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KerschensteinerschuleLeverkusen plant Pilotprojekt zu Hilfe im Schulalltag

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ARCHIV – 15.11.2023, Baden-Württemberg, Stuttgart: Ein Schüler meldet sich in einer vierten Klasse in einer Grundschule. Künstliche Intelligenz (KI) soll Lehrkräfte gezielt im nordrhein-westfälischen Schulalltag unterstützen. 
 (zu dpa: „Neue digitale Helfer für Lehrer – Bürokratie wird entrümpelt“) Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Viele Grundschulkinder brauchen Hilfe, um den Schulalltag zu bewältigen.

An der GGS Kerschensteinerschule sollen Schulbegleitung und Integrationshilfe in einem Poolsystem getestet werden.

Soziale Auffälligkeiten, fehlende Konzentration, Probleme mit sozialer Interaktion und dem Umgang mit Krisen – oder auch nur mit selbstständigem Essen oder Toilettengang: Immer mehr Kinder brauchen Eingliederungshilfen als Unterstützung im Schulalltag. Jedem dieser Kinder eine eigene Integrationshilfe zur Verfügung zu stellen, ist aufwendig und teuer. Fachpersonal fehlt, Geld sowieso. Daher will Leverkusen an der GGS Kerschensteinerschule ab dem Schuljahr 2026/2027 ein Modellprojekt starten.

Das Ziel des sogenannten Infrastruktur- oder Poolmodells: Unterstützungsleistungen sollen teilweise gebündelt direkt vor Ort in der Schule organisiert werden. Ziel ist es laut Verwaltung, Hilfen früher, flexibler und präventiver anzubieten. Im Unterschied zu klassischen Einzelbegleitungen soll ein Teil der Unterstützung nicht erst nach individueller Bewilligung einsetzen, sondern im Schulalltag verfügbar sein. Individuelle Begleitung soll bei Bedarf weiterhin möglich sein, man erhoffe sich aber, dass das in weniger Fällen nötig sein wird.

Linke sieht versteckte Sparmaßnahme

Der Stadtrat muss das Projekt noch beschließen, der Bildungsausschuss hat sich am Montag bereits dafür ausgesprochen. Lediglich Kenneth Dietrich (Linke) steht dem Projekt kritisch gegenüber: „Für mich wirkt das wie eine versteckte Sparmaßnahme, warum nimmt man nicht eine Schule, bei der der Bedarf an Individualbetreuung nicht so groß ist?“

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Einsparungen seien möglich, aber nicht das vorrangige Ziel, betont Tanja Groh-Mers vom Fachbereich Kinder und Jugend: „Das Ziel ist, ohne Stigmatisierung ein Grundschulkind durchgängig pädagogisch begleiten zu können.“ Die Kerschensteinerschule sei ausgewählt worden, weil es eine Schule brauche, die ausreichend Räume für pädagogische Gruppenarbeit hat.

Kölner Sozialdienst übernimmt Auftrag

Träger des Projekts soll der Kölner Sozialdienstleister Becker sein. Warum man sich für diesen Träger entschieden habe, fragt Claudia Schulte (Grüne). „Wir haben geschaut, welche Träger sich schon heute an den Schulen häufen. Dabei haben wir vier ausgemacht, die haben wir angesprochen“, erklärt Groh-Mers. Drei davon hätten abgelehnt, das Kölner Unternehmen als einziges zugesagt. „Ein Pilotprojekt ist ein wirtschaftliches Risiko für einen Träger, außerdem wird das Projekt von den Unis Köln und Wuppertal wissenschaftlich begleitet, damit macht ein Träger sich transparent, das möchte nicht jeder.“

Die sozialen Probleme an Schulen werden immer größer, da kann man jede Hilfe nur begrüßen.
Gisela Schumann (CDU)

Claudia Schulte, selbst Lehrerin, befürwortet das unter bestimmten Bedingungen: „Eine Poollösung kann sinnvoll sein, wenn sie an die Struktur der Schule angegliedert ist. Schon alleine, um Krankheitsausfälle abzupuffern.“ Dem stimmt auch Gisela Schumann (CDU) zu: „Die sozialen Probleme an Schulen werden immer größer, da kann man jede Hilfe nur begrüßen.“

Der Schwerpunkt des Modells liegt auf den Jahrgangsstufen eins und zwei. Dort sollen Inklusionsassistenzen klassenübergreifend und bedarfsorientiert eingesetzt werden. Sie sollen Kinder unter anderem beim Lernen, bei der Konzentration, bei sozialen Interaktionen und in Krisensituationen unterstützen. Auch Begleitung in Pausen, bei Ausflügen oder bei lebenspraktischen Verrichtungen ist vorgesehen. In den Jahrgängen drei und vier sollen bestehende individuelle Schulbegleitungen erhalten bleiben.

37 Schülerinnen und Schüler brauchen Hilfe

Ergänzt werden soll das Angebot durch soziale Gruppenarbeit am Nachmittag. Diese richtet sich an kleinere Gruppen von sechs bis acht Kindern und soll soziale Kompetenzen fördern, Konflikte bearbeiten und Kinder beim Übergang in eine selbstständigere Teilhabe am Schulalltag unterstützen.

Nach Einschätzung der Schulleitung besteht an der Kerschensteinerschule bei insgesamt 37 Schülerinnen und Schülern Unterstützungsbedarf im Schulalltag. Würden diese ausschließlich über individuelle Einzelfallhilfen gedeckt, ergäbe sich für das Schuljahr 2026/2027 laut Verwaltung ein geschätztes Kostenvolumen von rund 2,22 Millionen Euro.

Für das Poolmodell kalkuliert die Stadt im ersten Jahr mit Aufwendungen von rund 550.000 Euro. Allerdings geht die Verwaltung davon aus, dass parallel zunächst weitere Einzelfallhilfen notwendig bleiben, vorsichtig kalkuliert mit rund 900.000 Euro. Rechnerisch ergäbe sich daraus eine mögliche Entlastung von rund 770.000 Euro gegenüber einer ausschließlichen Versorgung über Einzelfallhilfen.

Der Vertrag mit dem Träger soll zunächst für ein Schuljahr geschlossen werden, die wissenschaftliche Begleitung sei über drei Jahre geplant, sagt Groh-Mers.


Silke Ratte verabschiedet sich aus Bildungsausschuss

Mit einem eindrücklichen Appell hat sich Silke Ratte als Vorsitzende der Stadtschulpflegschaft vom Bildungsausschuss verabschiedet. In der kommenden Woche finden Neuwahlen in der Elternvertretung statt. Da Rattes Kinder seit wenigen Tagen beide 18 Jahre alt sind, könne sie nicht wiedergewählt werden. Dass der Antrag der Stadtschulpflegschaft, nicht pauschal an der Bildung zu kürzen, im Bürgerausschuss als erledigt erklärt wurde, ärgert sie: „Für uns ist das nicht erledigt.“ Die Stellenstreichungen der PD betreffen zu rund 30 Prozent Bildungseinrichtungen und -angebote. „Alle wissen, dass gespart werden muss und sind bereit, sich zu beteiligen“, sagt Ratte.

Silke Ratte gibt den Vorsitz in der Stadtschulpflegschaft ab

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Die Stadt müsse mit den Institutionen ins Gespräch kommen, gute Ideen seien überall vorhanden. „Sie müssen aber auch die Wechselwirkungen prüfen. Etwa, was passiert, wenn Kinder nicht mehr dahin kommen, eine Berufsausbildung machen. Wenn sie vom sozialen Netz aufgefangen werden müssen, wird es viel teurer.“ Gerade der dafür bedeutende Ausbau der Schulsozialarbeit sei ein Meilenstein für Leverkusen gewesen, Kürzungen könnten sich fatal auswirken.

Vertreter von Politik und Verwaltung dankten Ratte für ihren kooperativen, aber hartnäckigen Einsatz.