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KarnevalRosenmontagszug in Opladen trotzt dem Regen

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Die GGS Opladen zieht als vielköpfiger jecker Bautrupp im Rosenmontagszug mit.

Die GGS Opladen zieht als vielköpfiger jecker Bautrupp im Rosenmontagszug mit.

Bei denkbar schlechtem Wetter versammelten sich deutlich weniger Karnevalsjecken am Straßenrand. Doch die wurden mit viel guter Laune, Musik, Strüßjer und Kamelle belohnt.

Nick, Elias und Adam von der KG Neustadtfunken stärken sich am oberen Ende der Kölner Straße noch mit Berlinern. Der Rosenmontagszug in Opladen steht kurz bevor und es regnet Bindfäden. Die drei Zwölfjährigen zucken mit den Schultern. Ist eben so. Auf den Zoch freuen sie sich trotzdem.

So wie Maike Frank, Mutter von Ex-Kinderprinz Michel II., die mit Petra Hebbel, Mutter der Ex-Kinderprinzessin Nathalie I., und den Müttern des aktuellen Opladener Kinderprinzenpaares, Cataleya I. und Vincent I., zwischen den Wagen der Neustadtfunken auf den Beginn des Zuges wartet. „Wir haben das ganze Jahr dafür gearbeitet, den Wagen geschmückt, Tänze geübt. Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt des Karnevals. Da machen ein paar Regentropfen nichts“, sagt Maike Frank.

Regenschirme waren im Opladener Rosenmontagszug unverzichtbar.

Regenschirme waren im Opladener Rosenmontagszug unverzichtbar.

Trotzdem ist es natürlich gut, auf den Regen passend vorbereitet zu sein. Und so beherrschen Regenschirme und transparente Regenumhänge das Bild unter den Jecken auf der Straße und am Straßenrand. Prinz Rogerio I. hat eine Art transparente Badekappe über seine empfindliche Prinzenkappe gezogen.

Viele der etwa 1600 Jecken im Zug haben sich ebenso unter Dachvorstände, Markisen oder in Hauseingänge zurückgezogen wie Eltern und Kinder am Straßenrand. Das schlechte Wetter bringt es mit sich, dass es auf den Bürgersteigen der Kölner Straße deutlich weniger voll ist als in anderen Jahren. Auch am Opladener Platz, wo der Jeckentreck nach links abbiegt und normalerweise einer der Feier-Hotspots im Opladener Rosenmontag ist, ist deutlich weniger los als sonst. In zwei Reihen stehen die großen und kleinen Karnevalisten und warten darauf, dass es losgeht.

Die Zugteilnehmer stecken sehr viel Mühe und Zeit in die Gestaltung ihrer Wagen. Da lassen sie sich die Laune auch nicht vom Regen vermiesen.

Die Zugteilnehmer stecken sehr viel Mühe und Zeit in die Gestaltung ihrer Wagen. Da lassen sie sich die Laune auch nicht vom Regen vermiesen.

Leonard Sundermann und Tim Müller kommen seit 30 Jahren zum Opladener Rosenmontagszug. Aber an so schlechtes Wetter wie in diesem Jahr können sich die beiden nicht erinnern. Aber, Regen hin oder her, sie haben sich wie jedes Jahr mit einer Gruppe von Freunden verabredet und warten nun darauf, dass der Zoch kütt.

Um 14.11 Uhr ist es soweit, pünktlich geht es los. Die GGS Opladen zieht passend zur Baustellenlage in ihrem angestammten Schulgebäude als großer jecker Bautrupp durch die Opladener Straßen und sorgt als erste dafür, dass es an diesem Rosenmontag nicht nur Tropfen, sondern auch Kamelle regnet. Die Mädchengarde der KG Altstadtfunken bewegt sich mit großer Eleganz im Tanzschritt die Kölner Straße hinunter und lässt mit Drehbewegungen ihre langen cremeweißen Mäntel zur Geltung kommen. Zwischendurch ist Zeit, viele Rosen am Straßenrand zu verteilen.

Die Imbacher Dorfgemeinschaft nimmt die Zustände in Leverkusen satirisch aufs Korn.

Die Imbacher Dorfgemeinschaft nimmt die Zustände in Leverkusen satirisch aufs Korn.

Die Närrische Kolpingsfamilie und die Dorfgemeinschaft Imbach sind die einzigen, die satirisch überspitzt den einen oder anderen Missstand in der Stadt aufspießen. Die jecken Kolpingleute weisen auf ihrem Wagen auf diverse (Groß-)Baustellen im Stadtteil hin, wie die Stadthalle oder die auch in den vergangenen Monaten wieder monatelang wegen Reparaturen gesperrten Aufzüge im Bahnhof Opladen. Die Imbacher bieten auf ihrem knallgelben Käserei-Mottowagen zum Beispiel Rettungsdienstdesaster-Ricotta für den Angebotspreis von 78,6 Millionen Euro an. Auch zu haben: „Stadtrater Schimmelkäse – lange gereift“ oder „Aspirin-Scheibletten – gegen die Kopfschmerzen der Stadt“.

Die Marienschule Opladen war erstmals dabei.

Die Marienschule Opladen war erstmals dabei.

Anlässlich des Schuljubiläums erstmals im Zug dabei ist die Fußgruppe der Opladener Marienschule. Lehrerin Vera Beuth hat sich gemeinsam mit den Müttern Anja Brinke und Geraldina Salvaggio die Kostüme überlegt – Honigbienen, die über eine Blumenwiese fliegen. Und so laufen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Erwachsenen der Schule in großer Zahl im Zoch mit und verteilen als Wurfmaterial Samen für Blühwiesen. Sie bereichern den Zoch auch musikalisch: Denn die Marienschule ist die einzige Fußgruppe, die auch eine Blaskapelle dabei hat – organisiert von Lehrer Oliver Frücht, der Musiker aus der Brassband und dem Orchester der Schule für den Zoch begeisterte.

Für super Stimmung sorgt unter anderem das Tanzcorps der Stadtgarde Opladen mit einer Choreografie zum Sessionshit „Karnevalsmaus“. Und als sich um etwa 15.20 Uhr als Letzter im Zoch der Prinzenwagen mit Rogerio I. in Bewegung setzt, hat auch der Wettergott ein Einsehen. Der Regen hört für eine Stunde auf, fast ist sogar die Sonne durch die dünner werdende Wolkendecke zu sehen. Und Rogerio I. schaufelt Kamelle auf die Jecken, was das Zeug hält.