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Leverkusener GroßfamilieStaatsanwalt fordert zwölf Jahre Haft für Enkeltrick-Betrüger

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Landgericht Köln: Zwei Angeklagte mit ihrem Anwalt

Giuliano und Christopher G. stehen wegen Enkeltricks vor dem Landgericht Köln.

Jeweils zwölf Jahre Haft fordert der Staatsanwalt im Enkeltrick-Betrugsverfahren vor dem Landgericht Köln für die beiden Brüder.

Im Prozess gegen zwei Brüder der stadtbekannten Leverkusener Großfamilie und deren zwei Helfer hat die Staatsanwaltschaft am Montag vor dem Landgericht Köln hohe Strafen gefordert.

Die Haupttäter, die Brüder Giuliano und Christopher Goman, die bei 20 nachgewiesenen Enkeltrickbetrugsfällen eine wesentliche Aufgabe erfüllt haben, sollen für zwölf Jahre in Haft. Die Helfer, die die eigentliche Abholung erledigten, sollen für sechs und neun Jahre ins Gefängnis.

Die deutlich hohe Strafforderung wirkt abschreckend: Falls auch das Urteil in ähnlicher Höhe ausfallen sollte, ginge ein Signal an alle, die sich als Enkeltrickbetrüger das große Geld ergaunern wollen. Wobei der Staatsanwalt im Plädoyer klarmachte, dass das Tatmuster des Schockanrufs alles andere als eine einfache Gaunerei sei. In dieser Verhandlung zeigte sich, dass die Betrüger Menschen hinterlassen, die für den Rest des Lebens schwer an sich und ihrem Verstand zweifeln. Die Opfer würden von den Betrügern zudem komplett ausgenommen, wenn es ihnen möglich ist, sagte der Staatsanwalt. „Alles, was zu holen ist, soll bei den Opfern geholt werden.“ Er beschrieb im Plädoyer noch einmal ausführlich die schweren Leiden bei den Opfern. Die Täter reagierten unterschiedlich: Christopher Goman, einst ein erfolgreicher Boxer, wirkte niedergeschlagen, als der Staatsanwalt seine Strafforderung ausgesprochen hatte. Im Gesicht seines jüngeren Bruders Giuliano, der sich in Verhandlungspausen oft noch jovial gegeben hatte, mischte sich jetzt Erstaunen mit Unglauben.

Die Summe der Serie der Einzelstrafen für die 20 angeklagten Taten summiert die Staatsanwaltschaft bei Giuliano Goman auf über 100 Jahre Haft, bei Bruder Christopher auf etwa 90 Jahre, weil er nicht ganz so oft bei den Betrugsfällen dabei gewesen ist.

Allerdings konnte der Staatsanwalt in seiner Aufstellung nur die 20 unwiderlegbar nachgewiesenen Taten anrechnen. Wahrscheinlich ist, dass die Brüder weitaus häufiger zu Abholungen gefahren sind. Das verraten die Bewegungsdaten ihrer Autos und Handys. Die zeigten an vielen weiteren Tagen typische Bewegungsmuster von Abholfahrten; nur wurden an diesen vermuteten Tatorten keine Schockanrufe angezeigt. Das sei auch typisch, denn viele alte Menschen schämten sich so sehr, nachdem sie merkten, dass sie Opfer eines Betruges geworden seien, dass sie die Tat nicht anzeigten, sagte der Staatsanwalt.

Die Brüder waren zwar geständig, aber daran hat der Staatsanwalt Abstriche gemacht: Zugegeben hatten die Brüder die Taten, die die Ermittler sowieso minutiös nachgewiesen hatten; alles, was sie zugaben,  sei also bekannt gewesen.

Stadtbekannte Leverkusener Großfamilie: Verteidiger finden acht Jahre Haft reichen

Als viel zu hoch gegriffen bezeichneten beide Verteidiger dagegen die Strafforderung. Mit der Forderung nach zwölf Jahren bewege man sich schon im Nahbereich dessen, was in Deutschland als höchste Strafe überhaupt verhängt werden könne: „Was sollen denn die Hintermänner dann noch bekommen, wenn man sie erwischen würde?“

Erwartungsgemäß spielten alle Verteidiger die Rolle ihrer Mandanten in der Schockanrufe-Organisation herunter: Die eigentlichen Täter, die Anrufer oder Keiler, säßen im Ausland. Die Verteidiger der beiden als austauschbare Handlanger bezeichneten Abholer sagten, dass milde Strafen ausreichend seien, sie hätten noch eine Zukunft vor sich. Die Verteidiger der Goman-Brüder, Günter Teworte und Nicolai Mameghani, meinen: Acht Jahre Haft reichten für ihre Mandanten.

Dass ein Betrugsnetzwerk nur mit einer reibungslos und flexibel arbeitenden Logistik abkassieren kann, wie sie die Leverkusener mindestens ein knappes Jahr zuverlässig lieferten, wird das Gericht im Urteil bewerten müssen.

Gewusst haben alle Angeklagten, was sie taten, auch wenn sie sich am letzten Verhandlungstag in ihren abschließenden Worten selbstverständlich reuig zeigten. „Ich bin froh, dass der Alptraum vorüber ist. Es tut mir leid, als Boxer ging es mir gut“, las Christopher Goman einen Text vor. Sein Bruder Giuliano sprach frei: „Hätte ich das vorher gewusst, was den Opfern angetan wird, hätte ich das gar nicht angefangen. Ich weiß, dass ich dafür sitzen muss.“

Das Urteil wird am Mittwoch gesprochen.