Die niedergelassenen Ärzte der Stadt trafen sich im Spiegelsaal im Schloss Morsbroich.
Neujahrsempfang der ÄrzteLeverkusen bekommt einen eigenen Kindernotarzt

Neujahrsempfang der Leverkusener Ärzte im Schloss Morsbroich: der ehemalige Chefarzt im Klinikum Peter L. Schwimmbeck (v.l.), der Laborarzt Norbert Schöngen, der Lungenfacharzt Norbert Mülleneisen und der Bundestagsabgeordnete und Arzt Karl Lauterbach.
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Ob es daran lag, dass der Mittwoch der bisher schneereichste Tag war und Leverkusener Ärzte in ihren Praxen viel zu tun hatten? Zum Neujahrsempfang der niedergelassenen Ärzte der Stadt kamen in diesem Jahr jedenfalls deutlich weniger Ärzte als 2025.
Norbert Mülleneisen ist zwar eigentlich in Rente, aber er ist nach wie vor der Vorsitzende des Vereins „Regionales Praxisnetz Leverkusen“. Dass er als „ärztlicher Rentner“ erneut Vorsitzender sei, liege daran, dass die jungen Ärzte zu wenig Zeit hätten. Der Lungenfacharzt beklagte, das Ministerium plane, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen Fahrdienste für Hausbesuche in der Region organisieren müssen. Aus Sicht der Ärzte sei das kaum denkbar, es gebe dafür zu wenig Personal, zu wenige Ärzte. Junge Ärztinnen und Ärzte lebten oft nicht mehr in der Nähe, die engagierten sich häufig nicht im regionalen Mediziner-Netzwerk – zum Schaden der Patienten.
Immer mehr Ärzte seien inzwischen Angestellte in medizinischen Versorgungszentren. Daraus ergäben sich neue Probleme: Diese Ärzte können streiken und sie gehen oft pünktlich in Rente, anders als selbstständige Ärzte. Problem gebe es auch mit der quasi-monopolisierten Radiologie in der Region, da würden dringendere Fälle, die von den Ärzten kämen, nicht automatisch bevorzugt untersucht.
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Probleme gebe es immer genug, sagt Mülleneisen im Spiegelsaal von Schloss Morsbroich, aber auch Positives: In der Palliativversorgung laufe es zum Beispiel gut in der Stadt.
Leverkusen: Kindernotarztwagen in Vorbereitung
Fortschritt gibt es auch in der Kindermedizin: In Aussicht steht, dass bei der Feuerwehr Leverkusen bald ein spezieller Kindernotarztwagen im Einsatz sei. Der vieljährige Notarzt Wolfgang Hübner stellte das Projekt vor: Der Wagen komme von der Björn-Steiger-Stiftung, im Klinikum läuft eine Stellenausschreibung und derzeit sammelt eine Burscheider Familie Spenden.
Hintergrund ist der Tod eines dreijährigen Kindes in Burscheid am 30. September 2025, nach dem sich die Eltern entschieden haben, gemeinsam mit dem Arzt Dejan Vlajnic von der Kinderpalliativstation im Klinikum ein spezielles Kinder-Notarztsystem mit eigenem Wagen einzurichten.
Kinder sind eben ganz anders zu versorgen, sie sind keine kleinen Erwachsenen.
Das Kind der Burscheider Familie war mehrfach schwerbehindert. Auf der Spenden-Webseite beschreibt die Mutter, dass bei der unerwarteten Geburt des Kindes zu Hause zwar der normale Notarzt schnell zur Stelle gewesen sei, dass es aber 53 Minuten gedauert habe, bis ein auf Kinder spezialisierter Notarzt gekommen sei.
Der Notarzt Wolfgang Hübner, der 20 Jahre im Hubschrauber zu Einsätzen geflogen ist, kennt solche Fälle: „Kinder sind eben ganz anders zu versorgen, sie sind keine kleinen Erwachsenen.“ Das rechtfertige die Anschaffung des neuen Fahrzeugs. Der Wagen bekommt unter anderem ein spezielles Beatmungs- und Ultraschallgerät.
Aus Berlin war der Bundestagsabgeordnete und Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit angereist. Der seit der Corona-Pandemie stark gefährdete Arzt und Politiker wird nach wie vor von Personenschützern streng bewacht.
Lauterbach bedankte sich, dass er immer wieder Patienten an Leverkusener Ärzte vermitteln könne, die sich mit speziellen Problemen an ihn als Arzt und Bundestagsabgeordneten wenden. Zu den Medizinerinnen und Medizinern sagte er: „Sie können mich jederzeit anrufen.“ Der ehemalige Gesundheitsminister ist in Berlin Vorsitzender im Forschungsausschuss.
Ausgehend von neuen Studien versuchte er, die Leverkusener Ärzte und vor allem wohl die Kinderärzte für ein ganz anderes Thema zu sensibilisieren. In Studien zeige sich immer deutlicher, wie verheerend sich Smartphones auf die Entwicklung von Kindern auswirke; das Thema betreffe besonders die, die weniger behütet aufwachsen.

