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Verbales KräftemessenBei „Jugend debattiert“ ringen Leverkusener Schüler um Argumente

Lesezeit 3 Minuten
Vier Jugendliche bei der Finaldebatte.

In der Finalrunde entschied sich, wer zum Landeswettbewerb fahren darf.

Am Regionalwettbewerb an der Käthe-Kollwitz-Schule nahmen Schülerinnen und Schüler von 14 Schulen aus dem Umland teil.

Nur die zittrigen Hände von Victoria Günther deuteten daraufhin, mit welcher Nervosität sie in ihrem Rededuell beim Regionalentscheid des Wettbewerbs „Jugend debattiert“ zu kämpfen hatte. Mit ansonsten starker Stimmen und argumentativem Geschick diskutierte sie am Mittwochvormittag in der Käthe-Kollwitz-Schule mit Gleichaltrigen unter anderem darüber, ob Städte und Kommunen in Deutschland mehr öffentliche Trinkwasserbrunnen bauen sollten, oder ob in Schwimmbädern eine flächendeckende Videoüberwachung angebracht wäre. 

Eigentlich sind das nicht die klassischen Gespräche, über die Schülerinnen und Schüler aus der neunten Klasse ins Plaudern kommen. Doch der Debattierwettbewerb bietet genau dafür jährlich einen Rahmen. Es sei wertvoll, sich mit Pro- und Kontra-Argumenten eines Themas zu beschäftigen. „Die Schülerinnen und Schüler lernen, auf andere einzugehen, das ist ein toller Austausch“, sagte Annick Volk. Sie ist Lehrerin an der Käthe-Kollwitz-Schule, dort, wo in diesem Jahr der Regionalentscheid von „Jugend debattiert“ ausgerichtet wurde.

„Jugend debattiert“: 14 Schulen nahmen teil

Ausgewählte Schülerinnen und Schüler von 14 Schulen aus Leverkusen, Köln, dem Oberbergischen und Bergisch Gladbach hatten dafür den Weg nach Rheindorf gefunden. In zwei Vorrundendebatten ging es darum, sich für das Finale der eigenen Altersklasse – Sekundarstufe 1 oder Sekundarstufe 2 – zu qualifizieren. Die jeweils vier Punktbesten ermittelten anschließend, wer die Region auf Landesebene vertreten darf. 

Doch schon in den ersten Runden sei die Spannung manchmal kaum auszuhalten gewesen. „Da bin selbst ich aufgeregt“, sagte Volk, die gemeinsam mit anderen Lehrkräften, Eltern und auch Jugendlichen die Jury bildete. Vorher bereitete sie die Teilnehmenden ihrer Schule in mehrstündigen Unterrichtsreihen auf die Debatten vor. Da gehe es auch um gedankliche Strukturen und sprachliche Tipps. Inhaltlich müssten sich die Teilnehmenden aber schon selbst mit den Themen beschäftigen, recherchieren und Argumente zurechtlegen, so Volk. 

Zehn Tage hatten sie diesmal dafür Zeit. Doch erst am Morgen erfuhren die Debattierenden, ob sie in der Diskussion die Pro- oder Kontraseite einnehmen müssen. Kurz danach ging es schon los. In Vierergruppen äußerten sich die Jugendlichen zu den Streitfragen, erst in einer zweiminütigen Eingangsrede, dann in einer offenen Aussprache von zwölf Minuten – dieser Part erinnerte fast an gängige TV-Talkshowformate. Allerdings verliefen die Diskurse deutlich wertschätzender als unter so manchen Politikerinnen und Politikern. Ausreden lassen statt reinzugrätschen und zu- statt wegzuhören, schien die Devise. Dennoch deutlich folgte am Ende jeweils ein kurzes Abschlussplädoyer. 

Leverkusener Nikolas Engel gewinnt in der Altersstufe 1

Nach dieser Viertelstunde voll geballter Aufmerksamkeit und verbalem Kräftemessen hieß es im Anschluss erst einmal: beruhigen und Luft holen. Victoria Günther war der Druckabfall zumindest deutlich anzusehen, bevor sie ihr Feedback von der Jury erhielt. 

Günther schaffte sogar den Sprung in die Endrunde – nicht das erste Mal für die Schülerin vom Aggertal-Gymnasium in Engelskirchen. Für das Finale musste sie sich noch einmal „in diesen Zustand versetzen“. Diesmal ging es um die Frage, ob im Jugendvereinssport auf Leistungsbewertungen verzichtet werden sollte. 

Nicht ganz reichten ihre Argumente für den ersten Platz. Den belegte der Leverkusener Nikolas Engel vom Freiherr-vom-Stein-Gymnasium. Nele Spanier vom Paul-Klee-Gymnasium wurde Zweite. Katharina Knaub vom Maximilian-Kolbe-Gymnasium und Luca Meyer von der Integrierten-Gesamtschule Paffrath landeten auf den beiden ersten Plätze in der Sekundarstufe 2. 

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