmerzen“, „akute Harnwegsinfekte“ und „akute Rückenschmerzen“ genannt. Auch das passt in die Struktur als Ergänzung zur hausärztlichen Betreuung. Mit diesen Fällen würden Patientinnen und Patienten idealerweise, sollten sie etwa an einem Montagmittag auftreten, nicht in die Notaufnahme gehen, sondern zum Hausarzt. Wer sich daran orientiert, verhindert auch die Überfüllung der Notaufnahmen durch Fälle, die keine Notfälle sind.
Die 116117 ist ein sehr wichtiges Instrument, das Bürgerinnen und Bürger mit gesundheitlichen Beschwerden dringend nutzen sollten.
Darauf weist auch Dr. Christoph Adler, Klinikdirektor für Akut- und Notfallmedizin in Schlebusch, hin: „Die 116117 ist ein sehr wichtiges Instrument, das Bürgerinnen und Bürger mit gesundheitlichen Beschwerden dringend nutzen sollten. Durch den ärztlichen Bereitschaftsdienst erfolgt eine fachliche Einschätzung der Dringlichkeit, die enorm wertvoll ist. Denn grundsätzlich werden zu viele Menschen bei uns vorstellig, die mit ihren Beschwerden eigentlich in einer niedergelassenen Praxis beziehungsweise in der Notdienstpraxis an der richtigen Adresse wären.“
Die Folgen dessen machen sich auch im Klinikum Leverkusen bemerkbar, wie Adler erklärt: „Dies führt bei uns in Phasen mit hohem Andrang zu längeren Wartezeiten für alle Personen, die wir nicht als Notfall einschätzen beziehungsweise bei denen kein akuter medizinischer Handlungsbedarf besteht.“
Aktuelle Zahlen des Klinikums verdeutlichen: Es gibt durchaus Anlass, weiterhin auf die wichtigen Alternativen zu 112 und Besuch in der Notaufnahme aufmerksam zu machen. Denn im Vergleich zu 2024 suchten noch einmal mehr Patientinnen und Patienten die Notaufnahme auf – ein Plus von acht Prozent wurde dem „Leverkusener Anzeiger“ auf Anfrage mitgeteilt. Hierunter seien natürlich auch Fälle gegeben, die entweder aufgrund ihrer Schwere anderswo hätten aufgegriffen werden können oder auch telefonisch hätten abgeklärt werden können.
Unter der 116117 ist Fachpersonal rund um die Uhr und kostenlos erreichbar. Für Fälle, bei denen keine Lebensgefahr besteht oder es sich um schwere Unfälle handelt, da unbedingt die 112 wählen, ist sie die richtige Anlaufstelle.


